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S56Schwestertugend zu Überzeugungstreue

Toleranz

„Ich lasse gelten, was ich selbst nicht teile.“

Überzeugungen, Glaubens- und Lebensweisen gelten lassen, die du selbst nicht teilst oder sogar ablehnst – und den Menschen, die sie vertreten, mit Respekt begegnen, statt sie bekehren oder ausschließen zu wollen.

Verschiedene Formen drängen sich aneinander; ein goldener Rand weitet sich und gibt jeder ihren Platz, jede bleibt, wie sie ist. Löst sich der Rand auf, zerfließen alle Formen und auch die eigene Säule in der Mitte zu gleichförmigem Nebel – bis sich dort wieder eine Haltung aufrichtet und die Formen ihre Gestalt zurückgewinnen.
Kurz gesagt

Ich lasse gelten, was ich selbst nicht teile.

Was Toleranz bedeutetÜberzeugungen, Glaubens- und Lebensweisen gelten lassen, die du selbst nicht teilst oder sogar ablehnst – und den Menschen, die sie vertreten, mit Respekt begegnen, statt sie bekehren oder ausschließen zu wollen.

Umfasst auchAndersdenkende achtenMeinungsfreiheit

Die Wertematrix

Toleranz im Gleichgewicht

Toleranz braucht Überzeugungstreue als Gegengewicht. Zu viel Toleranz wird zu Beliebigkeit – der Weg zurück führt über Überzeugungstreue.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S56

Toleranz

„Ich lasse gelten, was ich selbst nicht teile.“

auch Duldsamkeit, Weitherzig­keit

Gemeint ist, andere Überzeugungen, Glaubens- und Lebensweisen auszuhalten und zu respektieren, auch wenn man sie ablehnt. Anders als die Vielfaltsoffenheit, die Unterschiede als Stärke schätzt, beginnt Toleranz dort, wo man etwas für falsch hält und es trotzdem stehen lässt. Anders als die Kompromissfähigkeit sucht sie keine gemeinsame Lösung, sondern lässt verschiedene Überzeugungen nebeneinander bestehen. Hilfreich, weil Menschen mit gegensätzlichen Überzeugungen nur so gut zusammenarbeiten können.

In Balance mit: Überzeugungstreue. Zu viel davon: Beliebigkeit. Verneint durch: Intoleranz.

Zielwert 56

Über­zeugungs­treue

„Ich stehe offen zu dem, wovon ich überzeugt bin.“

auch Haltung, Bekennermut

Gemeint ist, die eigenen Überzeugungen – etwa in Fragen von Gewissen, Glauben und Weltanschauung – erkennbar zu vertreten, auch wenn es Widerstand oder Nachteile bringt. Anders als bei der Integrität geht es nicht um die Übereinstimmung von Worten und Taten, sondern um den Mut, Inhalte zu bekennen. Anders als bei der Standfestigkeit, die Druck, Trends und Mehrheiten standhält, geht es nicht ums Durchhalten, sondern ums Bekennen: zu sagen, wofür man steht, gerade dort, wo andere anders glauben. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft eher folgen, deren Haltung sie kennen.

In Balance mit: Toleranz. Zu viel davon: Intoleranz. Verneint durch: Beliebigkeit.

Zur Seite Überzeugungstreue

Übertreibung von Toleranz

Beliebig­keit

„Jeder hat seine Wahrheit – mir ist alles recht.“

auch Standpunkt­losigkeit, Relativismus

Verneinung der Überzeugungstreue und zugleich überzogene Toleranz. Grenzwertig, weil niemand mehr weiß, wofür die Führung steht, und auch Unrecht unwidersprochen bleibt.

Übertreibung von: Toleranz. Verneinung von: Überzeugungstreue. Entwicklungsrichtung: Überzeugungstreue.

Übertreibung von Überzeugungstreue

Intoleranz

„Wer anders denkt, muss bekehrt oder ausgeschlossen werden.“

auch Bekehrungs­eifer, Moralismus

Verneinung der Toleranz und zugleich überzogene Überzeugungstreue. Grenzwertig, weil Andersdenkende verstummen oder gehen und die Führungskraft nur noch Bestätigung hört.

Übertreibung von: Überzeugungstreue. Verneinung von: Toleranz. Entwicklungsrichtung: Toleranz.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeToleranz · Überzeugungstreue · Beliebigkeit · Intoleranz

Schwestertugend

Toleranz

auch Duldsamkeit · Weitherzigkeit

Gemeint ist, andere Überzeugungen, Glaubens- und Lebensweisen auszuhalten und zu respektieren, auch wenn man sie ablehnt. Anders als die Vielfaltsoffenheit, die Unterschiede als Stärke schätzt, beginnt Toleranz dort, wo man etwas für falsch hält und es trotzdem stehen lässt. Anders als die Kompromissfähigkeit sucht sie keine gemeinsame Lösung, sondern lässt verschiedene Überzeugungen nebeneinander bestehen. Hilfreich, weil Menschen mit gegensätzlichen Überzeugungen nur so gut zusammenarbeiten können.

Zielwert

Überzeugungs­treue

auch Haltung · Bekennermut

Gemeint ist, die eigenen Überzeugungen – etwa in Fragen von Gewissen, Glauben und Weltanschauung – erkennbar zu vertreten, auch wenn es Widerstand oder Nachteile bringt. Anders als bei der Integrität geht es nicht um die Übereinstimmung von Worten und Taten, sondern um den Mut, Inhalte zu bekennen. Anders als bei der Standfestigkeit, die Druck, Trends und Mehrheiten standhält, geht es nicht ums Durchhalten, sondern ums Bekennen: zu sagen, wofür man steht, gerade dort, wo andere anders glauben. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft eher folgen, deren Haltung sie kennen.

Übertreibung von Toleranz

Beliebig­keit

auch Standpunktlosigkeit · Relativismus

Verneinung der Überzeugungstreue und zugleich überzogene Toleranz. Grenzwertig, weil niemand mehr weiß, wofür die Führung steht, und auch Unrecht unwidersprochen bleibt.

Der Weg heraus: Richtung Überzeugungstreue

Übertreibung von Überzeugungstreue

Intoleranz

auch Bekehrungseifer · Moralismus

Verneinung der Toleranz und zugleich überzogene Überzeugungstreue. Grenzwertig, weil Andersdenkende verstummen oder gehen und die Führungskraft nur noch Bestätigung hört.

Der Weg heraus: Richtung Toleranz

Die ÜbertreibungWann Beliebigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Toleranz heißt Beliebigkeit (auch: Standpunktlosigkeit, Relativismus). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Wirtschaft

Zu Beginn eines Ideenworkshops erklärt die Teamleiterin: In der ersten Stunde ist jede Idee gleich viel wert, niemand bewertet, niemand widerspricht. Gerade weil später hart ausgewählt wird, braucht die Sammelphase dieses „Alles ist erlaubt“.

Familie

Eltern lassen ihre fünfzehnjährige Tochter Frisur, Kleidung und Musik selbst wählen, auch wenn ihnen manches nicht gefällt: „Ist deine Sache.“ In Geschmacksfragen ist Gleichgültigkeit oft die klügste Form von Gelassenheit.

Woran man den Unterschied erkennt

Beliebigkeit trägt, wo es um Geschmack, Stil oder eine bewusst offene Phase geht, in der nichts Wesentliches auf dem Spiel steht. Sie schadet, sobald es um Wahrheit, Recht oder die Würde von Menschen geht und „Jeder, wie er will“ zur Ausrede wird, nicht Stellung zu beziehen.

Der Alltag5 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftNeues Testament · Christliche Tradition · Forschung

Dass Toleranz Überzeugungstreue als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Überzeugungstreue. Johann Wolfgang von Goethe (Toleranz sollte nur eine vorübergehende Gesinnung sein, sie müsse zur Anerkennung führen, denn „Dulden heißt beleidigen“, Maximen und Reflexionen, zitiert nach Rainer Forst: Die Ambivalenz der Toleranz).

  1. 1. Jh.
    Neues Testament
    Römer 14,3–5

    „Welcher isst, der verachte den nicht, der da nicht isst; und welcher nicht isst, der richte den nicht, der da isst … Ein jeglicher sei in seiner Meinung gewiss.“ Paulus verlangt von beiden Gruppen, die Überzeugung der anderen nicht zu verachten und nicht zu richten.

    Matthäus 13,29–30

    „Nein! auf dass ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausjätet. Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte.“ Das Urteil bleibt beim Herrn der Ernte, nicht bei den Knechten.

    Lukas 9,54–55

    Als ein samaritisches Dorf Jesus nicht aufnimmt, wollen Jakobus und Johannes Feuer vom Himmel fallen lassen. „Jesus aber wandte sich um und bedrohte sie.“ Wer abgelehnt wird, hat deshalb noch kein Recht, zu vernichten.

  2. 13. Jh.
    Christliche Tradition
    Thomas von Aquin

    Menschliche Herrschaft soll die göttliche nachahmen, die manches Übel zulässt; deshalb dürften die Obrigkeiten auch die Riten Andersgläubiger dulden – um eines Guten willen oder um ein Übel wie Ärgernis und Unruhe zu vermeiden, Summa theologiae II-II q. 10 a. 11

  3. 1689
    Forschung
    John Locke

    Die Sorge um das Seelenheil ist nicht Sache des Staates – doch auch er zog Grenzen und schloss Katholiken und Atheisten von der Duldung aus, Stanford Encyclopedia of Philosophy: Toleration

  4. 1945
    Forschung
    Karl Popper

    Paradox der Toleranz, 1945 in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde: Unbegrenzte Toleranz führt zum Verschwinden der Toleranz; solange man intolerante Lehren mit Argumenten und öffentlicher Meinung in Schach halten kann, wäre es aber unklug, sie zu unterdrücken, Wikipedia: Paradox of tolerance

  5. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien, davon 1 Metaanalyse · 1979–2008 · mit Grenzen der Forschung
2 Studiendavon 1 Metaanalyse1979–2008 Zeitraum
  1. 1979
    Studie

    Sullivan, Piereson und Marcus argumentierten, dass Toleranz eine Ablehnung voraussetzt: Wo kein Einwand gegen eine Gruppe oder Idee besteht, stellt sich die Frage der Toleranz gar nicht. Sie ließen Befragte deshalb selbst eine politische Gruppe wählen, die sie entschieden ablehnten, und fragten, ob sie dieser Gruppe trotzdem die üblichen Verfahrensrechte zugestehen würden; so gemessen hatte sich die Toleranz in den USA zwischen den 1950er- und den 1970er-Jahren kaum verändert – anders, als frühere Studien nahegelegt hatten.

    Sullivan, Piereson & Marcus, 1979
  2. 2008
    Metaanalyse500 Studien

    Wie Ablehnung abnehmen kann, zeigt die Kontaktforschung: Nachdem eine Metaanalyse von mehr als 500 Studien bestätigt hatte, dass Kontakt zwischen Gruppen Vorurteile in der Regel verringert, prüften Pettigrew und Tropp, warum – Kontakt senkt vor allem die Angst vor der Begegnung und fördert Empathie und Perspektivübernahme; mehr Wissen über die andere Gruppe wirkte schwächer.

    Pettigrew & Tropp, 2008
Wo die Forschung an Grenzen stößt

Diese Studien messen Vorurteile, nicht Toleranz im engeren Sinn – wer weniger ablehnt, muss weniger tolerieren, und die Frage, wie man mit dem umgeht, was man weiterhin ablehnt, bleibt.

Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Welche Überzeugung in deinem Team lehnst du ab – und wie zeigst du den Menschen trotzdem Respekt?
  2. Wo nennst du Toleranz, was in Wahrheit Gleichgültigkeit oder Konfliktscheu ist?
  3. Und wo liegt die Grenze, an der du sagst: Das dulde ich nicht?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Wertewappen

Toleranz im Wappen

Farbe im Wappen: Blau

  • SymbolÄhre und Unkraut

    Auf demselben Acker wachsen Weizen und Wildkraut oft so dicht beieinander, dass man beim vorschnellen Jäten das Gute mit ausreißt. Es steht für deine Führung, wenn du Verschiedenes nebeneinander stehen lässt, statt alles nach deinem Maß zu sortieren.

  • oder als AlternativeDrei gleiche Ringe

    In Lessings „Nathan der Weise“ (1779) antwortet Nathan auf die Frage nach der wahren Religion mit der Parabel von drei Ringen, die einander so gleichen, dass keiner der Söhne den echten beweisen kann – bewähren muss sich jeder im Leben. Wählst du sie, zeigt dein Wappen, dass du deinen eigenen Glauben ernst nimmst und anderen zutraust, den ihren ebenso ernst zu nehmen.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: WEGVISOR-Ergänzung (2026) zu den Werten aus dem Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Toleranz

Was bedeutet Toleranz?

Überzeugungen, Glaubens- und Lebensweisen gelten lassen, die du selbst nicht teilst oder sogar ablehnst – und den Menschen, die sie vertreten, mit Respekt begegnen, statt sie bekehren oder ausschließen zu wollen. Der Ich-Satz dazu: „Ich lasse gelten, was ich selbst nicht teile.“

Zu welchem Zielwert gehört Toleranz?

Toleranz ist die Schwestertugend zu Überzeugungstreue (56). Zum Zielwert: Gemeint ist, die eigenen Überzeugungen – etwa in Fragen von Gewissen, Glauben und Weltanschauung – erkennbar zu vertreten, auch wenn es Widerstand oder Nachteile bringt. Anders als bei der Integrität geht es nicht um die Übereinstimmung von Worten und Taten, sondern um den Mut, Inhalte zu bekennen. Anders als bei der Standfestigkeit, die Druck, Trends und Mehrheiten standhält, geht es nicht ums Durchhalten, sondern ums Bekennen: zu sagen, wofür man steht, gerade dort, wo andere anders glauben. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft eher folgen, deren Haltung sie kennen.

Was ist die Übertreibung von Toleranz?

Beliebigkeit (auch: Standpunktlosigkeit, Relativismus). Verneinung der Überzeugungstreue und zugleich überzogene Toleranz. Grenzwertig, weil niemand mehr weiß, wofür die Führung steht, und auch Unrecht unwidersprochen bleibt.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Beliebigkeit trägt, wo es um Geschmack, Stil oder eine bewusst offene Phase geht, in der nichts Wesentliches auf dem Spiel steht. Sie schadet, sobald es um Wahrheit, Recht oder die Würde von Menschen geht und „Jeder, wie er will“ zur Ausrede wird, nicht Stellung zu beziehen.

Was sagt die Forschung zu Toleranz?

Sullivan, Piereson und Marcus argumentierten, dass Toleranz eine Ablehnung voraussetzt: Wo kein Einwand gegen eine Gruppe oder Idee besteht, stellt sich die Frage der Toleranz gar nicht.

Welche Beispiele gibt es für Toleranz?

Zum Beispiel: Ruth Bader Ginsburg und Antonin Scalia (Oberster Gerichtshof der USA), Voltaire (Fall Calas).

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