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Beispiel zum WertBündnisfähigkeit (S54)

Politik & Staat

Wie der Bund Deutscher Frauenvereine die Frauenbewegung bündelte – und wo er Grenzen zog

1894 schlossen sich bürgerliche Frauenvereine zum Bund Deutscher Frauenvereine zusammen; bis 1913 wuchs er auf über 2.200 Vereine mit 500.000 Mitgliedern.

Vom goldenen Kreis laufen Fäden zu zwei Partnern, das Dreieck schließt sich, und in seiner Mitte geht gemeinsam ein Licht auf. Zieht ihn eine schwere Masse an Fäden zu sich, geht er in ihr auf und das Bündnis zerfällt – bis ein eigener Rand ihn wieder herauslöst und das Bündnis neu trägt.
Kurz gesagt

1894 schlossen sich bürgerliche Frauenvereine zum Bund Deutscher Frauenvereine zusammen; bis 1913 wuchs er auf über 2.200 Vereine mit 500.000 Mitgliedern. Das zeigt, wie Bündnisfähigkeit vielen kleinen Stimmen Gewicht gibt – und dass ein Bündnis sich auch an seinen Grenzen messen lassen muss.

2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland viele Frauenvereine – für Bildung, Berufstätigkeit, Wohlfahrt und Rechte. Am 28. und 29. März 1894 gründeten sie den Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) als Dachverband. Erste Vorsitzende war Auguste Schmidt, im ersten Vorstand saß unter anderen Helene Lange; von 1910 bis 1919 führte Gertrud Bäumer den Bund.

Unter einem goldenen Dach sammeln sich viele kleine Gruppen von Punkten, einige bleiben draußen – wie der Bund Deutscher Frauenvereine.
Unter einem goldenen Dach sammeln sich viele kleine Gruppen von Punkten, einige bleiben draußen – wie der Bund Deutscher Frauenvereine.

Verschiedene unter einem Dach

Situation
Der BDF vereinte Gruppen von liberal bis national-konservativ, mit unterschiedlichen politischen, sozialen und religiösen Hintergründen, und schloss sich dem International Council of Women an. 1895 gehörten ihm 65 Vereine an, 1901 waren es 137 mit 70.000 Mitgliedern, 1913 mehr als 2.200 Vereine mit 500.000 Mitgliedern – damit zählte er vor dem Ersten Weltkrieg zu den größten Frauenorganisationen Europas.
Bezug zum Wert
Bündnisfähigkeit heißt, Unterschiede auszuhalten, um gemeinsam gehört zu werden. Ein Dachverband lässt die Vereine bestehen und gibt ihren Anliegen eine Stimme, die Politik und Öffentlichkeit schwer überhören können.

Gemeinsame Ziele, strittige Fragen

Situation
Der Bund setzte sich für Bildung, freie Berufswahl und die Zulassung zum Studium ein und versuchte, bei der Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuchs die rechtliche Stellung der Frauen zu verbessern. Schritt für Schritt erstritt die Frauenbewegung Rechte: die Immatrikulation, die die Länder zwischen 1900 und 1909 einführten, 1908 die Vereinsfreiheit, die Frauen den Eintritt in Parteien erlaubte, mit der Weimarer Republik das Wahlrecht, 1920 die Habilitation, ab 1924 das Richteramt. Über das Frauenwahlrecht war der BDF lange uneins; eine Resolution dafür setzte der radikale Flügel durch, der 1902 den Verband für Frauenstimmrecht gegründet hatte.
Bezug zum Wert
Ein breites Bündnis kann nicht jede Frage sofort entscheiden. Es braucht Ziele, die alle tragen – und Geduld bei denen, über die man streitet.

Wo das Bündnis endete

Situation
Die Vereine der proletarischen Frauenbewegung blieben wegen politischer Differenzen ausgeschlossen; die 1891 gegründete sozialdemokratische Frauenorganisation fand im BDF keinen Platz. Im Ersten Weltkrieg lehnte der Bund die Teilnahme am Internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag ab und engagierte sich stattdessen in Bäumers „Nationalem Frauendienst“. Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler löste sich der BDF 1933 selbst auf, um nicht gleichgeschaltet zu werden.
Bezug zum Wert
Jedes Bündnis hat Grenzen – die Frage ist, ob sie der Sache dienen. Die Selbstauflösung von 1933 zeigt das Gegenstück, die Unabhängigkeit: Bevor der Bund vereinnahmt werden konnte, gab er sich lieber auf.

Die andere Seite

Die Grenze des Bündnisses verlief entlang politischer Lager: Arbeiterinnenvereine blieben draußen, und mit dem Sieg des konservativen Flügels um Gertrud Bäumer vertiefte sich die Spaltung der Frauenbewegung. Nach 1933 wurden viele der erkämpften Rechte zurückgenommen, einige frühere Mitgliedsverbände schlossen sich dem Deutschen Frauenwerk an.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Breit sammelnGewinne Verbündete auch jenseits deiner eigenen Richtung, wenn das Ziel es verlangt.
  2. Ausschlüsse prüfenFrag ehrlich, wen dein Bündnis draußen lässt – und ob das der Sache dient.
  3. Grenze festlegenKläre, wo ein Bündnis endet, bevor jemand anderes es für sich vereinnahmt.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Bündnisfähigkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Unabhängigkeit.

Grundlage: WEGVISOR-Ergänzung (2026) zu den Werten aus dem Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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