Drei getrennte Säulen schicken goldene Fäden über ihre Grenzen und spannen gemeinsam einen Bogen, den keine allein tragen könnte. Verschwimmen sie zu einem weichen Haufen, sackt der Bogen ab – bis jede wieder für sich nach oben drängt und ihn höher hebt als zuvor.
Kurz gesagt
Volvo entwickelte den Dreipunktgurt – und stellte das Patent der gesamten Autoindustrie zur Verfügung. Das Beispiel zeigt, wie ein Unternehmen auf einen Wettbewerbsvorteil verzichtet, weil gemeinsamer Nutzen schwerer wiegt.
1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Nils Bohlin hatte in der Flugzeugsparte von Saab unter anderem Schleudersitze für Piloten entwickelt, bevor ihn Volvo-Chef Gunnar Engellau 1958 als ersten Sicherheitsingenieur des Unternehmens holte. Seine wichtigste Erfindung wurde zum Lehrstück für Kooperation über Konkurrenzgrenzen hinweg.
Ein goldenes Gurtzeichen aus drei Punkten vervielfältigt sich in viele weiße – wie Volvo, das den Dreipunktgurt mit allen teilte.
01
Ein Gurt, mit einer Hand anzulegen
Situation
Bohlin meldete 1958 ein Patent an und entwickelte den modernen Dreipunktgurt. Sein Anspruch: Der Gurt müsse sich mit einer Hand anlegen lassen und einfach und wirksam in der Anwendung sein. 1959 baute Volvo ihn als erster Hersteller der Welt serienmäßig ein, zunächst im Amazon und im PV 544 auf den nordischen Märkten. Viele Kunden waren anfangs skeptisch.
Bezug zum Wert
Gute Kooperation beginnt mit einer Lösung, die für alle leicht zu nutzen ist. Bohlin dachte vom Menschen her, der den Gurt täglich anlegen sollte.
02
Ein Patent für alle
Situation
Volvo stellte das Patent den anderen Autoherstellern zur Verfügung. So konnte sich der Gurt weltweit verbreiten. Nach Volvos eigener Schätzung hat er seitdem gut eine Million Leben gerettet; er senkt das Risiko tödlicher und schwerer Verletzungen bei Unfällen um etwa die Hälfte.
Bezug zum Wert
Volvo hätte den Gurt als Alleinstellungsmerkmal nutzen können. Stattdessen teilte das Unternehmen sein Wissen – und vervielfachte so die Wirkung der Erfindung.
03
Die andere Seite
Die Zahl von einer Million geretteter Leben ist eine Schätzung von Volvo selbst. Sie stützt sich auf allgemeine und eigene Statistiken, weil es keine weltweit abgestimmte Unfallstatistik gibt – genau prüfen lässt sie sich nicht. Zudem zeigt das Beispiel: Kooperation schließt Wettbewerb nicht aus. Volvo blieb Konkurrent und baute seinen Ruf als sicherer Hersteller auf.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Teile, was allen nütztManche Lösungen wirken erst, wenn möglichst viele sie nutzen.
02
Denk vom Nutzer herEinfache Bedienung entscheidet, ob eine gute Idee angenommen wird.
03
Prüfe große ZahlenAuch eine gute Geschichte verdient einen kritischen Blick auf ihre Belege.
Lies nach, was hinter Kooperation steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Wettbewerbsgeist.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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