Wie Elisabeth Bik über 20.000 Fachartikel auf doppelte Bilder prüfte
Die Mikrobiologin Elisabeth Bik sichtete mit zwei Kollegen die Abbildungen von 20.621 Fachartikeln und fand in 3,8 Prozent unzulässig duplizierte Bilder.
Behauptungen strömen auf eine goldene Linse zu; was Substanz hat, geht hindurch, was hohl ist, wird beiseitegelegt. Wachsen der Linse Stacheln, weist sie alles ab – bis ein freundlicher Bogen die Ankommenden erst einmal aufnimmt.
Kurz gesagt
Die Mikrobiologin Elisabeth Bik sichtete mit zwei Kollegen die Abbildungen von 20.621 Fachartikeln und fand in 3,8 Prozent unzulässig duplizierte Bilder. Ihr Vorgehen zeigt kritisches Denken, das prüft, ohne vorzuverurteilen.
1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Die Mikrobiologin Elisabeth Bik untersuchte gemeinsam mit Arturo Casadevall und Ferric Fang Abbildungen aus 20.621 biomedizinischen Artikeln, erschienen zwischen 1995 und 2014 in 40 Fachzeitschriften. Die Studie erschien 2016 in der Zeitschrift mBio. Sie ist ein Beispiel dafür, wie kritisches Denken mit Sorgfalt und Fairness zusammengeht.
Ein Raster aus Bildfeldern, zwei gleiche golden verbunden – wie Elisabeth Bik, die Fachartikel auf doppelte Bilder prüfte.
01
Hinschauen, Bild für Bild
Situation
Bik sichtete alle Artikel zunächst selbst, direkt auf den Websites der Verlage. Fiel ihr ein Bild auf, untersuchte sie es mit dem einfachen Farbwerkzeug der Bildanzeige-Software auf einem iMac; spezielle Analyseprogramme kamen nicht zum Einsatz.
Bezug zum Wert
Kritisches Denken beginnt mit genauem Hinsehen – auch dort, wo andere einfach vertrauen.
02
Erst zählen, wenn alle zustimmen
Situation
Jeder Verdachtsfall wurde von Fang und Casadevall unabhängig begutachtet. Ein Artikel zählte nur, wenn alle drei übereinstimmten; das war bei 90,4 Prozent der Vorauswahl der Fall. Am Ende enthielten 782 Artikel, 3,8 Prozent und damit etwa jeder 26., mindestens eine unzulässig duplizierte Abbildung. Die Fälle reichten von schlicht doppelt verwendeten Bildern über verschobene oder gedrehte bis zu veränderten Bildern.
Bezug zum Wert
Gutes kritisches Denken hat eingebaute Bremsen: Ein Verdacht wird erst zum Befund, wenn andere ihn unabhängig bestätigen.
03
Die andere Seite
Nicht jede Duplizierung ist Betrug: Hinweise auf absichtliche Manipulation sahen die Autoren bei mindestens der Hälfte der auffälligen Artikel – nicht bei allen. Zugleich vermuten sie, dass der wahre Anteil fehlerhafter Daten höher liegt, weil nur Bilder geprüft wurden.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Genau hinsehenKritisches Denken braucht Geduld und Sorgfalt, nicht nur einen schnellen Verdacht.
02
Unabhängig prüfen lassenLass deine Befunde von anderen bestätigen, bevor du urteilst.
03
Fehler von Absicht trennenNicht jeder Fehler ist Täuschung – unterscheide, bevor du jemanden beschuldigst.
Lies nach, was hinter Kritisches Denken steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Wohlwollen.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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