Aus einer Quelle sprühen goldene Punkte und fügen sich zu immer neuen Formen. Wird es eine Flut, überlagern sich die Formen und keine wird fertig – bis ein ruhiges Raster jeder ihren Platz gibt.
Kurz gesagt
Der Koch Ferran Adrià schloss sein Restaurant elBulli jedes Jahr für Monate, um neue Gerichte zu entwickeln. Es wurde fünfmal zum besten Restaurant der Welt gekürt – und verdiente trotzdem kein Geld.
1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
elBulli lag oberhalb der Bucht Cala Montjoi bei Roses an der katalanischen Costa Brava. Ferran Adrià kam 1984 ins Team und führte die Küche ab 1987 allein. Er machte das Restaurant zu einem Labor, in dem Kreativität nicht nebenbei geschah, sondern einen festen Platz im Jahr hatte.
Ein Jahresrad, dessen halbe Fläche frei bleibt, davor ein goldenes Feld – wie Ferran Adrià, der elBulli zum Erfinden schloss.
01
Ein halbes Jahr Werkstatt
Situation
elBulli war nur etwa sechs Monate im Jahr geöffnet, von Mitte Juni bis Mitte Dezember. Die übrigen sechs Monate verbrachte Adrià damit, in der Werkstatt „elBulliTaller“ in Barcelona Rezepte zu perfektionieren.
Bezug zum Wert
Kreativität bekommt hier eine eigene Zeit und einen eigenen Ort, getrennt vom Tagesgeschäft. Wer immer nur liefert, hat keine Zeit zum Erfinden.
02
Bekanntes neu zusammensetzen
Situation
Adrià nannte seinen Stil „dekonstruierte Küche“: ein bekanntes Gericht nehmen und alle oder einen Teil seiner Zutaten verwandeln. Er wollte unerwartete Kontraste von Geschmack, Temperatur und Textur schaffen. Pro Saison fanden nur rund 8.000 Gäste Platz, doch es gingen mehr als zwei Millionen Reservierungsanfragen ein. elBulli trug drei Michelin-Sterne und wurde 2002 sowie von 2006 bis 2009 zum besten Restaurant der Welt gekürt – fünfmal, ein Rekord.
Bezug zum Wert
Kreativ ist hier nicht das völlig Neue, sondern der neue Blick auf Vertrautes.
03
Die andere Seite
Kreativität allein trug das Geschäft nicht: Das Restaurant schrieb seit 2000 Verluste, Gewinn brachten Bücher rund um elBulli und Vorträge Adriàs. Am 30. Juli 2011 schloss es und sollte als Stiftung und Kreativzentrum weiterleben; 2023 eröffnete dort das Museum elBulli1846.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Kreativzeit abtrennenPlane Zeiten ein, in denen du nicht lieferst, sondern entwickelst.
02
Vertrautes neu denkenOft entsteht Neues, wenn du Bekanntes zerlegst und anders zusammensetzt.
03
Tragfähigkeit mitdenkenAuch die beste Idee braucht eine Struktur, die sie auf Dauer finanziert.
Lies nach, was hinter Kreativität steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Struktur.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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