Selbstdisziplin im Gleichgewicht
Selbstdisziplin braucht Genussfähigkeit als Gegengewicht. Zu viel Selbstdisziplin wird zu Genussunfähigkeit – der Weg zurück führt über Genussfähigkeit.
Begriffe erklärt
Zielwert 14
Selbstdisziplin
„Ich tue das Nötige, auch wenn ich keine Lust habe.“
auch Selbststeuerung, Mäßigung
Gemeint ist die Fähigkeit, sich selbst zu führen, ohne Kontrolle von außen. Hilfreich, weil Führung viele unspektakuläre Pflichten hat und Disziplin die Führungskraft verlässlich macht.
In Balance mit: Genussfähigkeit. Zu viel davon: Genussunfähigkeit. Verneint durch: Disziplinlosigkeit.
Schwestertugend S14
Genussfähigkeit
„Ich gönne mir Pausen, Genuss und Erholung.“
auch Muße, Erholungsfähigkeit
Gemeint ist die Fähigkeit, abzuschalten und das Leben zu genießen. Hilfreich, weil Disziplin ohne Erholung nicht durchzuhalten ist.
In Balance mit: Selbstdisziplin. Zu viel davon: Disziplinlosigkeit. Verneint durch: Genussunfähigkeit.
Zur Seite GenussfähigkeitÜbertreibung von Selbstdisziplin
Genussunfähigkeit
„Ich bin hart gegen mich und andere und dulde keine Schwäche.“
auch Verbissenheit, Freudlosigkeit
Verneinung der Genussfähigkeit und zugleich überzogene Selbstdisziplin. Grenzwertig, weil sie in Selbstausbeutung kippt und denselben Maßstab gnadenlos an andere anlegt.
Übertreibung von: Selbstdisziplin. Verneinung von: Genussfähigkeit. Entwicklungsrichtung: Genussfähigkeit.
Übertreibung von Genussfähigkeit
Disziplinlosigkeit
„Ich lasse mich treiben und folge meiner Laune.“
auch Bequemlichkeit, Zügellosigkeit
Verneinung der Selbstdisziplin und zugleich überzogene Genussfähigkeit. Grenzwertig, weil Wichtiges zugunsten von Angenehmem verschoben wird und das Team Unberechenbarkeit erlebt.
Übertreibung von: Genussfähigkeit. Verneinung von: Selbstdisziplin. Entwicklungsrichtung: Selbstdisziplin.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeSelbstdisziplin · Genussfähigkeit · Genussunfähigkeit · Disziplinlosigkeit
Zielwert
Selbstdisziplin
auch Selbststeuerung · Mäßigung
Gemeint ist die Fähigkeit, sich selbst zu führen, ohne Kontrolle von außen. Hilfreich, weil Führung viele unspektakuläre Pflichten hat und Disziplin die Führungskraft verlässlich macht.
Schwestertugend
Genussfähigkeit
auch Muße · Erholungsfähigkeit
Gemeint ist die Fähigkeit, abzuschalten und das Leben zu genießen. Hilfreich, weil Disziplin ohne Erholung nicht durchzuhalten ist.
Übertreibung von Selbstdisziplin
Genussunfähigkeit
auch Verbissenheit · Freudlosigkeit
Verneinung der Genussfähigkeit und zugleich überzogene Selbstdisziplin. Grenzwertig, weil sie in Selbstausbeutung kippt und denselben Maßstab gnadenlos an andere anlegt.
Der Weg heraus: Richtung Genussfähigkeit
Übertreibung von Genussfähigkeit
Disziplinlosigkeit
auch Bequemlichkeit · Zügellosigkeit
Verneinung der Selbstdisziplin und zugleich überzogene Genussfähigkeit. Grenzwertig, weil Wichtiges zugunsten von Angenehmem verschoben wird und das Team Unberechenbarkeit erlebt.
Der Weg heraus: Richtung Selbstdisziplin
Die ÜbertreibungWann Genussunfähigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Selbstdisziplin heißt Genussunfähigkeit (auch: Verbissenheit, Freudlosigkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Eine Gemeinde hält in der Passionszeit bewusst ein strenges Fasten ein: keine Feiern, kein Fleisch, keine Ausnahmen, auch wenn es manchem freudlos vorkommt. Gerade der Verzicht auf jeden Genuss macht diese Wochen zu einer erkennbaren Zeit der Umkehr.
Eine Leichtathletin lebt in den Wochen vor einem großen Wettkampf fast asketisch: Trainingsplan, Schlaf, Ernährung, keine Partys, keine Ausnahmen. Für diese begrenzte Phase ist Verbissenheit der Preis dafür, ihr Können wirklich abrufen zu können.
Verzicht auf Genuss trägt, wenn er befristet, freiwillig und einem klaren Ziel zugeordnet ist. Er schadet, sobald er zum Dauerzustand wird, die Freude am Leben grundsätzlich verdächtig macht oder anderen als Maßstab aufgezwungen wird.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Indien · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung
Dass Selbstdisziplin Genussfähigkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentSprüche 16,32
Wer sich selbst beherrscht, ist besser als einer, der Städte einnimmt
Sprüche 25,28„Ein Mann, der seinen Geist nicht halten kann, ist wie eine offene Stadt ohne Mauern.“
- 5. Jh. v. Chr.IndienBuddha
Mittlerer Weg zwischen Sinnenlust und Selbstkasteiung, erste Lehrrede in Benares in Benares
- 4. Jh. v. Chr.PhilosophieAristoteles
Mäßigkeit zwischen Unempfindlichkeit und Zügellosigkeit, Nikomachische Ethik III
- 1. Jh.Neues Testament1. Korinther 9,24–27
Wie ein Wettkämpfer trainiert Paulus mit Ziel und Selbstbeherrschung.
Galater 5,22–23Selbstbeherrschung ist eine Frucht des Geistes – nicht nur eine Willensleistung.
- um 200Jüdische AuslegungMischna
Held ist, wer seinen Trieb bezwingt, Avot 4,1
- 3.–6. Jh.Jüdische AuslegungJerusalemer Talmud
Der Mensch wird Rechenschaft geben über jede erlaubte Freude, die er sah und nicht genoss, Kidduschin 4,12
- 12. Jh.Jüdische AuslegungMaimonides
Askese ist nicht der Weg, Hilchot De'ot 3,1
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Zügellosigkeit und Unempfindlichkeit, II-II q. 141–142
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
- 2017ForschungVIA-Stärke Selbstregulation
Zu wenig davon zeigt sich als Maßlosigkeit, zu viel als Gehemmtheit (Freidlin et al., 2017).
Die Forschung4 Studien, davon 2 Metaanalysen · 2002–2016
- 2011
Langfristig zahlt sich Selbstkontrolle aus: In einer Längsschnittstudie mit rund 1.000 Kindern sagte ihre Selbstkontrolle Gesundheit, Finanzen, Suchtprobleme und Straffälligkeit im Alter von 32 Jahren voraus – auch unabhängig von Intelligenz und sozialer Herkunft.
Moffitt et al., 2011 - 2016
Ein Gegenbefund trifft die populäre Vorstellung, Willenskraft erschöpfe sich wie ein Muskel: In einer vorregistrierten Replikation mit 23 Laboren und 2.141 Teilnehmenden war dieser „Ego-Depletion“-Effekt praktisch null.
Hagger et al., 2016
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Welche Pflicht schiebst du regelmäßig auf?
- Wo bist du so streng mit dir, dass es anderen schadet?
- Welche Routine würde dir diese Woche am meisten helfen?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Selbstdisziplin in der Praxis aus
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenSelbstdisziplin im Wappen
Farbe im Wappen: Schwarz
- SymbolKranich mit Stein
Nach alter Überlieferung hält der wachende Kranich einen Stein im Fuß, damit er nicht einschläft, und wurde so zum Sinnbild der Wachsamkeit aus eigener Zucht. Er steht für dich, wenn du gerade in müden Momenten aufmerksam bleibst.
- oder als AlternativeAmeise
Die Ameise arbeitet ohne Aufseher und sammelt im Sommer Vorrat für später, deshalb gilt sie seit jeher als Vorbild für Fleiß. Wählst du sie, tust du das Nötige beständig aus eigenem Antrieb und sorgst heute für morgen vor.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung