Beweglichkeit im Gleichgewicht
Beweglichkeit braucht Verlässlichkeit als Gegengewicht. Zu viel Beweglichkeit wird zu Sprunghaftigkeit – der Weg zurück führt über Verlässlichkeit.
Begriffe erklärt
Schwestertugend S21
Beweglichkeit
„Ich passe meinen Kurs an, wenn sich die Lage ändert.“
auch Flexibilität, Wendigkeit
Gemeint ist die Fähigkeit, Haltung, Vorgehen und Prioritäten begründet zu ändern, wenn neue Umstände oder bessere Argumente es verlangen. Hilfreich, weil Verlässlichkeit nicht heißt, an einer Linie festzuhalten, die die Wirklichkeit längst überholt hat.
In Balance mit: Verlässlichkeit. Zu viel davon: Sprunghaftigkeit. Verneint durch: Pedanterie.
Zielwert 21
Verlässlichkeit
„Ich halte, was ich zusage.“
auch Stabilität, Zuverlässigkeit
Gemeint ist, dass Zusagen, Termine und Absprachen gelten. Hilfreich, weil ein Team nur planen kann, wenn es sich auf seine Führungskraft verlassen kann.
In Balance mit: Beweglichkeit. Zu viel davon: Pedanterie. Verneint durch: Sprunghaftigkeit.
Zur Seite VerlässlichkeitÜbertreibung von Beweglichkeit
Sprunghaftigkeit
„Ich entscheide nach Lust und Lage.“
auch Unverlässlichkeit, Unberechenbarkeit
Verneinung der Verlässlichkeit und zugleich überzogene Beweglichkeit. Grenzwertig, weil niemand mehr weiß, was morgen gilt, und Vertrauen schwindet.
Übertreibung von: Beweglichkeit. Verneinung von: Verlässlichkeit. Entwicklungsrichtung: Verlässlichkeit.
Übertreibung von Verlässlichkeit
Pedanterie
„Was nicht geplant ist, findet nicht statt.“
auch Inflexibilität, Starrheit
Verneinung der Beweglichkeit und zugleich überzogene Verlässlichkeit. Grenzwertig, weil Chancen vorbeiziehen und das Team Dienst nach Plan lernt.
Übertreibung von: Verlässlichkeit. Verneinung von: Beweglichkeit. Entwicklungsrichtung: Beweglichkeit.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeBeweglichkeit · Verlässlichkeit · Sprunghaftigkeit · Pedanterie
Schwestertugend
Beweglichkeit
auch Flexibilität · Wendigkeit
Gemeint ist die Fähigkeit, Haltung, Vorgehen und Prioritäten begründet zu ändern, wenn neue Umstände oder bessere Argumente es verlangen. Hilfreich, weil Verlässlichkeit nicht heißt, an einer Linie festzuhalten, die die Wirklichkeit längst überholt hat.
Zielwert
Verlässlichkeit
auch Stabilität · Zuverlässigkeit
Gemeint ist, dass Zusagen, Termine und Absprachen gelten. Hilfreich, weil ein Team nur planen kann, wenn es sich auf seine Führungskraft verlassen kann.
Übertreibung von Beweglichkeit
Sprunghaftigkeit
auch Unverlässlichkeit · Unberechenbarkeit
Verneinung der Verlässlichkeit und zugleich überzogene Beweglichkeit. Grenzwertig, weil niemand mehr weiß, was morgen gilt, und Vertrauen schwindet.
Der Weg heraus: Richtung Verlässlichkeit
Übertreibung von Verlässlichkeit
Pedanterie
auch Inflexibilität · Starrheit
Verneinung der Beweglichkeit und zugleich überzogene Verlässlichkeit. Grenzwertig, weil Chancen vorbeiziehen und das Team Dienst nach Plan lernt.
Der Weg heraus: Richtung Beweglichkeit
Die ÜbertreibungWann Sprunghaftigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Beweglichkeit heißt Sprunghaftigkeit (auch: Unverlässlichkeit, Unberechenbarkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Ein Basketballtrainer wechselt im Spiel gegen einen überlegenen Gegner ständig die Verteidigungsformation, oft ohne erkennbares Muster. Seine Spieler kennen alle Varianten, der Gegner kann sich auf keine einstellen. Hier ist Unberechenbarkeit eine Strategie.
Ein Personenschutzteam wählt für eine gefährdete Person Fahrwege und Zeiten bewusst wechselnd und kurzfristig. Was im Alltag als unverlässlich gelten würde, ist hier gewollt: Wer berechenbar ist, ist angreifbar.
Unberechenbarkeit trägt, wenn sie sich gezielt gegen einen Gegner oder eine Bedrohung richtet und die eigenen Leute eingeweiht sind und sich auf das Wesentliche verlassen können. Sie schadet, sobald sie die trifft, die auf Zusagen angewiesen sind, und aus Taktik Launenhaftigkeit wird.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Neues Testament
Dass Beweglichkeit Verlässlichkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Verlässlichkeit.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentPrediger 3,1
„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde“ – Pläne haben ihre Zeit, und die Zeit kann sich ändern.
- 5. Jh. v. Chr.
- 4. Jh. v. Chr.ChinaMengzi
Der große Mensch besteht nicht darauf, dass seine Worte gehalten und seine Taten zu Ende geführt werden – er richtet sich nach dem, was recht ist, Mengzi 4B.11
- 1. Jh.Neues Testament1. Korinther 9,22
„Ich bin jedermann allerlei geworden, auf dass ich allenthalben ja etliche selig mache“ – Paulus ist beweglich in der Form, weil er fest im Ziel ist.
Apostelgeschichte 16,6–10Paulus’ Reisepläne werden mehrfach durchkreuzt; nach einem nächtlichen Traumbild bricht er sofort nach Mazedonien auf – und so kommt das Evangelium nach Europa.
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung2 Studien · 1995–2010
- 1995
Führungskräfte, die von ihren Vorgesetzten als effektiver bewertet wurden, zeigten laut ihren Mitarbeitenden ein breiteres Repertoire an Führungsrollen – „Verhaltenskomplexität“.
Denison, Hooijberg & Quinn, 1995 - 2010
Eine Übersichtsarbeit fasst zusammen, warum wirksame Führung ihr Verhalten an wechselnde Situationen anpassen muss, und beschreibt, wie sich diese Anpassungsfähigkeit entwickeln lässt. Beweglichkeit heißt also nicht, ohne Linie zu sein, sondern ein breites Repertoire zu haben – und es dort einzusetzen, wo die Lage es verlangt.
Yukl & Mahsud, 2010
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wann hast du zuletzt deinen Kurs geändert, weil die Lage es verlangte – und dem Team erklärt, warum?
- Wo hältst du an einem Vorgehen fest, nur weil du es so angekündigt hast?
- Woran erkennen die anderen, dass deine Beweglichkeit nicht auf ihre Kosten geht?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Beweglichkeit in der Praxis aus
Steve Kerr (Golden State Warriors)
Ein Trainer änderte im entscheidenden Moment seine Startformation – auf Vorschlag eines jungen Videoassistenten.
Robert F. Kennedy (Indianapolis)
Ein Präsidentschaftsbewerber verwarf am Abend von Martin Luther Kings Ermordung seine geplante Wahlkampfrede und sprach stattdessen frei zu einer trauernden Menge.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenBeweglichkeit im Wappen
Farbe im Wappen: Grün
- SymbolSegel im Wind
Der Wind wechselt Stärke und Richtung, und ein Segel lebt davon, sich immer wieder nach ihm auszurichten. So gehst du auf veränderte Bedingungen ein und richtest dich neu aus, ohne das Ziel zu verlieren.
- oder als AlternativeSpringender Hirsch
Der Hirsch springt leichtfüßig über felsiges Gelände und findet auch auf den Höhen sicheren Tritt. Er steht für deine Wendigkeit in schwierigem Gelände, wenn du schnell reagierst und dabei trittsicher bleibst.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung