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35Zielwert

Fried­fertig­keit

„Ich suche Frieden und stifte ihn.“

Frieden suchen und stiften: Spannungen entschärfen, Versöhnung ermöglichen und ein Klima schaffen, in dem Menschen sich sicher fühlen – ohne Konflikte unter den Teppich zu kehren.

Zwischen zwei verfeindeten Gruppen zuckt eine Zackenlinie, eine goldene Welle der Ruhe glättet sie. Legt sich das Gold als Decke über alles, glimmt darunter Ungeklärtes weiter – bis es offen in die Mitte geholt und zur Brücke zwischen beiden wird.
Kurz gesagt

Ich suche Frieden und stifte ihn.

Was Friedfertigkeit bedeutetFrieden suchen und stiften: Spannungen entschärfen, Versöhnung ermöglichen und ein Klima schaffen, in dem Menschen sich sicher fühlen – ohne Konflikte unter den Teppich zu kehren.

Umfasst auchHarmonieGewaltfreiheitSanftmutDiplomatie

Die Wertematrix

Friedfertigkeit im Gleichgewicht

Friedfertigkeit braucht Konfliktfähigkeit als Gegengewicht. Zu viel Friedfertigkeit wird zu Konfliktunfähigkeit – der Weg zurück führt über Konfliktfähigkeit.

In Balance

Begriffe erklärt

Zielwert 35

Friedfertig­keit

„Ich suche Frieden und stifte ihn.“

auch Friedensliebe, Friedensstiften

Gemeint ist eine Haltung, die Spannungen entschärft und Versöhnung ermöglicht. Hilfreich, weil Teams in Dauerkonflikten Energie und Vertrauen verlieren.

In Balance mit: Konfliktfähigkeit. Zu viel davon: Konfliktunfähigkeit. Verneint durch: Streitsucht.

Schwestertugend S35

Konflikt­fähigkeit

„Ich spreche Konflikte an und kläre sie.“

auch Streitkultur, Konfronta­tions­bereitschaft

Gemeint ist der Mut, Unterschiede offen zu verhandeln. Hilfreich, weil echter Friede nicht durch Wegsehen entsteht, sondern durch Klärung.

In Balance mit: Friedfertigkeit. Zu viel davon: Streitsucht. Verneint durch: Konfliktunfähigkeit.

Zur Seite Konfliktfähigkeit

Übertreibung von Friedfertigkeit

Konflikt­un­fähigkeit

„Bloß keinen Streit.“

auch Harmonie­sucht, fauler Friede

Verneinung der Konfliktfähigkeit und zugleich überzogene Friedfertigkeit. Grenzwertig, weil ungelöste Konflikte unter der Oberfläche weiterwachsen.

Übertreibung von: Friedfertigkeit. Verneinung von: Konfliktfähigkeit. Entwicklungsrichtung: Konfliktfähigkeit.

Übertreibung von Konfliktfähigkeit

Streitsucht

„Ich kämpfe jede Auseinandersetzung durch.“

auch Unfrieden, Kampfeslust

Gegenwort zur Friedfertigkeit und zugleich überzogene Konfliktfähigkeit. Grenzwertig, weil aus Klärung Krieg wird und Menschen sich zurückziehen.

Übertreibung von: Konfliktfähigkeit. Verneinung von: Friedfertigkeit. Entwicklungsrichtung: Friedfertigkeit.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeFriedfertigkeit · Konfliktfähigkeit · Konfliktunfähigkeit · Streitsucht

Zielwert

Fried­fertig­keit

auch Friedensliebe · Friedensstiften

Gemeint ist eine Haltung, die Spannungen entschärft und Versöhnung ermöglicht. Hilfreich, weil Teams in Dauerkonflikten Energie und Vertrauen verlieren.

Schwestertugend

Konflikt­fähigkeit

auch Streitkultur · Konfrontationsbereitschaft

Gemeint ist der Mut, Unterschiede offen zu verhandeln. Hilfreich, weil echter Friede nicht durch Wegsehen entsteht, sondern durch Klärung.

Übertreibung von Friedfertigkeit

Konfliktunfähigkeit

auch Harmoniesucht · fauler Friede

Verneinung der Konfliktfähigkeit und zugleich überzogene Friedfertigkeit. Grenzwertig, weil ungelöste Konflikte unter der Oberfläche weiterwachsen.

Der Weg heraus: Richtung Konfliktfähigkeit

Übertreibung von Konfliktfähigkeit

Streitsucht

auch Unfrieden · Kampfeslust

Gegenwort zur Friedfertigkeit und zugleich überzogene Konfliktfähigkeit. Grenzwertig, weil aus Klärung Krieg wird und Menschen sich zurückziehen.

Der Weg heraus: Richtung Friedfertigkeit

Die ÜbertreibungWann Konfliktunfähigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Friedfertigkeit heißt Konfliktunfähigkeit (auch: Harmoniesucht, fauler Friede). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Familie

Bei der Trauerfeier für ihre Mutter lassen zwei zerstrittene Geschwister ihren Erbstreit ruhen und begegnen sich freundlich. Für diesen Tag ist das Ausweichen richtig: Der Abschied verdient Frieden, der Streit kann warten.

Politik & Staat

Polizeikräfte treffen bei einer Demonstration auf eine aufgeheizte Gruppe und lassen kleinere Provokationen unbeantwortet, statt jeden Verstoß sofort zu ahnden. Deeskalation verhindert, dass aus Worten Gewalt wird.

Woran man den Unterschied erkennt

Konflikten auszuweichen trägt, wenn der Zeitpunkt ungünstig ist, eine Eskalation mehr Schaden anrichten würde als der Streitpunkt und die Klärung später nachgeholt werden kann. Es wird zum faulen Frieden, sobald Unrecht verschwiegen wird, Schwächere den Preis für die Harmonie zahlen oder das „Später“ nie kommt.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung

Dass Friedfertigkeit Konfliktfähigkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    Jeremia 6,14

    Der Prophet klagt die an, die sagen „Friede! Friede!“, wo doch kein Friede ist – die biblische Warnung vor dem faulen Frieden.

  2. 5. Jh. v. Chr.
    China
    Konfuzius

    Der Edle ist harmonisch, aber nicht gleichförmig – der Gemeine gleichförmig, aber nicht harmonisch, Lunyu 13.23

  3. 4. Jh. v. Chr.
    Philosophie
    Aristoteles

    Sanftmut als Mitte zwischen Jähzorn und Zornlosigkeit, Nikomachische Ethik II 7

  4. 1. Jh.
    Neues Testament
    Matthäus 5,9

    „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

    Römer 12,18

    „Ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden.“

  5. um 200
    Jüdische Auslegung
    Mischna

    Hillel: „Sei von den Schülern Aarons, liebe den Frieden und jage ihm nach“, Pirkei Avot 1,12

  6. 13. Jh.
    Christliche Tradition
    Thomas von Aquin

    Vom Frieden, II-II q. 29, und vom Zank als seinem Gegenteil, q. 41

  7. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien, davon 1 Metaanalyse · 2003–2007
2 Studiendavon 1 Metaanalyse2003–2007 Zeitraum
  1. 2003
    Metaanalyse

    Eine Metaanalyse zeigte, dass sowohl Beziehungskonflikte als auch Sachkonflikte in Teams im Durchschnitt mit geringerer Leistung und Zufriedenheit einhergehen – Frieden zu stiften ist also kein weicher Luxus.

    De Dreu & Weingart, 2003
  2. 2007
    Studie

    Durchsetzungsstärke hängt umgekehrt U-förmig mit Führungswirkung zusammen: Wer zu wenig für seine Anliegen eintritt, erreicht zu wenig; wer zu viel Druck macht, beschädigt Beziehungen.

    Ames & Flynn, 2007
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Wo in deinem Team schwelt ein Konflikt, den du bisher lieber übersehen hast?
  2. Bist du ein Friedensstifter – oder nur jemand, der Ruhe will?
  3. Und wem müsstest du als Erster die Hand reichen, auch wenn du dich im Recht fühlst?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Welche Werte tragen deine Führung?

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Wertewappen

Friedfertigkeit im Wappen

Farbe im Wappen: Silber

  • SymbolSchwert zur Pflugschar

    Wird ein Schwert zur Pflugschar umgeschmiedet, dient dasselbe Eisen nicht mehr dem Kampf, sondern dem Acker und der Ernte. Es zeigt, dass du die Kraft aus Konflikten in etwas Fruchtbares verwandelst, das allen nützt.

  • oder als AlternativeÖlzweig

    Der Ölzweig gilt seit der Antike als Zeichen für Frieden und Versöhnung, und wer ihn reicht, bietet dem anderen das Ende eines Streits an. Mit ihm sagst du, dass du nach einem Streit als Erster die Hand reichst.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Friedfertigkeit

Was bedeutet Friedfertigkeit?

Frieden suchen und stiften: Spannungen entschärfen, Versöhnung ermöglichen und ein Klima schaffen, in dem Menschen sich sicher fühlen – ohne Konflikte unter den Teppich zu kehren. Der Ich-Satz dazu: „Ich suche Frieden und stifte ihn.“

Was ist die Schwestertugend von Friedfertigkeit?

Konfliktfähigkeit (S35). Gemeint ist der Mut, Unterschiede offen zu verhandeln. Hilfreich, weil echter Friede nicht durch Wegsehen entsteht, sondern durch Klärung.

Was ist die Übertreibung von Friedfertigkeit?

Konfliktunfähigkeit (auch: Harmoniesucht, fauler Friede). Verneinung der Konfliktfähigkeit und zugleich überzogene Friedfertigkeit. Grenzwertig, weil ungelöste Konflikte unter der Oberfläche weiterwachsen.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Konflikten auszuweichen trägt, wenn der Zeitpunkt ungünstig ist, eine Eskalation mehr Schaden anrichten würde als der Streitpunkt und die Klärung später nachgeholt werden kann. Es wird zum faulen Frieden, sobald Unrecht verschwiegen wird, Schwächere den Preis für die Harmonie zahlen oder das „Später“ nie kommt.

Was sagt die Forschung zu Friedfertigkeit?

Eine Metaanalyse zeigte, dass sowohl Beziehungskonflikte als auch Sachkonflikte in Teams im Durchschnitt mit geringerer Leistung und Zufriedenheit einhergehen (De Dreu & Weingart, 2003) – Frieden zu stiften ist also kein weicher Luxus.

Welche Beispiele gibt es für Friedfertigkeit?

Zum Beispiel: Leymah Gbowee (Women of Liberia Mass Action for Peace), Didier Drogba (Nationalmannschaft der Elfenbeinküste).

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