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Beispiel zum WertZuversicht (17)

Politik & Staat

Wie James Stockdale siebeneinhalb Jahre Gefangenschaft ohne falsche Hoffnung überstand

Ein Marineoffizier überlebte Folter und Isolation in Nordvietnam, weil er an ein gutes Ende glaubte, ohne sich über die Lage zu täuschen.

Über dem Horizont geht ein goldenes Licht auf, und die Gruppe geht los. Wird es zum blendenden Schein, laufen sie blind auf eine Lücke zu, einer stürzt – bis der Boden mit seiner Lücke klar nachgezeichnet ist, eine Brücke entsteht und alle hinübergehen.
Kurz gesagt

Ein Marineoffizier überlebte Folter und Isolation in Nordvietnam, weil er an ein gutes Ende glaubte, ohne sich über die Lage zu täuschen. Zuversicht ist hier etwas anderes als naiver Optimismus.

2 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Am 9. September 1965 musste James Stockdale, Kommandeur eines Trägergeschwaders der US-Marine, über Nordvietnam mit dem Schleudersitz aus seiner von Abwehrfeuer getroffenen A-4 Skyhawk aussteigen. Er wurde schwer geschlagen und kam in Gefangenschaft, die meiste Zeit im Gefängnis Hỏa Lò, dem „Hanoi Hilton“. Freigelassen wurde er erst am 12. Februar 1973. Seine Geschichte ist zum Lehrstück dafür geworden, wie Zuversicht und Realismus zusammengehören.

Ein langer Tunnel, an seinem Ende ein goldener Punkt – wie James Stockdale, der in der Gefangenschaft an ein gutes Ende glaubte.
Ein langer Tunnel, an seinem Ende ein goldener Punkt – wie James Stockdale, der in der Gefangenschaft an ein gutes Ende glaubte.

Durchhalten unter härtesten Bedingungen

Situation
Stockdale wurde regelmäßig gefoltert, eine Beinverletzung blieb unbehandelt, das Bein brach in der Haft zweimal. Er gehörte zur „Alcatraz Gang“: elf Gefangene in fensterlosen Einzelzellen, mit ständig brennendem Licht und nachts in Fußeisen. Als ranghöchster Marineoffizier stellte er einen Verhaltenskodex für die Gefangenen auf – zu Folter, geheimer Kommunikation und Verhalten.
Bezug zum Wert
Zuversicht zeigte sich hier nicht als Stimmung, sondern als Haltung: Er führte, ordnete und gab anderen Halt, obwohl kein Ende abzusehen war.

Das Stockdale-Paradox

Situation
Jahre später fragte der Managementautor Jim Collins ihn, wer die Gefangenschaft nicht überstanden habe. Stockdales Antwort: „Oh, that's easy, the optimists.“ Das seien die gewesen, die sagten, man sei zu Weihnachten draußen – dann zu Ostern. „And they died of a broken heart.“ Man dürfe den Glauben, am Ende zu siegen, nie verwechseln mit der Disziplin, den härtesten Fakten der Gegenwart ins Auge zu sehen. Collins nannte das „Stockdale-Paradox“.
Bezug zum Wert
Zuversicht richtet sich auf das Ende, nicht auf einen Termin. Wer sie an Daten knüpft, wird von der Wirklichkeit gebrochen.

Die andere Seite

Das Paradox kennen wir vor allem aus Collins’ Nacherzählung eines Gesprächs, nicht aus einer Untersuchung. Es ist eine starke Einsicht, aber kein Befund – und es mahnt selbst zur Vorsicht vor Zweckoptimismus und Schönfärberei.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Glaube ans EndeHalte fest daran, dass es gut ausgehen kann, auch wenn du nicht weißt, wann.
  2. Keine Termine versprechenVertröste dein Team nicht mit Daten, die du nicht in der Hand hast.
  3. Fakten aushaltenSchau den harten Tatsachen ins Gesicht – gerade weil du zuversichtlich bist.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Zuversicht steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Realismus.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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