Herzlichkeit im Gleichgewicht
Herzlichkeit braucht Respekt als Gegengewicht. Zu viel Herzlichkeit wird zu Respektlosigkeit – der Weg zurück führt über Respekt.
Begriffe erklärt
Schwestertugend S22
Herzlichkeit
„Ich begegne Menschen warm und zugewandt.“
auch Wärme, Zugewandtheit
Gemeint ist spürbare Freundlichkeit und echtes Interesse. Hilfreich, weil Respekt ohne Wärme kühl wirkt; erst Herzlichkeit macht Achtung erlebbar.
In Balance mit: Respekt. Zu viel davon: Respektlosigkeit. Verneint durch: Herzlosigkeit.
Zielwert 22
Respekt
„Ich achte die Würde jedes Menschen.“
auch Achtung, Ehrerbietung
Gemeint ist Achtung vor Person, Grenzen und Rolle des anderen – unabhängig von Rang und Leistung. Hilfreich, weil Menschen nur dort ihr Bestes geben, wo sie nicht herabgesetzt werden.
In Balance mit: Herzlichkeit. Zu viel davon: Herzlosigkeit. Verneint durch: Respektlosigkeit.
Zur Seite RespektÜbertreibung von Herzlichkeit
Respektlosigkeit
„Wir sind doch alle Kumpels.“
auch Distanzlosigkeit, Kumpelhaftigkeit
Verneinung des Respekts und zugleich überzogene Herzlichkeit. Grenzwertig, weil Grenzen verschwimmen und Führung beliebig wird.
Übertreibung von: Herzlichkeit. Verneinung von: Respekt. Entwicklungsrichtung: Respekt.
Übertreibung von Respekt
Herzlosigkeit
„Ich bleibe korrekt und halte Abstand.“
auch Förmlichkeit, Steifheit
Verneinung der Herzlichkeit und zugleich überzogener Respekt. Grenzwertig, weil formvollendete Distanz Menschen allein lässt.
Übertreibung von: Respekt. Verneinung von: Herzlichkeit. Entwicklungsrichtung: Herzlichkeit.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeHerzlichkeit · Respekt · Respektlosigkeit · Herzlosigkeit
Schwestertugend
Herzlichkeit
auch Wärme · Zugewandtheit
Gemeint ist spürbare Freundlichkeit und echtes Interesse. Hilfreich, weil Respekt ohne Wärme kühl wirkt; erst Herzlichkeit macht Achtung erlebbar.
Zielwert
Respekt
auch Achtung · Ehrerbietung
Gemeint ist Achtung vor Person, Grenzen und Rolle des anderen – unabhängig von Rang und Leistung. Hilfreich, weil Menschen nur dort ihr Bestes geben, wo sie nicht herabgesetzt werden.
Übertreibung von Herzlichkeit
Respektlosigkeit
auch Distanzlosigkeit · Kumpelhaftigkeit
Verneinung des Respekts und zugleich überzogene Herzlichkeit. Grenzwertig, weil Grenzen verschwimmen und Führung beliebig wird.
Der Weg heraus: Richtung Respekt
Übertreibung von Respekt
Herzlosigkeit
auch Förmlichkeit · Steifheit
Verneinung der Herzlichkeit und zugleich überzogener Respekt. Grenzwertig, weil formvollendete Distanz Menschen allein lässt.
Der Weg heraus: Richtung Herzlichkeit
Die ÜbertreibungWann Respektlosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Herzlichkeit heißt Respektlosigkeit (auch: Distanzlosigkeit, Kumpelhaftigkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Nach einem Autounfall, den der Sohn knapp überlebt hat, nimmt ihn der Vater im Krankenhaus fest in den Arm, obwohl der Jugendliche solche Nähe sonst ablehnt. In diesem Moment ist das Übergehen der gewohnten Distanz das, was beide brauchen.
Nach dem Aufstieg feiert die Trainerin mit ihrem Team in der Kabine, singt mit, lässt sich mit Getränken übergießen und vergisst für eine Nacht jede Hierarchie. Diese Kumpelhaftigkeit auf Zeit stärkt die Verbindung, die die Mannschaft durch die Saison getragen hat.
Distanzlose Nähe trägt in Ausnahmemomenten von Freude oder Erschütterung, wenn sie erwünscht oder zumindest erkennbar willkommen ist und danach die gewohnte Rolle wieder gilt. Respektlos wird sie, sobald ein Nein übergangen, jemand vor anderen bloßgestellt oder Nähe genutzt wird, um Abhängigkeit oder Druck zu erzeugen.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition
Dass Herzlichkeit Respekt als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Respekt.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes Testament1. Mose 18,1–8
Abraham sieht drei Fremde, läuft ihnen entgegen, verneigt sich und lässt eilig auftischen – Gastfreundschaft mit ganzem Herzen.
- 1. Jh.Neues TestamentLukas 15,20
Der Vater sieht den heimkehrenden Sohn von Weitem, „es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küsste ihn“ – Herzlichkeit wartet nicht auf die fertige Entschuldigung.
Hebräer 13,2„Gastfrei zu sein vergesset nicht; denn dadurch haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“
- um 200Jüdische AuslegungMischna
Schammai: „Empfange jeden Menschen mit freundlichem Gesicht“, Avot 1,15
- 6. Jh.Christliche TraditionBenedikt von Nursia
Alle Gäste, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus, Benediktsregel, Kap. 53
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Die Freundlichkeit im Umgang, affabilitas, ist eine eigene Tugend zwischen Schmeichelei und Streitsucht, II-II q. 114
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung2 Quellen · 2005–2007
- 2007
Die sozialpsychologische Forschung zeigt, dass Menschen andere vor allem auf zwei Dimensionen beurteilen – Wärme und Kompetenz –, wobei die Wärme zuerst eingeschätzt wird und Gefühle und Verhalten gegenüber der Person stärker prägt.
Fiske, Cuddy & Glick, 2007 - 2005
Netzwerkdaten aus drei Organisationen zeigen, wie stark das in die Arbeit hineinwirkt: Wer bei Kollegen negative Gefühle auslöst, wird als Arbeitspartner kaum gefragt, selbst wenn er kompetent ist – sein Wissen bleibt ungenutzt; erst bei positiver Beziehung zählt Kompetenz richtig. Für Führung heißt das: Wärme öffnet die Tür, Kompetenz und Respekt müssen hindurchgehen.
Casciaro & Lobo, 2008; dazu ihr Essay „Competent Jerks, Lovable Fools, and the Formation of Social Networks“: HBR, 2005
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Woran merkt jemand Neues in deinem Team, dass er oder sie willkommen ist?
- Wem gegenüber bist du korrekt, aber kühl – und warum?
- Und wo wirst du so kumpelhaft, dass jemand sich nicht mehr traut, Nein zu sagen?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Herzlichkeit in der Praxis aus
Danny Meyer (Union Square Hospitality Group)
Ein New Yorker Gastronom stellt seine Mitarbeitenden noch vor die Gäste – und rechnet vor, dass das Gefühl der Menschen mehr zählt als perfektes Essen.
Dorothy Day (Catholic Worker)
Eine Journalistin gründete eine Bewegung, die Armen nicht nur half, sondern sie aufnahm.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenHerzlichkeit im Wappen
Farbe im Wappen: Gold
- SymbolSonne mit Gesicht
Die Sonne mit Gesicht schenkt Wärme und Glanz, die jeden erreichen, ganz ohne Unterschied. Sie steht für deine Ausstrahlung, wenn Menschen in deiner Nähe spüren, dass sie willkommen sind und gesehen werden.
- oder als AlternativeEberkopf
Bei den alten Herolden galt der Eberkopf als Zeichen der Gastfreundschaft und des offenen Hauses. Damit betonst du eine Herzlichkeit, die einlädt: Du öffnest Türen, teilst den Tisch und gibst anderen einen Platz.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung