Ehrgeiz im Gleichgewicht
Ehrgeiz braucht Gönnen als Gegengewicht. Zu viel Ehrgeiz wird zu Missgunst – der Weg zurück führt über Gönnen.
Begriffe erklärt
Zielwert 52
Ehrgeiz
„Ich will besser werden und mit meinem Team Großes schaffen.“
auch Ambition, Leistungswille
Gemeint ist der Wille, hoch zu zielen, an sich zu arbeiten und mehr zu erreichen, als man schon kann. Anders als die Zielstrebigkeit, die einen Weg beharrlich zu Ende geht, fragt Ehrgeiz, wie hoch das Ziel liegt; anders als der Leistungsanspruch, der hohe Erwartungen an andere stellt, beginnt er beim eigenen Wollen; und anders als der Wettbewerbsgeist richtet er sich nicht gegen Mitbewerber draußen, sondern auf das eigene Wachsen. Hilfreich, weil Teams ohne hohe Ziele unter ihren Möglichkeiten bleiben.
In Balance mit: Gönnen. Zu viel davon: Missgunst. Verneint durch: Ambitionslosigkeit.
Schwestertugend S52
Gönnen
„Ich freue mich mit, wenn andere Erfolg haben.“
auch Mitfreude, Neidlosigkeit
Gemeint ist, anderen Erfolg, Anerkennung und Bühne von Herzen zu lassen und sich ehrlich mitzufreuen – auch dann, wenn der Erfolg einem selbst hätte gehören können. Anders als die Großzügigkeit, die aktiv gibt – Zeit, Lob, Vertrauen und Mittel –, ist Gönnen die innere Haltung zum Erfolg der anderen; anders als die Wertschätzung geht es nicht in erster Linie ums Anerkennen, sondern um die Mitfreude dort, wo man selbst gern an der Stelle des anderen stünde; und anders als die Bescheidenheit, die den eigenen Erfolg nicht herausstellt, richtet sich Gönnen auf den Erfolg der anderen. Hilfreich, weil im Team nur wächst, wer nicht fürchten muss, dass ihm der eigene Erfolg geneidet wird.
In Balance mit: Ehrgeiz. Zu viel davon: Ambitionslosigkeit. Verneint durch: Missgunst.
Zur Seite GönnenÜbertreibung von Ehrgeiz
Missgunst
„Dein Erfolg ist mein Verlust.“
auch Neid, Konkurrenzneid
Verneinung des Gönnens und zugleich überzogener Ehrgeiz. Grenzwertig, weil Kolleginnen und Kollegen zu Rivalen werden, Wissen zurückgehalten wird und das Team sich selbst ausbremst.
Übertreibung von: Ehrgeiz. Verneinung von: Gönnen. Entwicklungsrichtung: Gönnen.
Übertreibung von Gönnen
Ambitionslosigkeit
„Passt schon, mehr muss nicht sein.“
auch Antriebslosigkeit, Saturiertheit
Verneinung des Ehrgeizes und zugleich überzogenes Gönnen. Grenzwertig, weil Talente verkümmern, das Team sich mit Mittelmaß einrichtet und andere die Entwicklung bestimmen.
Übertreibung von: Gönnen. Verneinung von: Ehrgeiz. Entwicklungsrichtung: Ehrgeiz.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeEhrgeiz · Gönnen · Missgunst · Ambitionslosigkeit
Zielwert
Ehrgeiz
auch Ambition · Leistungswille
Gemeint ist der Wille, hoch zu zielen, an sich zu arbeiten und mehr zu erreichen, als man schon kann. Anders als die Zielstrebigkeit, die einen Weg beharrlich zu Ende geht, fragt Ehrgeiz, wie hoch das Ziel liegt; anders als der Leistungsanspruch, der hohe Erwartungen an andere stellt, beginnt er beim eigenen Wollen; und anders als der Wettbewerbsgeist richtet er sich nicht gegen Mitbewerber draußen, sondern auf das eigene Wachsen. Hilfreich, weil Teams ohne hohe Ziele unter ihren Möglichkeiten bleiben.
Schwestertugend
Gönnen
auch Mitfreude · Neidlosigkeit
Gemeint ist, anderen Erfolg, Anerkennung und Bühne von Herzen zu lassen und sich ehrlich mitzufreuen – auch dann, wenn der Erfolg einem selbst hätte gehören können. Anders als die Großzügigkeit, die aktiv gibt – Zeit, Lob, Vertrauen und Mittel –, ist Gönnen die innere Haltung zum Erfolg der anderen; anders als die Wertschätzung geht es nicht in erster Linie ums Anerkennen, sondern um die Mitfreude dort, wo man selbst gern an der Stelle des anderen stünde; und anders als die Bescheidenheit, die den eigenen Erfolg nicht herausstellt, richtet sich Gönnen auf den Erfolg der anderen. Hilfreich, weil im Team nur wächst, wer nicht fürchten muss, dass ihm der eigene Erfolg geneidet wird.
Übertreibung von Ehrgeiz
Missgunst
auch Neid · Konkurrenzneid
Verneinung des Gönnens und zugleich überzogener Ehrgeiz. Grenzwertig, weil Kolleginnen und Kollegen zu Rivalen werden, Wissen zurückgehalten wird und das Team sich selbst ausbremst.
Der Weg heraus: Richtung Gönnen
Übertreibung von Gönnen
Ambitionslosigkeit
auch Antriebslosigkeit · Saturiertheit
Verneinung des Ehrgeizes und zugleich überzogenes Gönnen. Grenzwertig, weil Talente verkümmern, das Team sich mit Mittelmaß einrichtet und andere die Entwicklung bestimmen.
Der Weg heraus: Richtung Ehrgeiz
Die ÜbertreibungWann Missgunst sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung des Ehrgeizes heißt Missgunst (auch: Neid, Konkurrenzneid). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Zwei Ruderinnen aus demselben Verein kämpfen in der Ausscheidung um den einzigen Startplatz im Einer bei der Meisterschaft. Beide trainieren seit Jahren zusammen – an diesem Tag aber schenkt keine der anderen einen Meter. Wo ein fairer, klar geregelter Ausscheid über einen einzigen Platz entscheidet, ist „Dein Erfolg ist mein Verlust“ für einen Tag die ehrliche Haltung – und sie macht beide besser.
In einer Partei bewerben sich ein Kandidat und eine Kandidatin um die Spitzenkandidatur; die Mitglieder entscheiden per Urwahl. Wochenlang werben beide hart um Stimmen und stellen die Schwächen im Programm des jeweils anderen heraus. Eine echte Wahl braucht Menschen, die gewinnen wollen und den Platz nicht kampflos überlassen.
Was in solchen Lagen trägt, ist nicht die Missgunst selbst, sondern ihr harter Kern: der Wille, einen umkämpften Platz nicht kampflos zu überlassen. Das trägt, wenn der Wettstreit fair, zeitlich begrenzt und für alle sichtbar geregelt ist – und nach der Entscheidung der Händedruck kommt. Es kippt in Missgunst, sobald es den Wettkampf überdauert: wenn Unterlegene nachtreten, Informationen zurückgehalten werden oder Kolleginnen und Kollegen sich im Alltag gegenseitig ausbremsen.
Der Alltag5 Szenen aus dem Alltag: Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung
Dass Ehrgeiz Gönnen als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
Hesiod (es gibt zwei Arten von Streit: Der eine nährt bösen Krieg und Kampf, der andere treibt selbst den Trägen zur Arbeit, weil er sieht, wie der Nachbar vorankommt – der Töpfer eifert mit dem Töpfer, der Handwerker mit dem Handwerker, Werke und Tage 11–26).
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentPrediger 4,4
„Ich sah an Arbeit und Geschicklichkeit in allen Sachen; da neidet einer den andern. Das ist auch eitel und Haschen nach dem Wind.“ Ehrgeiz, der nur aus dem Vergleich mit anderen lebt, läuft ins Leere.
- 5. Jh. v. Chr.ChinaKonfuzius
Der Mensch vollkommener Tugend, der selbst feststehen will, hilft auch anderen festzustehen, und der selbst vorankommen will, hilft auch anderen voran, Lunyu VI,28 nach Legge
- 4. Jh. v. Chr.PhilosophieAristoteles
Für das Streben nach Ehre gibt es eine Mitte ohne eigenen Namen: Man tadelt den Ehrgeizigen, der mehr Ehre sucht, als recht ist, und aus falschen Quellen, ebenso den Ehrgeizlosen, der nicht einmal für Edles geehrt werden will – und lobt doch beide manchmal, den einen als mannhaft, den anderen als maßvoll, Nikomachische Ethik IV,4
- 1. Jh.Neues Testament1. Timotheus 3,1
„Das ist gewisslich wahr: So jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt ein köstlich Werk.“ Nach Verantwortung zu streben ist nicht anrüchig – es verlangt aber, dass man ihr gewachsen ist.
Römer 15,20„und mich sonderlich geflissen, das Evangelium zu predigen, wo Christi Name nicht bekannt war, auf dass ich nicht auf einen fremden Grund baute“. Im griechischen Text steht hier ein Wort für „ehrgeizig sein“: Paulus setzt seinen Ehrgeiz darauf, Neuland zu erschließen, statt auf Erreichtem auszuruhen.
- um 200Jüdische AuslegungMischna
Rabbi Elasar HaKappar: Neid, Begierde und Ehrsucht bringen den Menschen aus der Welt, Avot 4,21
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung3 Studien · 2000–2009
- –
Judge und Kammeyer-Mueller werteten Daten von 717 besonders begabten Menschen aus der Terman-Studie aus, die über sieben Jahrzehnte begleitet wurden: Ehrgeiz hing positiv mit Bildungsabschluss, Ansehen des Berufs und Einkommen zusammen (Judge & Kammeyer-Mueller, 2012); auf die Lebenszufriedenheit hatte er nach Judges eigener Zusammenfassung höchstens einen sehr geringen positiven Einfluss.
Fortune - 2009
Ob der Blick auf erfolgreichere Menschen antreibt oder vergiftet, hängt nach van de Ven, Zeelenberg und Pieters an der Art des Neids: In Studien in den Niederlanden, den USA und Spanien unterschieden sie einen gutartigen Neid, der Menschen motiviert, selbst besser zu werden, von einem bösartigen, der den Überlegenen herunterziehen will.
van de Ven, Zeelenberg & Pieters, 2009 - 2000
Die Kehrseite im Team zeigt eine Längsschnittstudie mit 143 Gruppen: Neid senkte die Gruppenleistung direkt und indirekt – über mehr soziales Faulenzen, weniger Zusammenhalt und weniger Vertrauen der Gruppe in die eigene Stärke; die Fehlzeiten stiegen, die Zufriedenheit sank.
Duffy & Shaw, 2000
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Welches Ziel würdest du angehen, wenn du keine Angst vor dem Scheitern hättest – und warum hast du es noch nicht ausgesprochen?
- Wessen Erfolg im eigenen Team versetzt dir einen Stich, und was machst du daraus?
- Und woran merken deine Leute, dass dein Ehrgeiz auch ihnen gilt und nicht nur deiner Karriere?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Ehrgeiz in der Praxis aus
Bertha Benz (Benz & Cie.)
Im August 1888 fuhr Bertha Benz ohne Wissen ihres Mannes mit dem Patent-Motorwagen über 100 Kilometer weit nach Pforzheim.
John F. Kennedy (Mondprogramm)
1962 erklärte John F. Kennedy, die USA würden noch im selben Jahrzehnt zum Mond fliegen, gerade weil es schwer sei.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenEhrgeiz im Wappen
Farbe im Wappen: Rot
- SymbolSporn
Goldene Sporen durften im Mittelalter erst nach einer Bewährung getragen werden – daher die Redewendung, sich die Sporen zu verdienen. Wählst du den Sporn, steht dein Wappen für Ehrgeiz, der sich Anerkennung erarbeitet und dich und dein Team antreibt, besser zu werden.
- oder als AlternativeSteiler Berggipfel
Ein steiler Gipfel steht für das hohe Ziel, das man sich selbst setzt, statt im bequemen Tal zu bleiben. Wählst du ihn, zeigt dein Wappen, dass du dir viel vornimmst und den Aufstieg nicht scheust.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: WEGVISOR-Ergänzung (2026) zu den Werten aus dem Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung