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S37Schwestertugend zu Resilienz

Verletz­lich­keit

„Ich darf zeigen, dass mich etwas trifft.“

Unsicherheit, Schmerz und eigene Grenzen zeigen dürfen – und damit anderen erlauben, ehrlich zu sein, ohne dass die Führung zerfällt.

Eine harte Schale öffnet sich und zeigt ihr goldenes Inneres, andere kommen näher. Verliert sie jeden Halt, zerfließt sie am Boden – bis ein Ring sich wieder aufrichtet, ohne die Öffnung zu schließen.
Kurz gesagt

Ich darf zeigen, dass mich etwas trifft.

Was Verletzlichkeit bedeutetUnsicherheit, Schmerz und eigene Grenzen zeigen dürfen – und damit anderen erlauben, ehrlich zu sein, ohne dass die Führung zerfällt.

Umfasst auchGefühle zeigenHilfe annehmen

Die Wertematrix

Verletzlichkeit im Gleichgewicht

Verletzlichkeit braucht Resilienz als Gegengewicht. Zu viel Verletzlichkeit wird zu Labilität – der Weg zurück führt über Resilienz.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S37

Verletz­lichkeit

„Ich darf zeigen, dass mich etwas trifft.“

auch Verwund­barkeit, Schwächen zeigen

Gemeint ist der Mut, Unsicherheit, Schmerz und Grenzen einzugestehen. Hilfreich, weil echte Stärke Gefühle zulässt und anderen erlaubt, dasselbe zu tun.

In Balance mit: Resilienz. Zu viel davon: Labilität. Verneint durch: Panzerung.

Zielwert 37

Resilienz

„Ich stehe nach Rückschlägen wieder auf.“

auch Widerstands­kraft, Stehauf­menta­lität

Gemeint ist seelische Widerstandskraft in Druck, Krise und Verlust. Hilfreich, weil Führung Krisen nicht vermeiden, aber durchstehen kann.

In Balance mit: Verletzlichkeit. Zu viel davon: Panzerung. Verneint durch: Labilität.

Zur Seite Resilienz

Übertreibung von Verletzlichkeit

Labilität

„Ich halte das alles nicht aus.“

auch Wehleidig­keit, Opferhal­tung

Gegenwort zur Resilienz und zugleich überzogene Verletzlichkeit. Grenzwertig, weil das Team die Führungskraft tragen muss, statt von ihr getragen zu werden.

Übertreibung von: Verletzlichkeit. Verneinung von: Resilienz. Entwicklungsrichtung: Resilienz.

Übertreibung von Resilienz

Panzerung

„Mich haut nichts um.“

auch Un­verwundbarkeits­pose, Gefühlsabwehr

Gegenwort zur Verletzlichkeit und zugleich überzogene Resilienz. Grenzwertig, weil verdrängte Belastung später umso härter zurückkommt.

Übertreibung von: Resilienz. Verneinung von: Verletzlichkeit. Entwicklungsrichtung: Verletzlichkeit.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeVerletzlichkeit · Resilienz · Labilität · Panzerung

Schwestertugend

Verletz­lich­keit

auch Verwundbarkeit · Schwächen zeigen

Gemeint ist der Mut, Unsicherheit, Schmerz und Grenzen einzugestehen. Hilfreich, weil echte Stärke Gefühle zulässt und anderen erlaubt, dasselbe zu tun.

Zielwert

Resilienz

auch Widerstandskraft · Stehaufmentalität

Gemeint ist seelische Widerstandskraft in Druck, Krise und Verlust. Hilfreich, weil Führung Krisen nicht vermeiden, aber durchstehen kann.

Übertreibung von Verletzlichkeit

Labilität

auch Wehleidigkeit · Opferhaltung

Gegenwort zur Resilienz und zugleich überzogene Verletzlichkeit. Grenzwertig, weil das Team die Führungskraft tragen muss, statt von ihr getragen zu werden.

Der Weg heraus: Richtung Resilienz

Übertreibung von Resilienz

Panzerung

auch Unverwundbarkeitspose · Gefühlsabwehr

Gegenwort zur Verletzlichkeit und zugleich überzogene Resilienz. Grenzwertig, weil verdrängte Belastung später umso härter zurückkommt.

Der Weg heraus: Richtung Verletzlichkeit

Die ÜbertreibungWann Labilität sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Verletzlichkeit heißt Labilität (auch: Wehleidigkeit, Opferhaltung). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Glaube & Kirche

Ein Pastor merkt nach Monaten der Überlastung, dass er nicht mehr kann, und meldet sich krank, statt bis zum Zusammenbruch durchzuhalten. Er sagt der Gemeinde offen, dass er gerade nicht belastbar ist. Was wie Schwäche aussieht, ist hier Ehrlichkeit, die Schlimmeres verhindert.

Bildung

Nach dem Unfalltod eines Schülers unterbricht eine Lehrerin den Unterricht und weint mit ihrer Klasse, statt Haltung zu bewahren. Die Jugendlichen lernen in diesem Moment, dass Trauer sein darf.

Woran man den Unterschied erkennt

Sich schwach und haltlos zu zeigen trägt in echter Überlastung oder akuter Trauer, wenn es ehrlich ist und dem Heilwerden dient. Es wird zur Opferhaltung, sobald man sich dauerhaft in der Schwäche einrichtet, andere damit unter Druck setzt oder Verantwortung abwehrt.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftChina · Neues Testament · Jüdische Auslegung

Dass Verletzlichkeit Resilienz als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Resilienz.

  1. 4. Jh. v. Chr.
    China
    Laozi

    Der Mensch ist bei der Geburt weich und schwach, im Tod hart und starr – „das Harte und Starke gehört zum Tod, das Weiche und Schwache zum Leben“, Daodejing 76

  2. 1. Jh.
    Neues Testament
    2. Korinther 12,9

    „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Paulus rühmt sich seiner Schwachheit, statt sie zu verbergen.

    Matthäus 26,38

    In Gethsemane sagt Jesus seinen Jüngern: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet mit mir!“ Selbst er bittet um Beistand.

    Johannes 11,35

    „Und Jesus gingen die Augen über.“ Am Grab des Freundes zeigt er seine Trauer offen.

  3. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    Der kranke Rabbi Jochanan, selbst ein Heiler, braucht die Hand Rabbi Chaninas: „Ein Gefangener kann sich nicht selbst aus dem Gefängnis befreien“, Berachot 5b

  4. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien · 2003–2018
2 Studien2003–2018 Zeitraum
  1. 2018
    Experiment

    Menschen überschätzen, wie negativ ihr eigenes Eingeständnis von Schwäche wirkt: In mehreren Experimenten bewerteten Beobachter das Zeigen von Verletzlichkeit – etwa ein Fehlereingeständnis oder eine Liebeserklärung – deutlich positiver als die Betroffenen selbst.

    „Beautiful-Mess-Effekt“, Bruk, Scholl & Bless, 2018
  2. 2003
    Studie

    Wer Gefühle gewohnheitsmäßig unterdrückt, erlebt weniger positive Emotionen, hat schwächere Beziehungen und geringeres Wohlbefinden als Menschen, die Situationen neu bewerten. Verletzlichkeit heißt dabei nicht, jede Belastung ungefiltert abzuladen.

    Gross & John, 2003
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Wann hast du zuletzt im Team gesagt: „Ich weiß es nicht“ oder „Das hat mich getroffen“?
  2. Was befürchtest du, wenn du Schwäche zeigst – und stimmt das wirklich?
  3. Bei wem darfst du selbst schwach sein, damit du nicht alles bei deinem Team ablädst?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Welche Werte tragen deine Führung?

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Wertewappen

Verletzlichkeit im Wappen

Farbe im Wappen: Silber

  • SymbolTönernes Gefäß

    Ein Gefäß aus Ton ist schlicht und zerbrechlich und kann doch etwas sehr Kostbares in sich tragen. Es steht für eine Führung, in der du deine Grenzen nicht versteckst und Stärke nicht vortäuschen musst.

  • oder als AlternativeMuschel mit Perle

    Eine Perle entsteht, wenn die Muschel einen eingedrungenen Fremdkörper umhüllt, und so wächst aus der Verletzung etwas Wertvolles. Damit zeigst du, dass du Wunden und Fehler offen eingestehst und daraus Reife für dich und andere werden lässt.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Verletzlichkeit

Was bedeutet Verletzlichkeit?

Unsicherheit, Schmerz und eigene Grenzen zeigen dürfen – und damit anderen erlauben, ehrlich zu sein, ohne dass die Führung zerfällt. Der Ich-Satz dazu: „Ich darf zeigen, dass mich etwas trifft.“

Zu welchem Zielwert gehört Verletzlichkeit?

Verletzlichkeit ist die Schwestertugend zu Resilienz (37). Zum Zielwert: Gemeint ist seelische Widerstandskraft in Druck, Krise und Verlust. Hilfreich, weil Führung Krisen nicht vermeiden, aber durchstehen kann.

Was ist die Übertreibung von Verletzlichkeit?

Labilität (auch: Wehleidigkeit, Opferhaltung). Gegenwort zur Resilienz und zugleich überzogene Verletzlichkeit. Grenzwertig, weil das Team die Führungskraft tragen muss, statt von ihr getragen zu werden.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Sich schwach und haltlos zu zeigen trägt in echter Überlastung oder akuter Trauer, wenn es ehrlich ist und dem Heilwerden dient. Es wird zur Opferhaltung, sobald man sich dauerhaft in der Schwäche einrichtet, andere damit unter Druck setzt oder Verantwortung abwehrt.

Was sagt die Forschung zu Verletzlichkeit?

Menschen überschätzen, wie negativ ihr eigenes Eingeständnis von Schwäche wirkt: In mehreren Experimenten bewerteten Beobachter das Zeigen von Verletzlichkeit – etwa ein Fehlereingeständnis oder eine Liebeserklärung – deutlich positiver als die Betroffenen selbst („Beautiful-Mess-Effekt“, Bruk, Scholl & Bless, 2018).

Welche Beispiele gibt es für Verletzlichkeit?

Zum Beispiel: Per Mertesacker (Fußball-Weltmeister), Margot Käßmann (EKD).

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