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Beispiel zum WertWohlwollen (S44)

Bildung

Wie Rosenthal und Jacobson die Macht der Erwartung untersuchten

In einem berühmten Schulexperiment legten Kinder stärker zu, denen Lehrkräfte einen Leistungsschub zutrauten.

Ein offener goldener Bogen empfängt, was ankommt, und lässt es heller weiterziehen. Nimmt er alles ungeprüft auf, breitet sich auch Hohles jenseits des Bogens aus und trübt das Bild – bis eine prüfende Linse in seiner Öffnung das Hohle beiseitelegt.
Kurz gesagt

In einem berühmten Schulexperiment legten Kinder stärker zu, denen Lehrkräfte einen Leistungsschub zutrauten. Die Studie zeigt, dass Wohlwollen wirken kann – und dass man ihre Ergebnisse kritisch lesen muss.

1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

1968 veröffentlichten Robert Rosenthal und Lenore Jacobson ein Experiment, das als „Pygmalion-Effekt“ bekannt wurde. Die Frage: Verändern die Erwartungen von Lehrkräften die Leistung ihrer Schüler? Das Experiment wird bis heute zitiert, wenn es um die Wirkung von Zutrauen geht.

Goldene Strahlen fallen auf einige Punkte einer Reihe, und gerade diese wachsen – wie im Experiment von Rosenthal und Jacobson.
Goldene Strahlen fallen auf einige Punkte einer Reihe, und gerade diese wachsen – wie im Experiment von Rosenthal und Jacobson.

Ein Experiment an einer Grundschule

Situation
An einer kalifornischen Grundschule machten alle Kinder zu Beginn einen getarnten IQ-Test. Den Lehrkräften wurde gesagt, rund 20 Prozent ihrer Schüler würden demnächst einen intellektuellen Schub erleben. In Wahrheit waren diese Kinder zufällig ausgewählt; die echten Testergebnisse erfuhren die Lehrer nicht.
Bezug zum Wert
Das Experiment testet eine wohlwollende Erwartung: Was passiert, wenn Lehrkräfte bestimmten Kindern mehr zutrauen?

Was herauskam

Situation
Am Ende des Versuchs legten Kinder in allen sechs Klassenstufen im Mittel zu, in der Versuchs- wie in der Kontrollgruppe. Statistisch signifikant stärker war der Zuwachs der angeblichen Aufsteiger aber nur in der ersten und zweiten Klasse.
Bezug zum Wert
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Zutrauen vor allem bei jüngeren Kindern einen Unterschied machen kann.

Die andere Seite

Der Psychologe Robert L. Thorndike hielt das Testinstrument schon 1968 für ernsthaft fehlerhaft; ein Teil des Anstiegs könnte schlicht eine Rückkehr zum Mittelwert sein. Eine Meta-Analyse von Raudenbush (1984) fand den Effekt praktisch bei null, wenn Lehrkräfte ihre Schüler schon zwei Wochen kannten. Jussim und Harber kamen 2005 zu dem Schluss: Solche selbsterfüllenden Prophezeiungen gibt es, doch sie sind meist klein und vorübergehend. Wohlwollen wirkt, aber nicht wie Magie.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Zutrauen zeigenDeine Erwartungen an andere können beeinflussen, wie du mit ihnen umgehst – nutze das.
  2. Früh ansetzenWohlwollen wirkt besonders dort, wo du Menschen noch wenig kennst.
  3. Keine Wunder erwartenZutrauen allein verändert selten viel – die gemessenen Effekte sind meist klein und kurzlebig.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Wohlwollen steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Kritisches Denken.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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