Diskretion im Gleichgewicht
Diskretion braucht Ehrlichkeit als Gegengewicht. Zu viel Diskretion wird zu Unehrlichkeit – der Weg zurück führt über Ehrlichkeit.
Begriffe erklärt
Schwestertugend S2
Diskretion
„Ich gehe taktvoll mit Wissen um und sage nicht alles jedem.“
auch Verschwiegenheit, Zurückhaltung
Gemeint ist das Gespür dafür, was wem wann gesagt werden darf und was vertraulich bleibt. Hilfreich, weil Wahrheit einen Rahmen braucht: Ort, Zeitpunkt und Empfänger entscheiden, ob sie aufbaut oder verletzt.
In Balance mit: Ehrlichkeit. Zu viel davon: Unehrlichkeit. Verneint durch: Indiskretion.
Zielwert 2
Ehrlichkeit
„Ich sage die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist.“
auch Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit
Gemeint ist Wahrhaftigkeit in Bezug auf Zahlen, Lage, Leistung und eigene Fehler. Hilfreich, weil Teams nur auf Basis echter Informationen gute Entscheidungen treffen.
In Balance mit: Diskretion. Zu viel davon: Indiskretion. Verneint durch: Unehrlichkeit.
Zur Seite EhrlichkeitÜbertreibung von Diskretion
Unehrlichkeit
„Ich beschönige und verschweige, was wehtun könnte.“
auch Verschleierung, Lüge
Verneinung der Ehrlichkeit und zugleich überzogene Diskretion. Grenzwertig, weil sie kurzfristig Frieden schafft, die Glaubwürdigkeit aber zerstört, sobald die Wahrheit herauskommt.
Übertreibung von: Diskretion. Verneinung von: Ehrlichkeit. Entwicklungsrichtung: Ehrlichkeit.
Übertreibung von Ehrlichkeit
Indiskretion
„Ich sage alles, egal wem und was es anrichtet.“
auch Taktlosigkeit, Bloßstellung
Verneinung der Diskretion und zugleich überzogene Ehrlichkeit. Grenzwertig, weil „Ich bin halt ehrlich“ oft verletzende Härte tarnt und Vertrauen zerstört.
Übertreibung von: Ehrlichkeit. Verneinung von: Diskretion. Entwicklungsrichtung: Diskretion.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeDiskretion · Ehrlichkeit · Unehrlichkeit · Indiskretion
Schwestertugend
Diskretion
auch Verschwiegenheit · Zurückhaltung
Gemeint ist das Gespür dafür, was wem wann gesagt werden darf und was vertraulich bleibt. Hilfreich, weil Wahrheit einen Rahmen braucht: Ort, Zeitpunkt und Empfänger entscheiden, ob sie aufbaut oder verletzt.
Zielwert
Ehrlichkeit
auch Wahrhaftigkeit · Aufrichtigkeit
Gemeint ist Wahrhaftigkeit in Bezug auf Zahlen, Lage, Leistung und eigene Fehler. Hilfreich, weil Teams nur auf Basis echter Informationen gute Entscheidungen treffen.
Übertreibung von Diskretion
Unehrlichkeit
auch Verschleierung · Lüge
Verneinung der Ehrlichkeit und zugleich überzogene Diskretion. Grenzwertig, weil sie kurzfristig Frieden schafft, die Glaubwürdigkeit aber zerstört, sobald die Wahrheit herauskommt.
Der Weg heraus: Richtung Ehrlichkeit
Übertreibung von Ehrlichkeit
Indiskretion
auch Taktlosigkeit · Bloßstellung
Verneinung der Diskretion und zugleich überzogene Ehrlichkeit. Grenzwertig, weil „Ich bin halt ehrlich“ oft verletzende Härte tarnt und Vertrauen zerstört.
Der Weg heraus: Richtung Diskretion
Die ÜbertreibungWann Unehrlichkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Diskretion heißt Unehrlichkeit (auch: Verschleierung, Lüge). Sie schadet praktisch immer – angemessen kann aber ein konsequentes Schweigen sein, das bis an ihre Grenze geht:
Ein Pfarrer wird von einem Kirchenvorsteher gefragt, worüber ein Gemeindemitglied mit ihm im Seelsorgegespräch gesprochen hat. Er antwortet nur: „Dazu sage ich nichts“ – auch wenn der Fragende daraus seine eigenen Schlüsse zieht. Das Seelsorgegeheimnis verlangt Schweigen, aber keine Ausrede und keine erfundene Geschichte.
Eine Journalistin wird nach der Veröffentlichung einer Recherche gedrängt, ihre Quelle zu nennen. Sie verweigert jede Angabe, die auf die Person schließen lassen könnte, ohne dabei falsche Fährten zu legen. Quellenschutz ist die Bedingung dafür, dass Missstände überhaupt ans Licht kommen.
Vertretbar ist allein das Verschweigen zum Schutz eines Menschen oder eines anvertrauten Geheimnisses – und zwar so, dass es als Schweigen erkennbar bleibt. Die Grenze ist überschritten, sobald aktiv gelogen, eine falsche Spur gelegt oder ein Fehler vertuscht wird; dann wird aus Diskretion Unehrlichkeit.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftChina · Altes Testament · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition
Dass Diskretion Ehrlichkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Ehrlichkeit.
- 1. Jt. v. Chr.ChinaBuch der Urkunden
„offen und doch ehrerbietig“
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentSprüche 17,9
„Wer Sünde zudeckt, der macht Freundschaft; wer aber die Sache aufrührt, der macht Freunde uneins.“
- 1. Jh.Neues TestamentMatthäus 1,19
Josef will Maria nicht in Schande bringen und sie heimlich verlassen – gerecht, aber ohne Bloßstellung.
Matthäus 18,15Zurechtweisung zuerst „zwischen dir und ihm allein“.
- 3.–6. Jh.Jüdische AuslegungTalmud
Öffentliches Beschämen gleicht Blutvergießen, Bava Metzia 58b
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Ehrabschneidung und Ohrenbläserei als Unrecht, II-II q. 73–74
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung2 Studien · 2000–2015
- 2000
Was fehlende Diskretion anrichtet, zeigt die Forschung zu missbräuchlicher Führung: Wer Vorgesetzte erlebt, die einen vor anderen herabsetzen oder in die Privatsphäre eindringen, kündigt eher und ist weniger zufrieden, weniger gebunden und stärker belastet.
Tepper, 2000 - 2015
Zugleich zeigen Experimente, dass wohlmeinende Notlügen zwar das Vertrauen in das Wohlwollen stärken können, aber das Vertrauen in die Integrität kosten. Diskretion heißt deshalb schweigen oder taktvoll formulieren – nicht lügen.
Levine & Schweitzer, 2015
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Was weißt du über andere, das bei dir sicher sein muss?
- Wo hast du Kritik vor anderen geäußert, die unter vier Augen gehört hätte?
- Wann nutzt du „Diskretion“ als Ausrede, um Unangenehmes nicht zu sagen?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Diskretion in der Praxis aus
Bob Woodward und Carl Bernstein (Washington Post)
Die Reporter der Washington Post hielten die Identität ihres Informanten „Deep Throat“ über drei Jahrzehnte geheim – so wie sie es zugesagt hatten.
Simon Kjær (dänische Nationalmannschaft)
Als Christian Eriksen bei der Fußball-EM auf dem Platz zusammenbrach, half Dänemarks Kapitän nicht nur medizinisch, sondern schützte den Mitspieler auch vor Kameras und Publikum.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenDiskretion im Wappen
Farbe im Wappen: Rot
- SymbolRose
Seit alter Zeit gilt die Rose als Zeichen der Verschwiegenheit, denn was unter ihr gesagt wird, bleibt im Raum. Wählst du sie, zeigt dein Wappen einen geschützten Raum, in dem Menschen sich dir offen anvertrauen können.
- oder als AlternativeVorhängeschloss
Das Schloss steht für Verschwiegenheit: Was es sichert, bleibt verschlossen und vor fremdem Zugriff geschützt. Es betont die Treue in deiner Diskretion: Was dir jemand anvertraut, hütest du zuverlässig, auch wenn Weitererzählen bequemer wäre.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung