Großzügigkeit im Gleichgewicht
Großzügigkeit braucht Sparsamkeit als Gegengewicht. Zu viel Großzügigkeit wird zu Verschwendung – der Weg zurück führt über Sparsamkeit.
Begriffe erklärt
Zielwert 31
Großzügigkeit
„Ich gebe gern: Zeit, Lob, Vertrauen und Mittel.“
auch Freigebigkeit, Gebefreude
Gemeint ist eine freigebige Haltung, die gern und spürbar gibt – Zeit, Lob, Vertrauen und Mittel. Hilfreich, weil Großzügigkeit Loyalität und Initiative weckt.
In Balance mit: Sparsamkeit. Zu viel davon: Verschwendung. Verneint durch: Geiz.
Schwestertugend S31
Sparsamkeit
„Ich gehe sorgsam mit anvertrauten Mitteln um.“
auch Frugalität, Sparsinn
Gemeint ist verantwortlicher Umgang mit Geld, Zeit und Ressourcen. Hilfreich, weil großzügig nur bleiben kann, wer haushaltet.
In Balance mit: Großzügigkeit. Zu viel davon: Geiz. Verneint durch: Verschwendung.
Zur Seite SparsamkeitÜbertreibung von Großzügigkeit
Verschwendung
„Es ist ja genug da.“
auch Prasserei, Gönnerhaftigkeit
Gegenbegriff zur Sparsamkeit und zugleich überzogene Großzügigkeit. Grenzwertig, weil Mittel fehlen, wenn es darauf ankommt, und Großzügigkeit zur Selbstdarstellung wird.
Übertreibung von: Großzügigkeit. Verneinung von: Sparsamkeit. Entwicklungsrichtung: Sparsamkeit.
Übertreibung von Sparsamkeit
Geiz
„Jeder Euro muss dreimal begründet werden.“
auch Knausrigkeit, Kleinlichkeit
Gegenbegriff zur Großzügigkeit und zugleich überzogene Sparsamkeit. Grenzwertig, weil Kleinlichkeit Vertrauen und Motivation kostet.
Übertreibung von: Sparsamkeit. Verneinung von: Großzügigkeit. Entwicklungsrichtung: Großzügigkeit.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeGroßzügigkeit · Sparsamkeit · Verschwendung · Geiz
Zielwert
Großzügigkeit
auch Freigebigkeit · Gebefreude
Gemeint ist eine freigebige Haltung, die gern und spürbar gibt – Zeit, Lob, Vertrauen und Mittel. Hilfreich, weil Großzügigkeit Loyalität und Initiative weckt.
Schwestertugend
Sparsamkeit
auch Frugalität · Sparsinn
Gemeint ist verantwortlicher Umgang mit Geld, Zeit und Ressourcen. Hilfreich, weil großzügig nur bleiben kann, wer haushaltet.
Übertreibung von Großzügigkeit
Verschwendung
auch Prasserei · Gönnerhaftigkeit
Gegenbegriff zur Sparsamkeit und zugleich überzogene Großzügigkeit. Grenzwertig, weil Mittel fehlen, wenn es darauf ankommt, und Großzügigkeit zur Selbstdarstellung wird.
Der Weg heraus: Richtung Sparsamkeit
Übertreibung von Sparsamkeit
Geiz
auch Knausrigkeit · Kleinlichkeit
Gegenbegriff zur Großzügigkeit und zugleich überzogene Sparsamkeit. Grenzwertig, weil Kleinlichkeit Vertrauen und Motivation kostet.
Der Weg heraus: Richtung Großzügigkeit
Die ÜbertreibungWann Verschwendung sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Großzügigkeit heißt Verschwendung (auch: Prasserei, Gönnerhaftigkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Eine Familie, die sonst sparsam lebt, richtet zur Hochzeit der Tochter ein Fest aus, bei dem nicht jeder Posten verglichen wird. Einmal über das Vernünftige hinaus zu feiern, schafft Erinnerungen, die lange tragen.
Pfarrer und Kirchenvorstand laden nach einem schweren Jahr alle Ehrenamtlichen auf eigene Kosten zu einem festlichen Essen ein, das deutlich mehr kostet als das übliche Gemeindefrühstück. Das Überreichliche kann Wertschätzung ausdrücken, die sich nicht nachrechnen lässt.
Verschwenderisches Geben trägt, wenn es selten, aus eigenen Mitteln und als Zeichen echter Wertschätzung geschieht. Es schadet, sobald es auf Kosten anderer oder mit anvertrautem Geld erfolgt oder den Gebenden zum Gönner erhebt, dem man etwas schuldet.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung
Dass Großzügigkeit Sparsamkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentSprüche 11,24–25
„Einer teilt aus und hat immer mehr; ein anderer kargt, da er nicht soll, und wird doch ärmer.“
- 5. Jh. v. Chr.ChinaKonfuzius
Verschwendung macht anmaßend, Sparsamkeit schäbig, Lunyu 7.35
- 4. Jh. v. Chr.PhilosophieAristoteles
Freigebigkeit als rechte Mitte zwischen Verschwendung und Geiz, Nikomachische Ethik IV
- 1. Jh.Neues Testament2. Korinther 9,6–7
„Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Paulus verbindet die Großzügigkeit mit der Freiheit des Herzens – nicht aus Zwang, sondern aus Freude.
Apostelgeschichte 20,35Paulus erinnert die Ältesten von Ephesus an das Jesuswort „Geben ist seliger denn Nehmen“.
- 3.–6. Jh.Jüdische AuslegungTalmud
Die Rabbinen in Uscha begrenzten das Almosen auf ein Fünftel, damit der Geber nicht selbst bedürftig wird, Ketubot 50a
- 12. Jh.Jüdische AuslegungMaimonides
Weder geizig noch verschwenderisch, sondern Zedaka nach dem eigenen Vermögen, Hilchot De'ot 1,4
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Freigebigkeit gegen Habsucht und Verschwendung, II-II q. 117–119
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung2 Studien · 2008–2010
- 2008
Wer Geld für andere ausgibt, ist glücklicher als wer es für sich selbst ausgibt – das zeigten eine Befragung, eine Studie mit Bonusempfängern und ein Experiment, in dem Teilnehmende 5 oder 20 Dollar geschenkt bekamen.
Dunn, Aknin & Norton, 2008 - 2010
Auch großzügige Anerkennung wirkt: Wer für seine Hilfe ein kurzes Dankeschön erhielt, half in einem Experiment etwa doppelt so oft erneut; Spendenwerber einer Universität, denen der Direktor persönlich dankte, führten in der Folgewoche deutlich mehr Anrufe.
Grant & Gino, 2010
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wem hast du in dieser Woche etwas gegeben, das dich etwas gekostet hat – Zeit, Lob oder Vertrauen?
- Wo gibst du, um gesehen zu werden, statt um zu helfen?
- Und wo hältst du etwas zurück, das deinem Team mehr helfen würde als dir?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Großzügigkeit in der Praxis aus
Bob Moore (Bob's Red Mill)
Der Gründer von Bob's Red Mill verkaufte sein Unternehmen nicht an Investoren, sondern übertrug es Schritt für Schritt an die Belegschaft.
Ruth Gottesman (Albert Einstein College of Medicine)
Eine 93-jährige frühere Professorin schenkte ihrer Hochschule im Februar 2024 eine Milliarde Dollar, damit dort niemand mehr Studiengebühren zahlen muss.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenGroßzügigkeit im Wappen
Farbe im Wappen: Gold
- SymbolFüllhorn
Seit der Antike steht das Füllhorn für Überfluss und Freigebigkeit, aus ihm quellen Früchte und Gaben ohne Ende. Wählst du es, zeigt dein Wappen, dass du gern und aus vollen Händen gibst, ohne kleinlich nachzurechnen.
- oder als AlternativeÜberfließender Becher
Ein Becher, so voll eingeschenkt, dass er überfließt, ist ein Bild für Fülle und großzügige Gastfreundschaft. Er steht dafür, dass deine Großzügigkeit aus empfangener Fülle kommt und du weitergibst, was dir selbst geschenkt wurde.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung