Eine offene goldene Krone nimmt Lichter aus allen Richtungen auf und wächst um einen neuen Ring. Ohne Wurzeln wirft sie jeder Windstoß hin und her – bis Wurzeln in den Boden wachsen und sie aufrecht steht, offen wie zuvor.
Kurz gesagt
Ein neuer Konzernchef macht das Lernen zum Kern der Unternehmenskultur. Noch im selben Jahr leistet er sich einen öffentlichen Fehltritt – und zeigt, wie Lernbereitschaft aussieht, wenn es um die eigene Person geht.
1 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Am 4. Februar 2014 wurde Satya Nadella als neuer Chef von Microsoft vorgestellt, als Nachfolger von Steve Ballmer und erst dritter Konzernchef nach Bill Gates. Er stellte das „Growth Mindset“ in den Mittelpunkt, ein Konzept der Stanford-Psychologin Carol Dweck.
Eine Spirale windet sich Schleife um Schleife nach oben bis zum goldenen Punkt – wie Satya Nadella, der Microsoft zum Lernen verpflichtete.
01
Vom Alles-Wisser zum Alles-Lerner
Situation
Menschen mit Growth Mindset glauben laut Dweck, dass „brains and talent are just the starting point“. Nadella forderte, Microsoft müsse „stay humble, stay hungry, and exhibit a growth mindset“. 2019 brachte er es im Podcast „Hello Monday“ auf eine Formel: „The learn-it-all does better than the know-it-all.“ Fortune nannte das Growth Mindset das beliebteste Schlagwort des Konzerns in diesem Jahrzehnt.
Bezug zum Wert
Lernbereitschaft wird zur Führungsaufgabe, wenn sie eine ganze Kultur prägen soll.
02
Der Fehltritt
Situation
Im Oktober 2014 sagte Nadella bei einer Veranstaltung für Frauen in der Informatik, Frauen sollten nicht um Gehaltserhöhungen bitten, sondern dem System vertrauen. Die Aussage löste heftige Kritik aus.
Bezug zum Wert
Auch wer Lernen predigt, liegt manchmal falsch – entscheidend ist, was danach kommt.
03
Die Korrektur
Situation
Nadella entschuldigte sich auf Twitter: „Was inarticulate re how women should ask for raise“, und schrieb, die Branche müsse die Lohnlücke schließen, damit Gehaltserhöhungen nicht nötig seien, um Benachteiligung auszugleichen. In einer E-Mail an die Belegschaft nannte er seine Aussage „completely wrong“.
Bezug zum Wert
Lernbereitschaft zeigt sich daran, einen Fehler öffentlich und ohne Ausflüchte zu benennen – gerade als Chef.
04
Die andere Seite
Wandel braucht auch Halt. Microsofts Personalchefin Kathleen Hogan beschrieb den Kulturwandel als „tricky to navigate because many people wanted a simpler narrative“. Wichtig sei gewesen zu sagen, wie man sich weiterentwickeln müsse, statt die Vergangenheit abzuwerten. Lernen ohne Standfestigkeit würde zur Beliebigkeit.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
VorlebenWenn du Lernen forderst, zeig es an deinen eigenen Fehlern.
02
Schnell korrigierenEine klare Entschuldigung wirkt mehr als eine lange Rechtfertigung.
03
Wandel ohne AbwertungErklär, warum ihr euch weiterentwickelt, ohne das Bisherige schlechtzumachen.
Lies nach, was hinter Lernbereitschaft steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Standfestigkeit.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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Wert und Schwester – aus den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft.