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S17Schwestertugend zu Zuversicht

Realismus

„Ich sehe Risiken und Fakten nüchtern ins Auge.“

Die Lage sehen, wie sie ist: Fakten, Risiken und eigene Grenzen nüchtern anerkennen, damit Hoffnung auf festem Grund steht.

Verstreute Punkte legen sich zu einer goldenen Linie, die den Boden zeigt, wie er ist – mit seiner Lücke. Wird alles schwarz gesehen, reißen die Lücken weit auf – bis ein Licht aufgeht, die Lücke wieder ihre wahre Größe hat und eine Brücke hinüberführt.
Kurz gesagt

Ich sehe Risiken und Fakten nüchtern ins Auge.

Was Realismus bedeutetDie Lage sehen, wie sie ist: Fakten, Risiken und eigene Grenzen nüchtern anerkennen, damit Hoffnung auf festem Grund steht.

Umfasst auchRealitätssinnKlarer Blick

Die Wertematrix

Realismus im Gleichgewicht

Realismus braucht Zuversicht als Gegengewicht. Zu viel Realismus wird zu Hoffnungslosigkeit – der Weg zurück führt über Zuversicht.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S17

Realismus

„Ich sehe Risiken und Fakten nüchtern ins Auge.“

auch Wirklichkeits­sinn, Faktentreue

Gemeint ist der unverstellte Blick auf die Lage, wie sie ist. Hilfreich, weil Zuversicht nur trägt, wenn sie die Wirklichkeit kennt.

In Balance mit: Zuversicht. Zu viel davon: Hoffnungslosigkeit. Verneint durch: Realitätsverlust.

Zielwert 17

Zuversicht

„Ich rechne mit dem Guten und mache anderen Mut.“

auch Hoffnung, Zukunfts­ver­trauen

Gemeint ist eine hoffnungsvolle Grundhaltung, die Zukunft für gestaltbar hält. Hilfreich, weil Stimmung ansteckend ist; eine zuversichtliche Führungskraft gibt dem Team gerade in Krisen Energie.

In Balance mit: Realismus. Zu viel davon: Realitätsverlust. Verneint durch: Hoffnungslosigkeit.

Zur Seite Zuversicht

Übertreibung von Realismus

Hoffnungs­losigkeit

„Ich sehe überall Gefahren.“

auch Schwarzmalerei, Resignation

Verneinung der Zuversicht und zugleich überzogener Realismus. Grenzwertig, weil sie lähmt; Menschen geben auf, bevor sie es versucht haben.

Übertreibung von: Realismus. Verneinung von: Zuversicht. Entwicklungsrichtung: Zuversicht.

Übertreibung von Zuversicht

Realitäts­verlust

„Ich rede alles schön und verdränge Probleme.“

auch Schönfärberei, Zweck­opti­mismus, Vermessen­heit

Verneinung des Realismus und zugleich überzogene Zuversicht. Grenzwertig, weil er Vertrauen zerstört, sobald die Wirklichkeit ihn einholt.

Übertreibung von: Zuversicht. Verneinung von: Realismus. Entwicklungsrichtung: Realismus.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeRealismus · Zuversicht · Hoffnungslosigkeit · Realitätsverlust

Schwestertugend

Realismus

auch Wirklichkeitssinn · Faktentreue

Gemeint ist der unverstellte Blick auf die Lage, wie sie ist. Hilfreich, weil Zuversicht nur trägt, wenn sie die Wirklichkeit kennt.

Zielwert

Zuversicht

auch Hoffnung · Zukunftsvertrauen

Gemeint ist eine hoffnungsvolle Grundhaltung, die Zukunft für gestaltbar hält. Hilfreich, weil Stimmung ansteckend ist; eine zuversichtliche Führungskraft gibt dem Team gerade in Krisen Energie.

Übertreibung von Realismus

Hoffnungslosigkeit

auch Schwarzmalerei · Resignation

Verneinung der Zuversicht und zugleich überzogener Realismus. Grenzwertig, weil sie lähmt; Menschen geben auf, bevor sie es versucht haben.

Der Weg heraus: Richtung Zuversicht

Übertreibung von Zuversicht

Realitätsverlust

auch Schönfärberei · Zweckoptimismus · Vermessenheit

Verneinung des Realismus und zugleich überzogene Zuversicht. Grenzwertig, weil er Vertrauen zerstört, sobald die Wirklichkeit ihn einholt.

Der Weg heraus: Richtung Realismus

Die ÜbertreibungWann Hoffnungslosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung des Realismus heißt Hoffnungslosigkeit (auch: Schwarzmalerei, Resignation). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Politik & Staat

Der Katastrophenschutz eines Landkreises plant konsequent für den schlimmsten denkbaren Fall: Stromausfall über Tage, gesperrte Straßen, ausgefallene Kommunikation. Schwarzmalerei ist hier Methode – wer nur mit dem Wahrscheinlichen rechnet, steht im Ernstfall ohne Plan da.

Familie

Eine Familie entscheidet gemeinsam mit den Ärzten, bei der schwerkranken Mutter keine weiteren belastenden Therapien mehr zu versuchen. Diese Art von Resignation ist kein Aufgeben, sondern die Annahme dessen, was nicht mehr zu ändern ist – und schenkt die verbleibende Zeit dem Abschied.

Woran man den Unterschied erkennt

Schwarzmalen und Resignieren tragen, wenn es darum geht, sich auf Unumkehrbares vorzubereiten oder Unabwendbares anzunehmen. Sie schaden, sobald sie Handeln lähmen, wo noch etwas zu gestalten ist, oder anderen die Hoffnung nehmen, die sie zum Weitermachen brauchen.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition · Forschung

Dass Realismus Zuversicht als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Zuversicht.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    Jeremia 6,14

    Gegen die, die „Friede! Friede!“ rufen, wo kein Friede ist

    Sprüche 22,3

    „Der Kluge sieht das Unglück und verbirgt sich; die Unverständigen gehen hindurch und werden beschädigt.“

  2. 1. Jh.
    Neues Testament
    Lukas 14,31–32

    Ein König prüft vor dem Krieg, ob er mit zehntausend dem begegnen kann, der mit zwanzigtausend kommt.

    2. Korinther 1,8–10

    Paulus sagt offen, dass er über seine Kraft belastet war und am Leben verzweifelte – und hofft dennoch.

  3. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    „Man verlässt sich nicht auf ein Wunder“, Pesachim 64b

  4. 13. Jh.
    Christliche Tradition
    Thomas von Aquin

    Vermessenheit als falsche Hoffnung, II-II q. 21

  5. 2001
    Forschung
    Jim Collins, Good to Great

    Stockdale-Paradox: der feste Glaube an ein gutes Ende, verbunden mit dem nüchternen Blick auf die härtesten Fakten.

  6. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung4 Quellen · 1994–2009
4 Quellen1994–2009 Zeitraum
  1. 1994
    Studie

    Studierende schätzten, ihre Abschlussarbeit in durchschnittlich 34 Tagen fertigzustellen; tatsächlich brauchten sie 55, und selbst die „schlimmstmögliche“ Schätzung hielt nur knapp die Hälfte ein.

    Buehler, Griffin & Ross, 1994
  2. 2002
    Studie

    Im Großen sieht es ähnlich aus: Bei 258 Verkehrsprojekten weltweit lagen die tatsächlichen Kosten im Schnitt 28 Prozent über der Planung, außerhalb Europas und Nordamerikas sogar 65 Prozent – und die Autoren fragen ausdrücklich, ob dahinter Irrtum oder bewusste Schönrechnung steckt.

    Flyvbjerg, Holm & Buhl, 2002
  3. 2009
    Studie

    Bei Gründern ging ausgeprägter Optimismus mit schwächerem Umsatz- und Beschäftigungswachstum ihrer Firmen einher, besonders in dynamischen Branchen und bei Seriengründern.

    Hmieleski & Baron, 2009
  4. 2003
    Essay

    Als Gegenmittel empfehlen Lovallo und Kahneman den „Blick von außen“: den eigenen Plan mit ähnlichen früheren Projekten zu vergleichen.

    Lovallo & Kahneman, Harvard Business Review, 2003, Essay
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Welche unbequeme Zahl schaust du gerade nicht genau an?
  2. Wer in deinem Umfeld darf dir sagen, dass du dir etwas schönredest?
  3. Wo verwechselst du Realismus mit Schwarzmalerei?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Wertewappen

Realismus im Wappen

Farbe im Wappen: Schwarz

  • SymbolMessrute

    Mit der Messrute nimmt man Maß, bevor gebaut wird, und überschlägt so nüchtern, was ein Vorhaben kosten wird. Sie zeigt: Du rechnest Pläne ehrlich durch, bevor du andere dafür begeisterst.

  • oder als AlternativeSanduhr

    Die Sanduhr erinnert daran, dass Zeit begrenzt ist: Korn um Korn rinnt hindurch, und keines kehrt zurück. Dein Wappen sagt damit, dass du mit Fristen und Kräften ehrlich rechnest und das Wichtige nicht auf später verschiebst.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Realismus

Was bedeutet Realismus?

Die Lage sehen, wie sie ist: Fakten, Risiken und eigene Grenzen nüchtern anerkennen, damit Hoffnung auf festem Grund steht. Der Ich-Satz dazu: „Ich sehe Risiken und Fakten nüchtern ins Auge.“

Zu welchem Zielwert gehört Realismus?

Realismus ist die Schwestertugend zu Zuversicht (17). Zum Zielwert: Gemeint ist eine hoffnungsvolle Grundhaltung, die Zukunft für gestaltbar hält. Hilfreich, weil Stimmung ansteckend ist; eine zuversichtliche Führungskraft gibt dem Team gerade in Krisen Energie.

Was ist die Übertreibung von Realismus?

Hoffnungslosigkeit (auch: Schwarzmalerei, Resignation). Verneinung der Zuversicht und zugleich überzogener Realismus. Grenzwertig, weil sie lähmt; Menschen geben auf, bevor sie es versucht haben.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Schwarzmalen und Resignieren tragen, wenn es darum geht, sich auf Unumkehrbares vorzubereiten oder Unabwendbares anzunehmen. Sie schaden, sobald sie Handeln lähmen, wo noch etwas zu gestalten ist, oder anderen die Hoffnung nehmen, die sie zum Weitermachen brauchen.

Was sagt die Forschung zu Realismus?

Studierende schätzten, ihre Abschlussarbeit in durchschnittlich 34 Tagen fertigzustellen; tatsächlich brauchten sie 55, und selbst die „schlimmstmögliche“ Schätzung hielt nur knapp die Hälfte ein (Buehler, Griffin & Ross, 1994).

Welche Beispiele gibt es für Realismus?

Zum Beispiel: Richard Feynman (Challenger-Kommission).

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