Als ein Lichtstrahl auf den Kleinsten der Gruppe schwenkt, schließt sich eine goldene Schale um ihn. Wächst sie zum Nebel, der auch die Sache verhüllt, wird alles trüb – bis ein klarer Strahl die Sache wieder zeigt und die Schale nur noch den Einzelnen schützt.
Kurz gesagt
Die Reporter der Washington Post hielten die Identität ihres Informanten „Deep Throat“ über drei Jahrzehnte geheim – so wie sie es zugesagt hatten. Diskretion zeigt sich hier als verlässlich gehaltenes Versprechen.
2 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Bob Woodward und Carl Bernstein deckten Anfang der 1970er-Jahre für die Washington Post den Watergate-Skandal auf. Eine ihrer wichtigsten Quellen war ein Informant, der unter dem Decknamen „Deep Throat“ bekannt wurde. Wer er war, blieb eines der bestgehüteten Geheimnisse des Journalismus.
Ein verschlossener Tresor mit goldenem Kern, ringsum dreißig Jahresstriche – wie Woodward und Bernstein, die ihre Quelle schützten.
01
Ein Versprechen mit Bedingung
Situation
Der Informant gab seine Hinweise unter der Bedingung, dass Woodward niemals preisgeben würde, woher sie stammten. Woodward hatte gelobt, die Identität von Deep Throat nicht zu enthüllen, solange die Quelle lebte. Für Treffen gab es verabredete Zeichen, etwa einen Blumentopf mit roter Fahne auf Woodwards Balkon; manche Details dieser Darstellung wurden später allerdings angezweifelt.
Bezug zum Wert
Diskretion ist die Grundlage dafür, dass Menschen überhaupt etwas anvertrauen. Ohne die Zusage wäre die Quelle vermutlich nie gesprochen worden.
02
Drei Jahrzehnte Schweigen
Situation
Rund 30 Jahre lang blieb die Rolle der Quelle im Wesentlichen geheim. Erst am 31. Mai 2005 veröffentlichte die Zeitschrift „Vanity Fair“ einen Artikel des Anwalts John D. O'Connor, der im Auftrag des früheren FBI-Vizedirektors Mark Felt handelte. Felt wird darin mit den Worten zitiert: „I'm the guy they used to call Deep Throat.“ Woodward bestätigte die Angabe rasch, am 1. Juni 2005 auch der frühere Chefredakteur Ben Bradlee.
Bezug zum Wert
Die Reporter brachen ihr Schweigen nicht von sich aus. Sie bestätigten erst, als die Quelle selbst an die Öffentlichkeit gegangen war.
03
Die andere Seite
Diskretion entbindet nicht von der Frage, wem man dient: Kritiker wie Charles Colson warfen Felt vor, seinen Eid gebrochen zu haben, die Geheimnisse des Landes zu wahren. Und als Felt sich offenbarte, litt er bereits an Demenz; laut Wikipedia hoffte seine Familie auch auf Buchverträge. Diskretion schützt Menschen – sie kann aber auch Motive und Umstände verdecken, über die man gern mehr wüsste.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Zusagen haltenVertraulichkeit gilt nicht nur, solange sie bequem ist.
02
Vertrauen ermöglicht WahrheitWer schweigen kann, erfährt oft, was andere nie hören.
03
Den Zeitpunkt nicht selbst bestimmenGib anvertraute Informationen nicht preis, nur weil das Interesse groß ist.
Lies nach, was hinter Diskretion steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Ehrlichkeit.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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Wert und Schwester – aus den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft.