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45Zielwert

Nächsten­liebe

„Ich liebe auch den Fremden und Unbequemen.“

Menschen in Not tätig zugewandt sein – auch denen, die fremd, unbequem oder nicht nützlich sind – und dabei die eigene Kraft und die Würde des anderen achten.

Von einer goldenen Quelle fließt Licht zu matten Punkten ringsum, auch zu den fernen und abseitigen, und sie leuchten auf. Gibt sie sich ganz weg, verblasst sie selbst – bis ein Rand mit offenen Toren sie schützt und das Licht in ruhigem Strom weiterfließt.
Kurz gesagt

Ich liebe auch den Fremden und Unbequemen.

Was Nächstenliebe bedeutetMenschen in Not tätig zugewandt sein – auch denen, die fremd, unbequem oder nicht nützlich sind – und dabei die eigene Kraft und die Würde des anderen achten.

Umfasst auchLiebeHilfsbereitschaftSolidarität

Die Wertematrix

Nächstenliebe im Gleichgewicht

Nächstenliebe braucht Abgrenzung als Gegengewicht. Zu viel Nächstenliebe wird zu Grenzenlosigkeit – der Weg zurück führt über Abgrenzung.

In Balance

Begriffe erklärt

Zielwert 45

Nächsten­liebe

„Ich liebe auch den Fremden und Unbequemen.“

auch Agape, Mitmensch­lichkeit

Gemeint ist tätige Zuwendung zu Menschen in Not, unabhängig davon, ob sie sympathisch oder nützlich sind. Hilfreich, weil sie Führung menschlich macht und Vertrauen weit über das Team hinaus stiftet.

In Balance mit: Abgrenzung. Zu viel davon: Grenzenlosigkeit. Verneint durch: Lieblosigkeit.

Schwestertugend S45

Abgrenzung

„Ich achte auf meine Grenzen und die anderer.“

auch Grenzen setzen, Neinsagen

Gemeint ist die Fähigkeit, Nein zu sagen und Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört. Hilfreich, weil Liebe zum Nächsten die Liebe zu sich selbst einschließt.

In Balance mit: Nächstenliebe. Zu viel davon: Lieblosigkeit. Verneint durch: Grenzenlosigkeit.

Zur Seite Abgrenzung

Übertreibung von Nächstenliebe

Grenzen­losigkeit

„Ich helfe allen, immer.“

auch Helfersyndrom, Selbst­auf­opfe­rung

Gegenwort zur Abgrenzung und zugleich überzogene Nächstenliebe. Grenzwertig, weil Helfer ausbrennen und andere unselbstständig werden.

Übertreibung von: Nächstenliebe. Verneinung von: Abgrenzung. Entwicklungsrichtung: Abgrenzung.

Übertreibung von Abgrenzung

Lieb­losigkeit

„Das ist nicht mein Problem.“

auch Teilnahms­losigkeit, Egoismus

Gegenwort zur Nächstenliebe und zugleich überzogene Abgrenzung. Grenzwertig, weil Menschen in Not übersehen werden und eine Kultur der Gleichgültigkeit entsteht.

Übertreibung von: Abgrenzung. Verneinung von: Nächstenliebe. Entwicklungsrichtung: Nächstenliebe.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeNächstenliebe · Abgrenzung · Grenzenlosigkeit · Lieblosigkeit

Zielwert

Nächsten­liebe

auch Agape · Mitmenschlichkeit

Gemeint ist tätige Zuwendung zu Menschen in Not, unabhängig davon, ob sie sympathisch oder nützlich sind. Hilfreich, weil sie Führung menschlich macht und Vertrauen weit über das Team hinaus stiftet.

Schwestertugend

Abgrenzung

auch Grenzen setzen · Neinsagen

Gemeint ist die Fähigkeit, Nein zu sagen und Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört. Hilfreich, weil Liebe zum Nächsten die Liebe zu sich selbst einschließt.

Übertreibung von Nächstenliebe

Grenzenlosigkeit

auch Helfersyndrom · Selbstaufopferung

Gegenwort zur Abgrenzung und zugleich überzogene Nächstenliebe. Grenzwertig, weil Helfer ausbrennen und andere unselbstständig werden.

Der Weg heraus: Richtung Abgrenzung

Übertreibung von Abgrenzung

Lieblosigkeit

auch Teilnahmslosigkeit · Egoismus

Gegenwort zur Nächstenliebe und zugleich überzogene Abgrenzung. Grenzwertig, weil Menschen in Not übersehen werden und eine Kultur der Gleichgültigkeit entsteht.

Der Weg heraus: Richtung Nächstenliebe

Die ÜbertreibungWann Grenzenlosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Nächstenliebe heißt Grenzenlosigkeit (auch: Helfersyndrom, Selbstaufopferung). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Politik & Staat

Bei einem Hochwasser arbeiten Einsatzkräfte und Freiwillige tagelang bis an die Grenze ihrer Kraft, schlafen kaum und stellen alles Eigene zurück. Wenn Deiche zu brechen drohen, rettet diese Selbstaufopferung auf Zeit Leben und Häuser.

Familie

Die Eltern eines Frühgeborenen verbringen Wochen am Brutkasten und lassen Freundschaften, Arbeit und Schlaf hintanstehen. In dieser Lage ist grenzenlose Hingabe keine Störung, sondern Liebe in ihrer ernstesten Form.

Woran man den Unterschied erkennt

Selbstaufopferung trägt in akuten, befristeten Notlagen, nach denen Erholung möglich ist und andere wieder mittragen. Sie schadet, sobald sie zum Dauerzustand wird, die eigene Gesundheit verschleißt oder Helfen zum Mittel wird, gebraucht zu werden.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Jüdische Auslegung · Neues Testament · Christliche Tradition

Dass Nächstenliebe Abgrenzung als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    3. Mose 19,18.34

    „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ – und im selben Kapitel ausdrücklich auch den Fremdling, „denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen“.

  2. 4. Jh. v. Chr.
    China
    Mengzi

    Wer ein kleines Kind auf einen Brunnen zukriechen sieht, empfindet sofort Erschrecken und Mitleid – Mitgefühl ist in jedem Menschen angelegt, Mengzi 2A6

  3. 1. Jh. v. Chr.
    Jüdische Auslegung
    Hillel

    Hillel fasst die Tora für einen Fremden zusammen: „Was dir verhasst ist, das tu deinem Nächsten nicht an – das ist die ganze Tora, alles andere ist Auslegung; geh und lerne“ (Schabbat 31a)

  4. 1. Jh.
    Neues Testament
    Lukas 10,30–37

    Der Samariter hilft dem Überfallenen, an dem Priester und Levit vorbeigehen – Nächster ist, wer Barmherzigkeit tut.

    Matthäus 25,40

    „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

  5. 13. Jh.
    Christliche Tradition
    Thomas von Aquin

    In der Ordnung der Liebe soll man nach Gott das eigene Heil mehr lieben als den Nächsten, den Nächsten aber mehr als den eigenen Leib, II-II q. 26 a. 4–5

  6. 1977
    Psychologie
    Wolfgang Schmidbauer

    Er beschrieb 1977 in seinem Buch Die hilflosen Helfer das „Helfersyndrom“

  7. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung3 Studien · 2007–2020
3 Studien2007–2020 Zeitraum
  1. 2008
    Experiment

    Geben macht glücklicher als Behalten: In einer repräsentativen Befragung, einer Feldstudie zu Bonuszahlungen und einem Experiment waren Menschen glücklicher, die Geld für andere statt für sich selbst ausgaben.

    Dunn, Aknin & Norton, 2008
  2. 2020
    Experiment

    Eine präregistrierte Replikation stützt die Grundaussage, zeigt aber auch, dass die Stärke des Effekts von methodischen Details abhängt.

    Aknin et al., 2020
  3. 2007
    Studie

    Wer sieht, wem seine Arbeit hilft, bleibt dran: Spendenwerber eines Universitäts-Callcenters, die kurz einen Menschen trafen, der von den Spenden profitierte, telefonierten einen Monat später 142 Prozent länger und warben 171 Prozent mehr Geld ein; Kontrollgruppen veränderten sich nicht.

    Grant et al., 2007
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Wen in deinem Umfeld übersiehst du, weil er dir nichts nützt?
  2. Wann hast du zuletzt geholfen, ohne dass es jemand gesehen hat?
  3. Wo hilft deine Hilfe wirklich – und wo macht sie andere unselbstständig?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Welche Werte tragen deine Führung?

In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.

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Wertewappen

Nächstenliebe im Wappen

Farbe im Wappen: Rot

  • SymbolDelfin

    Der Delfin gilt seit alter Zeit als Freund und Retter der Menschen und steht für Zuneigung und Nächstenliebe. Wählst du ihn, zeigt dein Wappen, dass du da bist, wenn jemand unterzugehen droht, und ihn sicher an Land bringst.

  • oder als AlternativeGeteilter Mantel

    Der heilige Martin teilt der Legende nach seinen Mantel mit einem frierenden Bettler und gibt ihm so die Hälfte von dem, was ihn selbst wärmt. Er steht für eine Nächstenliebe, die konkret wird und das Eigene teilt, wo jemand gerade Not leidet.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Nächstenliebe

Was bedeutet Nächstenliebe?

Menschen in Not tätig zugewandt sein – auch denen, die fremd, unbequem oder nicht nützlich sind – und dabei die eigene Kraft und die Würde des anderen achten. Der Ich-Satz dazu: „Ich liebe auch den Fremden und Unbequemen.“

Was ist die Schwestertugend von Nächstenliebe?

Abgrenzung (S45). Gemeint ist die Fähigkeit, Nein zu sagen und Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört. Hilfreich, weil Liebe zum Nächsten die Liebe zu sich selbst einschließt.

Was ist die Übertreibung von Nächstenliebe?

Grenzenlosigkeit (auch: Helfersyndrom, Selbstaufopferung). Gegenwort zur Abgrenzung und zugleich überzogene Nächstenliebe. Grenzwertig, weil Helfer ausbrennen und andere unselbstständig werden.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Selbstaufopferung trägt in akuten, befristeten Notlagen, nach denen Erholung möglich ist und andere wieder mittragen. Sie schadet, sobald sie zum Dauerzustand wird, die eigene Gesundheit verschleißt oder Helfen zum Mittel wird, gebraucht zu werden.

Was sagt die Forschung zu Nächstenliebe?

Geben macht glücklicher als Behalten: In einer repräsentativen Befragung, einer Feldstudie zu Bonuszahlungen und einem Experiment waren Menschen glücklicher, die Geld für andere statt für sich selbst ausgaben (Dunn, Aknin & Norton, 2008). Eine präregistrierte Replikation stützt die Grundaussage, zeigt aber auch, dass die Stärke des Effekts von methodischen Details abhängt (Aknin et al., 2020).

Welche Beispiele gibt es für Nächstenliebe?

Zum Beispiel: Rupert Neudeck (Journalist, Cap Anamur), Sadio Mané (Fußballprofi).

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