Aus einer Quelle sprühen goldene Punkte und fügen sich zu immer neuen Formen. Wird es eine Flut, überlagern sich die Formen und keine wird fertig – bis ein ruhiges Raster jeder ihren Platz gibt.
Kurz gesagt
Ein Klebstoff, der nicht richtig klebte, wurde zu einem der bekanntesten Büroprodukte der Welt. Die Geschichte zeigt: Kreativität verbindet Vorhandenes neu – und braucht Strukturen, die ihr Raum geben.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
1968 wollte Spencer Silver, Chemiker beim US-Konzern 3M, einen besonders starken Klebstoff entwickeln. Heraus kam das Gegenteil: ein schwach haftender, wiederablösbarer Kleber. Erst sein Kollege Art Fry fand Jahre später eine Verwendung dafür – ein Musterbeispiel dafür, wie Kreativität aus einem Fehlschlag etwas Neues macht.
Lose Zettel liegen verstreut, einer haftet golden – wie Art Fry, der aus einem gescheiterten Kleber die Post-it-Notes machte.
01
Eine Lösung ohne Problem
Situation
Fünf Jahre lang warb Silver innerhalb von 3M für seine „solution without a problem“, informell und in Seminaren. Unterstützer fand er nicht.
Bezug zum Wert
Kreative Ideen kommen nicht immer fertig zur Welt. Manchmal fehlt noch die Frage, auf die sie eine Antwort sind.
02
Das Lesezeichen im Gesangbuch
Situation
Fry hatte eines von Silvers Seminaren besucht. 1974 kam ihm die Idee, mit dem Kleber sein Lesezeichen im Gesangbuch zu fixieren, damit es nicht herausrutschte. Er nutzte dafür 3Ms Regel des „permitted bootlegging“, die Beschäftigten erlaubt, einen Teil ihrer Arbeitszeit eigenen Projekten zu widmen. Kollegen bekamen Prototypen – und begannen, sich damit Nachrichten zu schreiben. Das typische Gelb kam zufällig ins Spiel: Es war Restpapier aus dem Nachbarlabor.
Bezug zum Wert
Kreativität heißt hier, zwei Dinge zu verbinden, die vorher nichts miteinander zu tun hatten: einen „misslungenen“ Kleber und ein Alltagsärgernis.
03
Vom Flop zum Klassiker
Situation
1977 testete 3M das Produkt unter dem Namen „Press 'n Peel“ in vier Städten – mit enttäuschendem Ergebnis. 1978 verteilte das Unternehmen in Boise, Idaho, kostenlose Muster unter dem neuen Namen „Post-it Note“; mehr als 90 Prozent der Empfänger sagten, sie würden es kaufen. 1980 kamen die Zettel in den USA landesweit in den Handel, 1981 in Kanada und Europa.
Bezug zum Wert
Die Idee allein reichte nicht. Erst geduldiges Testen, Umbenennen und Vermarkten machten aus dem Einfall ein Produkt.
04
Die andere Seite
Ohne Struktur wäre Silvers Kleber vermutlich eine Kuriosität geblieben: Fünf Jahre lang lag die Erfindung ohne Anwendung herum, und auch danach verzögerten Produktionsprobleme und Zweifel des Managements an der Marktfähigkeit den Start. Kreativität braucht beides – die Freiheit zum Ausprobieren und einen Rahmen, der Ideen bis zum Markt trägt.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Ideen aufhebenWas heute als Fehlschlag gilt, kann morgen ein ganz anderes Problem lösen.
02
Freiraum verankernRegeln wie das „permitted bootlegging“ geben Kreativität einen festen Platz im Arbeitsalltag.
03
Nicht zu früh aufgebenEin schwacher erster Test sagt manchmal mehr über Name und Vermittlung als über die Idee selbst.
Lies nach, was hinter Kreativität steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Struktur.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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