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S44Schwestertugend zum kritischen Denken

Wohlwollen

„Ich unterstelle anderen gute Absichten.“

Anderen einen Vertrauensvorschuss geben und ihr Handeln zunächst im besten Licht deuten – ohne die Augen vor Fakten zu verschließen.

Ein offener goldener Bogen empfängt, was ankommt, und lässt es heller weiterziehen. Nimmt er alles ungeprüft auf, breitet sich auch Hohles jenseits des Bogens aus und trübt das Bild – bis eine prüfende Linse in seiner Öffnung das Hohle beiseitelegt.
Kurz gesagt

Ich unterstelle anderen gute Absichten.

Was Wohlwollen bedeutetAnderen einen Vertrauensvorschuss geben und ihr Handeln zunächst im besten Licht deuten – ohne die Augen vor Fakten zu verschließen.

Umfasst auchPositives MenschenbildMenschenfreundlichkeit

Die Wertematrix

Wohlwollen im Gleichgewicht

Wohlwollen braucht kritisches Denken als Gegengewicht. Zu viel Wohlwollen wird zu Leichtgläubigkeit – der Weg zurück führt über kritisches Denken.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S44

Wohlwollen

„Ich unterstelle anderen gute Absichten.“

auch Gutwillig­keit, Benevolenz

Gemeint ist ein Vertrauensvorschuss gegenüber Menschen. Hilfreich, weil es dafür sorgt, dass kritisches Prüfen der Sache gilt und nicht zum Misstrauen gegenüber der Person wird.

In Balance mit: Kritisches Denken. Zu viel davon: Leichtgläubigkeit. Verneint durch: Übelwollen.

Zielwert 44

Kritisches Denken

„Ich hinterfrage Annahmen, Zahlen und Behauptungen.“

auch Gesunde Skepsis, Hinterfragen

Gemeint ist die Gewohnheit, Gründe zu prüfen, bevor man urteilt. Hilfreich, weil Führungskräfte sonst Opfer von Wunschdenken und Manipulation werden.

In Balance mit: Wohlwollen. Zu viel davon: Übelwollen. Verneint durch: Leichtgläubigkeit.

Zur Seite Kritisches Denken

Übertreibung von Wohlwollen

Leicht­gläubigkeit

„Das wird schon stimmen.“

auch Blauäugig­keit, Kritik­losigkeit

Gegenwort zum kritischen Denken und zugleich überzogenes Wohlwollen. Grenzwertig, weil Fehler, Schönfärberei und Betrug unbemerkt bleiben.

Übertreibung von: Wohlwollen. Verneinung von: Kritisches Denken. Entwicklungsrichtung: Kritisches Denken.

Übertreibung von Kritisches Denken

Übelwollen

„Dahinter steckt bestimmt etwas.“

auch Zynismus, Un­terstel­lung

Gegenwort zum Wohlwollen und zugleich überzogenes kritisches Denken. Grenzwertig, weil Dauerverdacht Beziehungen vergiftet und Initiative erstickt.

Übertreibung von: Kritisches Denken. Verneinung von: Wohlwollen. Entwicklungsrichtung: Wohlwollen.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeWohlwollen · Kritisches Denken · Leichtgläubigkeit · Übelwollen

Schwestertugend

Wohlwollen

auch Gutwilligkeit · Benevolenz

Gemeint ist ein Vertrauensvorschuss gegenüber Menschen. Hilfreich, weil es dafür sorgt, dass kritisches Prüfen der Sache gilt und nicht zum Misstrauen gegenüber der Person wird.

Zielwert

Kritisches Denken

auch Gesunde Skepsis · Hinterfragen

Gemeint ist die Gewohnheit, Gründe zu prüfen, bevor man urteilt. Hilfreich, weil Führungskräfte sonst Opfer von Wunschdenken und Manipulation werden.

Übertreibung von Wohlwollen

Leichtgläubigkeit

auch Blauäugigkeit · Kritiklosigkeit

Gegenwort zum kritischen Denken und zugleich überzogenes Wohlwollen. Grenzwertig, weil Fehler, Schönfärberei und Betrug unbemerkt bleiben.

Der Weg heraus: Richtung kritisches Denken

Übertreibung des kritischen Denkens

Übelwollen

auch Zynismus · Unterstellung

Gegenwort zum Wohlwollen und zugleich überzogenes kritisches Denken. Grenzwertig, weil Dauerverdacht Beziehungen vergiftet und Initiative erstickt.

Der Weg heraus: Richtung Wohlwollen

Die ÜbertreibungWann Leichtgläubigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung des Wohlwollens heißt Leichtgläubigkeit (auch: Blauäugigkeit, Kritiklosigkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Glaube & Kirche

Ein Gefängnisseelsorger begegnet jedem Inhaftierten mit einem Vertrauensvorschuss und nimmt zunächst ernst, was er erzählt, ohne in den Akten nachzulesen. Seine Aufgabe ist es nicht, zu ermitteln, sondern einen Raum zu öffnen, in dem ein Mensch mehr sein darf als seine Tat.

Bildung

Eine Lehrerin gibt einem Schüler, der an seiner alten Schule oft gelogen hat, beim Neustart bewusst einen vollen Vertrauensvorschuss. Manche Jugendliche ändern sich erst, wenn jemand ihnen mehr zutraut, als ihre Vorgeschichte nahelegt.

Woran man den Unterschied erkennt

Ein großer Vertrauensvorschuss trägt, wo der mögliche Schaden begrenzt ist und das Vertrauen selbst die Wirkung ist. Er schadet, wenn andere dadurch gefährdet oder deutliche Warnzeichen übersehen werden – dann braucht es Prüfung.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition

Dass Wohlwollen Kritisches Denken als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Kritisches Denken.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    Sprüche 10,12

    „Hass erregt Hader; aber Liebe deckt zu alle Übertretungen.“

  2. 1. Jh.
    Neues Testament
    1. Korinther 13,7

    Die Liebe „verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles“ – sie gibt einen Vorschuss, bevor sie Beweise hat.

    Matthäus 7,3

    „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“

  3. um 200
    Jüdische Auslegung
    Pirkei Avot

    „Beurteile jeden Menschen nach der günstigen Seite“, Avot 1,6

  4. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    Wer seinen Nächsten zum Guten hin beurteilt, den beurteilt man selbst zum Guten hin, Schabbat 127b

  5. 1529
    Christliche Tradition
    Martin Luther

    Auslegung des achten Gebots im Kleinen Katechismus: den Nächsten „entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren“

  6. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien, davon 1 Metaanalyse · 2002–2016
2 Studiendavon 1 Metaanalyse2002–2016 Zeitraum
  1. 2016
    Längsschnittstudie

    Zynismus kostet: In mehreren Studien – darunter rund 16.000 Deutsche, die über neun Jahre begleitet wurden – verdienten Menschen mit zynischem Menschenbild später weniger als Menschen mit freundlicherem Menschenbild; der Effekt war in Ländern mit mehr Hilfsbereitschaft und geringerer Kriminalität am stärksten, in sehr misstrauischen Gesellschaften dagegen kaum vorhanden.

    Stavrova & Ehlebracht, 2016
  2. 2002
    Metaanalyse

    Vertrauen ist Führungskapital: Eine Metaanalyse über 106 Stichproben fand systematische Zusammenhänge zwischen Vertrauen in die Führung und wichtigen Arbeitsergebnissen; die direkte Führungskraft war dabei der wichtigste Bezugspunkt.

    Dirks & Ferrin, 2002
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Welche Absicht hast du zuletzt jemandem unterstellt, ohne nachzufragen?
  2. Wem in deinem Team traust du weniger zu, als er verdient – und woran merkt er das?
  3. Wie kannst du wohlwollend zum Menschen und zugleich klar in der Sache sein?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Welche Werte tragen deine Führung?

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Wertewappen

Wohlwollen im Wappen

Farbe im Wappen: Gold

  • SymbolSegnende Hand

    Die segnende Hand ist eine alte Geste, mit der man einem Menschen Gutes zuspricht und ihm wohlwollend begegnet. Wählst du sie, zeigt dein Wappen: Du begegnest anderen mit freundlichem Blick und wünschst ihnen von Herzen Gutes.

  • oder als AlternativeFlug (Schwingenpaar)

    Ein Flug, also ein ausgebreitetes Schwingenpaar, steht für den Schutz unter ausgebreiteten Flügeln, wie ihn ein Vogel seinen Jungen gibt. Er betont ein Wohlwollen, das schützt, wenn du dich vor deine Leute stellst und ihnen Raum zum Wachsen gibst.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Wohlwollen

Was bedeutet Wohlwollen?

Anderen einen Vertrauensvorschuss geben und ihr Handeln zunächst im besten Licht deuten – ohne die Augen vor Fakten zu verschließen. Der Ich-Satz dazu: „Ich unterstelle anderen gute Absichten.“

Zu welchem Zielwert gehört Wohlwollen?

Wohlwollen ist die Schwestertugend zum kritischen Denken (44). Zum Zielwert: Gemeint ist die Gewohnheit, Gründe zu prüfen, bevor man urteilt. Hilfreich, weil Führungskräfte sonst Opfer von Wunschdenken und Manipulation werden.

Was ist die Übertreibung von Wohlwollen?

Leichtgläubigkeit (auch: Blauäugigkeit, Kritiklosigkeit). Gegenwort zum kritischen Denken und zugleich überzogenes Wohlwollen. Grenzwertig, weil Fehler, Schönfärberei und Betrug unbemerkt bleiben.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Ein großer Vertrauensvorschuss trägt, wo der mögliche Schaden begrenzt ist und das Vertrauen selbst die Wirkung ist. Er schadet, wenn andere dadurch gefährdet oder deutliche Warnzeichen übersehen werden – dann braucht es Prüfung.

Was sagt die Forschung zu Wohlwollen?

Zynismus kostet: In mehreren Studien – darunter rund 16.000 Deutsche, die über neun Jahre begleitet wurden – verdienten Menschen mit zynischem Menschenbild später weniger als Menschen mit freundlicherem Menschenbild; der Effekt war in Ländern mit mehr Hilfsbereitschaft und geringerer Kriminalität am stärksten, in sehr misstrauischen Gesellschaften dagegen kaum vorhanden (Stavrova & Ehlebracht, 2016).

Welche Beispiele gibt es für Wohlwollen?

Zum Beispiel: Indra Nooyi (PepsiCo), Robert Rosenthal und Lenore Jacobson (Pygmalion-Studie).

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