Lose Punkte ordnen sich zu einem klaren goldenen Raster, daneben bebt ein unruhiger Kreis. Wird das Raster hart und kalt, erstarrt der Kreis – bis Wellen zu ihm hinübergehen und das Raster leise mitschwingt.
Kurz gesagt
Kurz vor seinem Tod fasst der frühere Tagesthemen-Moderator seine journalistische Haltung zusammen. Sachlichkeit heißt bei ihm: Distanz zur Sache halten – ohne gefühllos zu werden.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Hanns Joachim Friedrichs, 1927 in Hamm geboren, moderierte von 1985 bis 1991 die Tagesthemen der ARD. Ende 1994 erfuhr er, dass er an Lungenkrebs erkrankt war. Am 27. März 1995 erschien im Spiegel sein letztes Gespräch unter dem Titel „Cool bleiben, nicht kalt“; einen Tag später starb er in Hamburg. Seine Maximen sind bis heute ein Maßstab für Sachlichkeit.
Ein ruhiger Punkt hält gemessenen goldenen Abstand zu einem aufgewühlten Knäuel – wie Hanns Joachim Friedrichs: cool, aber nicht kalt.
01
Gelernt bei der BBC
Situation
Friedrichs kam 1949 nach London und arbeitete ab 1950 als Nachrichtenredakteur im Deutschen Dienst der BBC. „Das hab' ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt“, sagte er im Spiegel: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten“. Nach seiner Autobiografie „Journalistenleben“ (1994) gingen diese Grundsätze auf seinen Mentor Charles Wheeler zurück.
Bezug zum Wert
Sachlichkeit ist erlernbar – und wird oft von Vorbildern weitergegeben.
02
Cool, aber nicht kalt
Situation
Im Umgang mit Katastrophen gelte es, „cool bleiben, ohne kalt zu sein“. Nur so, sagte er sinngemäß, vertrauten ihm die Zuschauer.
Bezug zum Wert
Hier zeigt sich die Balance zum Gegenstück Empathie: Distanz zur Sache, aber nicht zum Menschen. Wer berichtet, darf berührt sein – er darf sich nur nicht vereinnahmen lassen.
03
Vertrauen als Ziel
Situation
Seit 1995 wird jährlich der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für journalistische Arbeit vergeben. Sein Motto geht auf Friedrichs' bekannten Satz zurück: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache“.
Bezug zum Wert
Sachlichkeit ist kein Selbstzweck. Sie dient dem Vertrauen derer, die sich auf eine Information verlassen.
04
Die andere Seite
Der berühmte Satz gilt laut der Quelle oft als Missverständnis. Verkürzt klingt er wie ein Verbot jeder Haltung; im Klappentext von „Journalistenleben“ heißt es dagegen vollständiger, ein guter Journalist zeichne sich dadurch aus, „daß er immer dabei ist, aber nie dazugehört“. Distanz bedeutet bei Friedrichs nicht Gefühlskälte – genau davor warnt das „nicht kalt“.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Distanz zur SachePrüf Fakten auch dann kritisch, wenn sie deine eigene Überzeugung stützen.
02
Nähe zum MenschenSachlich zu bleiben heißt nicht, kalt zu werden – zeig, dass dich das Schicksal anderer berührt.
03
Unabhängigkeit schafft VertrauenWer sich mit keiner Seite gemein macht, dem glauben die Menschen eher.
Lies nach, was hinter Sachlichkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Empathie.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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