Beteiligung im Gleichgewicht
Beteiligung braucht Entschlossenheit als Gegengewicht. Zu viel Beteiligung wird zu Unentschlossenheit – der Weg zurück führt über Entschlossenheit.
Begriffe erklärt
Schwestertugend S13
Beteiligung
„Ich beziehe andere ein und bleibe offen für Korrektur.“
auch Partizipation, Mitsprache
Gemeint ist das Einholen von Wissen und Sichtweisen der Betroffenen vor der Entscheidung. Hilfreich, weil gute Entscheidungen das Wissen des Teams nutzen und eher mitgetragen werden.
In Balance mit: Entschlossenheit. Zu viel davon: Unentschlossenheit. Verneint durch: Alleingang.
Zielwert 13
Entschlossenheit
„Ich entscheide, wenn es dran ist, und stehe dazu.“
auch Entscheidungsfreude, Entschiedenheit
Gemeint ist die Fähigkeit, auch bei unvollständigen Informationen rechtzeitig festzulegen, was gilt. Hilfreich, weil Nicht-Entscheiden auch eine Entscheidung ist – meist die schlechteste.
In Balance mit: Beteiligung. Zu viel davon: Alleingang. Verneint durch: Unentschlossenheit.
Zur Seite EntschlossenheitÜbertreibung von Beteiligung
Unentschlossenheit
„Ich lasse endlos diskutieren und entscheide nie.“
auch Zögerlichkeit, Zerreden
Verneinung der Entschlossenheit und zugleich überzogene Beteiligung. Grenzwertig, weil die Organisation Tempo und die Führungskraft Autorität verliert.
Übertreibung von: Beteiligung. Verneinung von: Entschlossenheit. Entwicklungsrichtung: Entschlossenheit.
Übertreibung von Entschlossenheit
Alleingang
„Ich entscheide vorschnell und ohne Rücksprache.“
auch Eigenmächtigkeit, Schnellschuss
Gegenwort zur Beteiligung und zugleich überzogene Entschlossenheit. Grenzwertig, weil Schnellschüsse Fehler produzieren und Widerstand erzeugen.
Übertreibung von: Entschlossenheit. Verneinung von: Beteiligung. Entwicklungsrichtung: Beteiligung.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeBeteiligung · Entschlossenheit · Unentschlossenheit · Alleingang
Schwestertugend
Beteiligung
auch Partizipation · Mitsprache
Gemeint ist das Einholen von Wissen und Sichtweisen der Betroffenen vor der Entscheidung. Hilfreich, weil gute Entscheidungen das Wissen des Teams nutzen und eher mitgetragen werden.
Zielwert
Entschlossenheit
auch Entscheidungsfreude · Entschiedenheit
Gemeint ist die Fähigkeit, auch bei unvollständigen Informationen rechtzeitig festzulegen, was gilt. Hilfreich, weil Nicht-Entscheiden auch eine Entscheidung ist – meist die schlechteste.
Übertreibung von Beteiligung
Unentschlossenheit
auch Zögerlichkeit · Zerreden
Verneinung der Entschlossenheit und zugleich überzogene Beteiligung. Grenzwertig, weil die Organisation Tempo und die Führungskraft Autorität verliert.
Der Weg heraus: Richtung Entschlossenheit
Übertreibung von Entschlossenheit
Alleingang
auch Eigenmächtigkeit · Schnellschuss
Gegenwort zur Beteiligung und zugleich überzogene Entschlossenheit. Grenzwertig, weil Schnellschüsse Fehler produzieren und Widerstand erzeugen.
Der Weg heraus: Richtung Beteiligung
Die ÜbertreibungWann Unentschlossenheit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Beteiligung heißt Unentschlossenheit (auch: Zögerlichkeit, Zerreden). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Die Ethikkommission einer Universitätsklinik vertagt ihr Votum zu einer umstrittenen Studie noch einmal, um Patientenvertreter und weitere Fachleute anzuhören – zum Ärger der Forschenden, die endlich beginnen wollen. Wo Menschen die Folgen tragen, ist gründliches Zögern Sorgfalt, nicht Schwäche.
Eine Stadtverwaltung verschiebt die Entscheidung über den Abriss eines prägenden historischen Gebäudes mehrmals, um Anwohner, Gutachter und Vereine zu hören, obwohl der Investor drängt. Bei einer Entscheidung, die nicht rückgängig zu machen ist, ist langes Abwägen verantwortlicher als ein schneller Beschluss.
Ausgiebige Beteiligung und spätes Entscheiden tragen, wenn die Folgen weitreichend oder unumkehrbar sind, keine akute Not drängt und das Abwarten wirklich neue Erkenntnisse bringt. Sie werden zu Zögerlichkeit und Zerreden, sobald nur noch Bekanntes wiederholt wird, andere die Kosten des Wartens tragen oder niemand mehr den Schlusspunkt setzt.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition · Forschung
Dass Beteiligung Entschlossenheit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Entschlossenheit.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentSprüche 15,22
Wo viele Ratgeber sind, gelingen die Pläne
- 1. Jh.Neues TestamentApostelgeschichte 6,2–6
Die Apostel lassen die Gemeinde sieben Männer für die Versorgung der Witwen auswählen und setzen sie dann ein – Beteiligung und Leitung zusammen.
Apostelgeschichte 15,22Beim Apostelkonzil beschließen „die Apostel und Ältesten samt der ganzen Gemeinde“.
1. Korinther 12,21„Es kann das Auge nicht sagen zur Hand: Ich bedarf dein nicht.“
- 3.–6. Jh.Jüdische AuslegungTalmud
Im Lehrhaus entscheidet die Mehrheit, Bava Metzia 59b
- 6. Jh.Christliche TraditionBenediktsregel, Kap. 3
Der Abt soll bei wichtigen Fragen alle Brüder hören, auch den Jüngsten, entscheidet dann aber selbst – Regula Benedicti
- 1973ForschungVroom & Yetton
Modell zur Wahl des Beteiligungsgrads
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung3 Studien, davon 1 Metaanalyse · 1948–2018
- 1948
Im klassischen Harwood-Experiment brach die Produktion einer Gruppe, die bei einer Arbeitsumstellung nicht beteiligt wurde, dauerhaft ein, während voll beteiligte Gruppen bald über ihrem alten Niveau lagen.
Coch & French, 1948 - 1994
Eine Übersicht über die Forschung zeigt allerdings, dass der durchschnittliche Effekt von Beteiligung auf Leistung und Zufriedenheit zwar gesichert, aber klein ist – Beteiligung ersetzt keine Entscheidung.
Wagner, 1994
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wen betrifft deine nächste Entscheidung – und wen hast du gefragt?
- Wissen die Beteiligten, ob sie mitentscheiden oder beraten?
- Wo nutzt du Beteiligung, um dich vor der Entscheidung zu drücken?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Beteiligung in der Praxis aus
Orpheus Chamber Orchestra (New York)
Ein New Yorker Kammerorchester verzichtet seit seiner Gründung 1972 auf einen Dirigenten. Die Leitung wechselt von Werk zu Werk, die Musiker selbst interpretieren die Partitur.
Summerhill School (England)
Seit rund hundert Jahren beschließt an einer englischen Schule die Schulversammlung die Regeln – und jede Stimme zählt gleich, ob Kind oder Lehrkraft.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenBeteiligung im Wappen
Farbe im Wappen: Grün
- SymbolGarbe
Die Garbe bindet viele einzelne Halme zu einer Ernte und steht für das, was nur gemeinsam eingebracht werden kann. In deiner Führung heißt das, dass du die Beiträge vieler zusammenführst und jeder Halm zum Ergebnis zählt.
- oder als AlternativeTafelrunde
An der runden Tafel der Artussage gibt es kein Kopfende, alle sitzen auf Augenhöhe. Für dich bedeutet das, dass du Entscheidungen im Kreis berätst und jede Stimme am Tisch gleich ernst nimmst.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung