Fern oben leuchtet ein goldenes Licht auf, die Gruppe wendet sich ihm zu, und eine erste Spur zeichnet sich ab. Schwillt das Bild zum schimmernden Traum, verblasst die Spur – bis Stein um Stein ein Weg entsteht und die Gruppe losgeht.
Kurz gesagt
Eine kenianische Wissenschaftlerin antwortet auf die Sorgen von Frauen auf dem Land mit einer einfachen Idee: Bäume pflanzen. Daraus wird ein landesweites Netz – und eine Vision, für die sie viel riskiert.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Wangari Maathai war die erste Frau in Ost- und Zentralafrika mit Doktortitel; sie promovierte 1971 an der Universität Nairobi in Veterinäranatomie. 1977 gründete sie das Green Belt Movement. Ihr Weg zeigt eine Vision, die mit sehr konkretem Handeln beginnt.
Aus einem goldenen Setzling wird eine Reihe junger Bäume, die sich übers Land zieht – wie Wangari Maathais Bewegung.
01
Am Anfang: sieben Bäume
Situation
Maathai reagierte auf Umweltsorgen von Frauen auf dem Land: Brennholz war knapp geworden, Familien konnten ihre traditionellen Speisen nicht mehr kochen, Kinder litten an Mangelernährung. Die erste Aktion fand am Weltumwelttag, dem 5. Juni 1977, statt: Frauen zogen durch Nairobi und pflanzten sieben Bäume.
Bezug zum Wert
Eine Vision überzeugt, wenn sie ein echtes Problem aufgreift und einen ersten machbaren Schritt anbietet.
02
Ein Netz aus Frauengruppen
Situation
Frauen legten Baumschulen an und lernten, Setzlinge zu ziehen; in den 1980er Jahren entstanden über 600 Baumschulen mit 2.500 bis 3.000 beteiligten Frauen. Nach eigenen Angaben hat die Bewegung seit 1977 mehr als 51 Millionen Bäume gepflanzt. Hinzu kamen Bildungsarbeit und Einsatz für Demokratie.
Bezug zum Wert
Aus dem Bild eines grünen Kenia wurde ein System, das viele Menschen tragen.
03
Der Preis der Vision
Situation
1989 protestierte Maathai gegen ein geplantes 60-stöckiges Hochhaus im Nairobier Uhuru Park. Die Regierung nannte sie „a crazy woman“; im Januar 1990 zogen ausländische Investoren sich zurück. Am 3. März 1992 räumte die Polizei einen Hungerstreik für die Freilassung politischer Gefangener im Uhuru Park; Maathai wurde bewusstlos geschlagen und ins Krankenhaus gebracht. 2004 erhielt sie als erste Afrikanerin den Friedensnobelpreis.
Bezug zum Wert
Wer eine Vision ernst meint, stößt auf Widerstand – und muss bereit sein, ihn auszuhalten.
04
Die andere Seite
Maathai beschrieb die Arbeit selbst als Weg ohne Landkarte: „We are on a track that has not been explored before. We are on a trial-and error basis.“ Eine Vision gibt die Richtung vor, nicht den Weg – den muss die Umsetzung erst finden.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Klein anfangenGib deiner Vision einen ersten Schritt, den jeder gehen kann – etwa einen Baum zu pflanzen.
02
Andere zu Trägern machenEine Vision wird groß, wenn viele sie mit eigenen Händen umsetzen.
03
Widerstand einkalkulierenRechne damit, dass echte Veränderung Gegner hat.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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Wert und Schwester – aus den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft.