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Beispiel zum WertKonfliktfähigkeit (S35)

Bildung

Wie Daniel Kahneman und Gary Klein gemeinsam über Intuition stritten

Zwei Psychologen aus gegensätzlichen Lagern suchten nicht den Sieg über den anderen, sondern die gemeinsame Antwort.

Zwei Gruppen stehen stumm nebeneinander, dazwischen glimmt Ungeklärtes; goldene Punkte tragen es hin und her, bis eine Brücke steht. Wird der Austausch zum Funkenstreit, weichen die Gruppen zurück – eine ruhige Welle glättet ihn wieder.
Kurz gesagt

Zwei Psychologen aus gegensätzlichen Lagern suchten nicht den Sieg über den anderen, sondern die gemeinsame Antwort. Das Ergebnis zeigt, wie produktiv ausgetragener Dissens sein kann.

1 Min. Lesezeit2 AbschnitteSituationBezug zum Wert

Daniel Kahneman und Gary Klein standen für zwei Forschungsrichtungen, die oft als unvereinbar galten. Kahneman erforschte mit dem Ansatz „Heuristiken und Verzerrungen“ die Fehleranfälligkeit menschlicher Urteile. Klein untersuchte als Pionier des „Naturalistic Decision Making“, wie Fachleute wie Feuerwehrleute unter Zeitdruck entscheiden – und wie gut ihre Intuition dabei ist. 2009 veröffentlichten beide einen gemeinsamen Artikel. Er zeigt Konfliktfähigkeit als Haltung: Gegensätze offen benennen und gemeinsam klären.

Zwei Kreise aus gegensätzlichen Lagern überschneiden sich in einer goldenen Fläche – wie Daniel Kahneman und Gary Klein.
Zwei Kreise aus gegensätzlichen Lagern überschneiden sich in einer goldenen Fläche – wie Daniel Kahneman und Gary Klein.

Zwei Schulen, eine Frage

Situation
Professionelle Intuition ist mal hervorragend, mal fehlerhaft. Statt einander zu widerlegen, nahmen sich Kahneman und Klein gemeinsam die Frage vor, wann Intuition echtes Können widerspiegelt und wann bloß übersteigerte Selbstsicherheit.
Bezug zum Wert
Konfliktfähigkeit heißt nicht, die eigene Position aufzugeben. Beide blieben Vertreter ihrer Schulen, setzten sich aber an einen Tisch, um den Streitpunkt genau zu vermessen. Kahneman hat diese Form der „adversarial collaboration“ – Zusammenarbeit gerade der Gegner – ausdrücklich empfohlen, um verzerrtes Denken zu verringern.

Ein „Scheitern“ mit Gewinn

Situation
Der Artikel erschien in der Zeitschrift American Psychologist unter dem Titel „Conditions for Intuitive Expertise: A Failure to Disagree“ – ein Scheitern daran, uneins zu sein. Ihr Ergebnis: Ob eine Intuition taugt, hängt davon ab, wie regelhaft die Umwelt ist und ob die Person Gelegenheit hatte, diese Regeln zu lernen. Das subjektive Gefühl von Sicherheit sei dagegen kein verlässlicher Hinweis auf die Treffsicherheit eines Urteils.
Bezug zum Wert
Der Konflikt endete nicht in einem Sieger, sondern in einer genaueren Antwort, die beide Seiten tragen konnten.
Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Gegner einladenArbeite gezielt mit Menschen zusammen, die anders denken als du.
  2. Streitpunkt vermessenKlärt gemeinsam, wo genau ihr uneins seid – oft ist die Fläche kleiner als gedacht.
  3. Gefühl ist kein BeweisDeine eigene Gewissheit sagt wenig darüber, ob du recht hast.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Konfliktfähigkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Friedfertigkeit.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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