Werte
Blog
  1. Start
  2. Beispiele
  3. Wie Ruth Bader Ginsburg und Antonin Scalia hart stritten und Freunde blieben

Beispiel zum WertToleranz (S56)

Politik & Staat

Wie Ruth Bader Ginsburg und Antonin Scalia hart stritten und Freunde blieben

Die liberale Richterin und der konservative Richter widersprachen sich am Obersten Gerichtshof der USA oft scharf und feierten doch gemeinsam Silvester.

Verschiedene Formen drängen sich aneinander; ein goldener Rand weitet sich und gibt jeder ihren Platz, jede bleibt, wie sie ist. Löst sich der Rand auf, zerfließen alle Formen und auch die eigene Säule in der Mitte zu gleichförmigem Nebel – bis sich dort wieder eine Haltung aufrichtet und die Formen ihre Gestalt zurückgewinnen.
Kurz gesagt

Die liberale Richterin und der konservative Richter widersprachen sich am Obersten Gerichtshof der USA oft scharf und feierten doch gemeinsam Silvester. Ihre Freundschaft zeigt, dass Toleranz Gegensätze nicht verwischt, sondern aushält.

2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Ruth Bader Ginsburg und Antonin Scalia arbeiteten in den 1980er-Jahren zunächst am Bundesberufungsgericht in Washington zusammen. Von August 1993 bis zu Scalias Tod im Februar 2016 saßen sie mehr als 22 Jahre gemeinsam am Supreme Court – in vielen großen Rechtsfragen auf entgegengesetzten Seiten.

Zwei Punkte, deren Pfeile hart gegeneinander stehen, verbindet oben ein goldener Bogen – wie Ruth Bader Ginsburg und Antonin Scalia.
Zwei Punkte, deren Pfeile hart gegeneinander stehen, verbindet oben ein goldener Bogen – wie Ruth Bader Ginsburg und Antonin Scalia.

Ideen angreifen, nicht Menschen

Situation
Scalia beschrieb seine Haltung so: „I attack ideas. I don’t attack people. Some very good people have some very bad ideas.“ Auf die Frage nach Ginsburg antwortete er sinngemäß, was solle man an ihr nicht mögen – außer ihren Ansichten zum Recht.
Bezug zum Wert
Toleranz trennt den Menschen von seiner Überzeugung. Man kann eine Position für falsch halten und die Person dahinter trotzdem schätzen.

Kritik, die besser macht

Situation
Als Ginsburg das Mehrheitsvotum schrieb, mit dem das Gericht den Ausschluss von Frauen am Virginia Military Institute kippte, zeigte Scalia ihr vorab seinen noch unfertigen Gegenentwurf – nach ihren Worten bissig und voller herablassender Fußnoten. Seine scharfe Kritik habe ihren endgültigen Text verbessert. Allgemein schrieb sie nach seinem Tod: Wenn sie für das Gericht geschrieben und einen Gegenentwurf von Scalia erhalten habe, sei das am Ende veröffentlichte Votum deutlich besser gewesen als ihr erster Entwurf – er habe alle Schwachstellen getroffen.
Bezug zum Wert
Toleranz heißt nicht, Kritik zu vermeiden. Wer den anderen ernst nimmt, darf ihm hart widersprechen – und lässt sich von ihm verbessern.

Silvester, Oper und ein Elefant

Situation
Silvester verbrachten Scalia und seine Frau Maureen mit Ruth und Martin Ginsburg in deren Wohnung im Watergate-Gebäude; oft gab es Wild, das Scalia erlegt und der Steueranwalt Martin Ginsburg zubereitet hatte. Beide Richter liebten die Oper; 2013 machte ein Absolvent einer Jurafakultät in Maryland ihre Streitigkeiten zur Oper „Scalia/Ginsburg“. Ein Foto von 1994 zeigt die beiden auf einem Elefanten in Rajasthan. Nach Scalias Tod schrieb Ginsburg: „We were best buddies.“
Bezug zum Wert
Toleranz wächst in der Begegnung. Wer zusammen isst, reist und lacht, hält auch harte Gegensätze im Beruf besser aus.

Die andere Seite

Auch Ginsburg hielt die Zurückhaltung nicht immer durch. Im Juli 2016 äußerte sie sich in Interviews abfällig über den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und nannte ihn einen „faker“. Die Redaktionen der Washington Post und der New York Times kritisierten das. Wenige Tage später nannte sie ihre Äußerungen „ill-advised“ und erklärte: „Judges should avoid commenting on a candidate for public office.“ Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist eine Haltung, die man auch selbst immer wieder verfehlen kann.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Person und Position trennenWidersprich der Sache so deutlich wie nötig – und bleib dem Menschen zugewandt.
  2. Kritik annehmenLass dir von deinen härtesten Gegnern zeigen, wo deine Argumente schwach sind.
  3. Begegnung suchenVerbring Zeit mit Menschen, die anders denken – nicht nur dann, wenn ihr streitet.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Toleranz steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Überzeugungstreue.

Grundlage: WEGVISOR-Ergänzung (2026) zu den Werten aus dem Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Dein nächster Schritt

Werte leben – gemeinsam mit WEGVISOR

Lesen verändert das Denken. Anwenden verändert die Ergebnisse. Wähle, wie du weitermachen möchtest.

Platz in der Leadership Group anfragen

Wir melden uns mit den nächsten Terminen und allen Details.

Du kommst von: Wie Ruth Bader Ginsburg und Antonin Scalia hart stritten und Freunde blieben.