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S54Schwestertugend zu Unabhängigkeit

Bündnis­fähig­keit

„Ich suche Verbündete und halte zu ihnen, um gemeinsam mehr zu bewirken.“

Verbündete suchen, gewinnen und halten: Partnerschaften, Koalitionen und Netzwerke so eingehen und pflegen, dass gemeinsam Wirkung entsteht, die keiner allein erzielen könnte – ohne sich dabei aufzugeben.

Vom goldenen Kreis laufen Fäden zu zwei Partnern, das Dreieck schließt sich, und in seiner Mitte geht gemeinsam ein Licht auf. Zieht ihn eine schwere Masse an Fäden zu sich, geht er in ihr auf und das Bündnis zerfällt – bis ein eigener Rand ihn wieder herauslöst und das Bündnis neu trägt.
Kurz gesagt

Ich suche Verbündete und halte zu ihnen, um gemeinsam mehr zu bewirken.

Was Bündnisfähigkeit bedeutetVerbündete suchen, gewinnen und halten: Partnerschaften, Koalitionen und Netzwerke so eingehen und pflegen, dass gemeinsam Wirkung entsteht, die keiner allein erzielen könnte – ohne sich dabei aufzugeben.

Umfasst auchSchulterschlussVernetzung

Die Wertematrix

Bündnisfähigkeit im Gleichgewicht

Bündnisfähigkeit braucht Unabhängigkeit als Gegengewicht. Zu viel Bündnisfähigkeit wird zu Vereinnahmung – der Weg zurück führt über Unabhängigkeit.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S54

Bündnis­fähigkeit

„Ich suche Verbündete und halte zu ihnen, um gemeinsam mehr zu bewirken.“

auch Koali­tions­fähigkeit, Netzwerkpflege

Gemeint ist, Allianzen, Partnerschaften, Koalitionen und Netzwerke einzugehen und verlässlich zu pflegen. Anders als die Kooperation meint sie nicht die alltägliche Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen, sondern das bewusste Bündnis mit Partnern, die eigene Interessen behalten; anders als der Teamgeist zielt sie nicht nach innen, sondern nach außen. Hilfreich, weil die meisten großen Anliegen nur mit anderen durchzusetzen sind.

In Balance mit: Unabhängigkeit. Zu viel davon: Vereinnahmung. Verneint durch: Isolation.

Zielwert 54

Un­abhängig­keit

„Ich bleibe frei im Urteil, auch gegenüber denen, die mich stützen.“

auch Un­gebunden­heit, Handlungs­frei­heit

Gemeint ist, sich von Geldgebern, Mächtigen, Partnern und Interessen nicht vereinnahmen zu lassen und die eigene Handlungsfreiheit zu wahren. Anders als die Eigenständigkeit geht es nicht um das eigene Denken im Team, sondern um die Freiheit einer Person oder Organisation gegenüber denen, von denen sie Geld, Macht oder Rückhalt bekommt. Anders als die Integrität fragt sie nicht nur, ob man sich kaufen lässt, sondern ob man Strukturen schafft, in denen das gar nicht erst droht. Hilfreich, weil nur glaubwürdig ist, wer nicht dem verpflichtet ist, der zahlt oder drängt.

In Balance mit: Bündnisfähigkeit. Zu viel davon: Isolation. Verneint durch: Vereinnahmung.

Zur Seite Unabhängigkeit

Übertreibung von Bündnisfähigkeit

Vereinnah­mung

„Wer zahlt, schafft an.“

auch Abhängig­keit, Käuf­lichkeit

Verneinung der Unabhängigkeit und zugleich überzogene Bündnisfähigkeit. Grenzwertig, weil man dazugehört, aber das eigene Urteil an Geldgeber oder stärkere Partner abgibt.

Übertreibung von: Bündnisfähigkeit. Verneinung von: Unabhängigkeit. Entwicklungsrichtung: Unabhängigkeit.

Übertreibung von Unabhängigkeit

Isolation

„Wir brauchen niemanden.“

auch Abkapselung, Einzelgänger­tum

Verneinung der Bündnisfähigkeit und zugleich überzogene Unabhängigkeit. Grenzwertig, weil man zwar frei bleibt, aber ohne Partner wenig bewirkt und in der Krise allein dasteht.

Übertreibung von: Unabhängigkeit. Verneinung von: Bündnisfähigkeit. Entwicklungsrichtung: Bündnisfähigkeit.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeBündnisfähigkeit · Unabhängigkeit · Vereinnahmung · Isolation

Schwestertugend

Bündnis­fähig­keit

auch Koalitionsfähigkeit · Netzwerkpflege

Gemeint ist, Allianzen, Partnerschaften, Koalitionen und Netzwerke einzugehen und verlässlich zu pflegen. Anders als die Kooperation meint sie nicht die alltägliche Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen, sondern das bewusste Bündnis mit Partnern, die eigene Interessen behalten; anders als der Teamgeist zielt sie nicht nach innen, sondern nach außen. Hilfreich, weil die meisten großen Anliegen nur mit anderen durchzusetzen sind.

Zielwert

Unabhängig­keit

auch Ungebundenheit · Handlungsfreiheit

Gemeint ist, sich von Geldgebern, Mächtigen, Partnern und Interessen nicht vereinnahmen zu lassen und die eigene Handlungsfreiheit zu wahren. Anders als die Eigenständigkeit geht es nicht um das eigene Denken im Team, sondern um die Freiheit einer Person oder Organisation gegenüber denen, von denen sie Geld, Macht oder Rückhalt bekommt. Anders als die Integrität fragt sie nicht nur, ob man sich kaufen lässt, sondern ob man Strukturen schafft, in denen das gar nicht erst droht. Hilfreich, weil nur glaubwürdig ist, wer nicht dem verpflichtet ist, der zahlt oder drängt.

Übertreibung von Bündnisfähigkeit

Verein­nahmung

auch Abhängigkeit · Käuflichkeit

Verneinung der Unabhängigkeit und zugleich überzogene Bündnisfähigkeit. Grenzwertig, weil man dazugehört, aber das eigene Urteil an Geldgeber oder stärkere Partner abgibt.

Der Weg heraus: Richtung Unabhängigkeit

Übertreibung von Unabhängigkeit

Isolation

auch Abkapselung · Einzelgängertum

Verneinung der Bündnisfähigkeit und zugleich überzogene Unabhängigkeit. Grenzwertig, weil man zwar frei bleibt, aber ohne Partner wenig bewirkt und in der Krise allein dasteht.

Der Weg heraus: Richtung Bündnisfähigkeit

Die ÜbertreibungWann Vereinnahmung sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Bündnisfähigkeit heißt Vereinnahmung (auch: Abhängigkeit, Käuflichkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Politik & Staat

Nach einem schweren Hochwasser stellen sich die Hilfsvereine eines Landkreises ganz unter die Einsatzleitung des Katastrophenschutzes: keine eigenen Pressemitteilungen, keine eigenen Einsatzpläne, keine eigenen Spendenaufrufe für diese Lage. Für die Tage der Krise ist es richtig, im großen Verbund aufzugehen – getrennte Kommandos würden Zeit und womöglich Leben kosten.

Familie

Nach einem Wohnungsbrand zieht eine junge Familie für drei Monate bei befreundeten Nachbarn ein und fügt sich ganz in deren Haus: deren Essenszeiten, deren Regeln, deren Wochenplan. Wer in der Not aufgenommen wird, tut gut daran, sich eine Weile einzuordnen, statt die eigene Unabhängigkeit zu verteidigen.

Woran man den Unterschied erkennt

Vereinnahmung trägt, wenn die Lage akut ist, der stärkere Partner das gemeinsame Ziel verlässlich verfolgt und klar ist, wann man wieder eigenständig wird. Sie schadet, sobald aus der Notlösung ein Dauerzustand wird, man nicht mehr Nein sagen kann, ohne die eigene Existenz zu gefährden, und der Partner bestimmt, was man denkt und sagt.

Der Alltag5 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Neues Testament

Dass Bündnisfähigkeit Unabhängigkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Unabhängigkeit. Äsop (ein Vater lässt seine zerstrittenen Söhne ein Bündel Stäbe zerbrechen – gebunden gelingt es keinem, einzeln brechen die Stäbe leicht; die Lehre: Einigkeit macht stark, Das Bündel Stäbe). Niccolò Machiavelli (ein Fürst wird geachtet, wenn er ein wahrer Freund oder ein offener Feind ist; unentschlossene Fürsten wählen meist die Neutralität und gehen daran zugrunde – zugleich warnt er, nie ein Bündnis mit einem Mächtigeren einzugehen, wenn nicht die Not dazu zwingt, Der Fürst, Kap. 21).

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    2. Samuel 10,11

    Joab und sein Bruder Abisai teilen ihre Truppen gegen zwei Gegner und sagen einander zu: „Werden mir die Syrer überlegen sein, so komm mir zu Hilfe; werden aber die Kinder Ammon dir überlegen sein, so will ich dir zu Hilfe kommen.“ Ein Bündnis lebt von klaren Zusagen für den Ernstfall.

    Amos 3,3

    „Mögen auch zwei miteinander wandeln, sie seien denn eins untereinander?“ Die Frage steht in einer Reihe von Bildern, mit denen der Prophet zeigt, dass nichts ohne Grund geschieht; man kann darin sehen, dass ein gemeinsamer Weg eine Übereinkunft voraussetzt.

  2. 5. Jh. v. Chr.
    China
    Konfuzius

    Der Edle ist würdevoll, aber nicht streitsüchtig, gesellig, aber kein Parteigänger, Gespräche 15,22

  3. 1. Jh.
    Neues Testament
    Philipper 4,15

    Paulus erinnert die Philipper, „dass von Anfang des Evangeliums … keine Gemeinde mit mir geteilt hat nach der Rechnung der Ausgabe und Einnahme als ihr allein“. Eine Partnerschaft, in der beide geben und nehmen, trägt über Jahre.

  4. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien · 1991–2002
2 Studien1991–2002 Zeitraum
  1. 2002
    Studie

    Bündnisfähigkeit lässt sich organisieren: Unternehmen mit einer eigenen Allianzabteilung, die Partnerschaften koordiniert und Erfahrungen bündelt, erzielten bei der Bekanntgabe neuer Allianzen im Schnitt eine Überrendite an der Börse von 1,35 Prozent, Unternehmen ohne eine solche Stelle nur 0,18 Prozent; langfristig bewerteten sie 63 statt 50 Prozent ihrer Allianzen als erfolgreich.

    Kale, Dyer & Singh, 2002
  2. 1991
    Studie

    Die Kehrseite zeigte Gary Hamel an neun internationalen Allianzen: Partner lernen unterschiedlich schnell voneinander, und dieses Ungleichgewicht verschiebt die Verhandlungsmacht – eine Partnerschaft kann einem Partner die Gelegenheit geben, sich die Fähigkeiten des anderen anzueignen. Hamel hält Stabilität und Langlebigkeit deshalb für schwache Erfolgsmaße. Wer Bündnisse eingeht, sollte nicht nur fragen, wie lange sie halten, sondern auch, was jeder Partner dabei lernt und behält.

    Hamel, 1991
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Welche Verbündeten fehlen deinem Anliegen – und warum hast du sie noch nicht gefragt?
  2. Hältst du Absprachen mit Partnern auch dann, wenn sie dir gerade nichts nützen?
  3. Und weißt du, an welchem Punkt du ein Bündnis verlassen würdest, weil es dich deine Freiheit kostet?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Wertewappen

Bündnisfähigkeit im Wappen

Farbe im Wappen: Blau

  • SymbolPfeilbündel

    In der Fabel, die Äsop zugeschrieben wird, können zerstrittene Söhne ein gebundenes Bündel nicht zerbrechen, einzelne Stäbe aber mühelos; in manchen Fassungen sind es Pfeile, und im Wappen der Republik der Vereinigten Niederlande hält der Löwe seit 1584 ein Bündel aus sieben Pfeilen. Wählst du es, steht dein Wappen für Bündnisse, die stark machen, weil jeder Pfeil ein eigener bleibt und doch alle zusammenhalten.

  • oder als AlternativeFloß aus Zedernstämmen

    Ein Floß besteht aus einzelnen Stämmen, die erst zusammengebunden schwimmen und Lasten tragen. Es steht für eine Führung, die Partner verbindet, ohne dass einer im anderen aufgeht.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

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Grundlage: WEGVISOR-Ergänzung (2026) zu den Werten aus dem Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Bündnisfähigkeit

Was bedeutet Bündnisfähigkeit?

Verbündete suchen, gewinnen und halten: Partnerschaften, Koalitionen und Netzwerke so eingehen und pflegen, dass gemeinsam Wirkung entsteht, die keiner allein erzielen könnte – ohne sich dabei aufzugeben. Der Ich-Satz dazu: „Ich suche Verbündete und halte zu ihnen, um gemeinsam mehr zu bewirken.“

Zu welchem Zielwert gehört Bündnisfähigkeit?

Bündnisfähigkeit ist die Schwestertugend zu Unabhängigkeit (54). Zum Zielwert: Gemeint ist, sich von Geldgebern, Mächtigen, Partnern und Interessen nicht vereinnahmen zu lassen und die eigene Handlungsfreiheit zu wahren. Anders als die Eigenständigkeit geht es nicht um das eigene Denken im Team, sondern um die Freiheit einer Person oder Organisation gegenüber denen, von denen sie Geld, Macht oder Rückhalt bekommt. Anders als die Integrität fragt sie nicht nur, ob man sich kaufen lässt, sondern ob man Strukturen schafft, in denen das gar nicht erst droht. Hilfreich, weil nur glaubwürdig ist, wer nicht dem verpflichtet ist, der zahlt oder drängt.

Was ist die Übertreibung von Bündnisfähigkeit?

Vereinnahmung (auch: Abhängigkeit, Käuflichkeit). Verneinung der Unabhängigkeit und zugleich überzogene Bündnisfähigkeit. Grenzwertig, weil man dazugehört, aber das eigene Urteil an Geldgeber oder stärkere Partner abgibt.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Vereinnahmung trägt, wenn die Lage akut ist, der stärkere Partner das gemeinsame Ziel verlässlich verfolgt und klar ist, wann man wieder eigenständig wird. Sie schadet, sobald aus der Notlösung ein Dauerzustand wird, man nicht mehr Nein sagen kann, ohne die eigene Existenz zu gefährden, und der Partner bestimmt, was man denkt und sagt.

Was sagt die Forschung zu Bündnisfähigkeit?

Bündnisfähigkeit lässt sich organisieren: Unternehmen mit einer eigenen Allianzabteilung, die Partnerschaften koordiniert und Erfahrungen bündelt, erzielten bei der Bekanntgabe neuer Allianzen im Schnitt eine Überrendite an der Börse von 1,35 Prozent, Unternehmen ohne eine solche Stelle nur 0,18 Prozent; langfristig bewerteten sie 63 statt 50 Prozent ihrer Allianzen als erfolgreich (Kale, Dyer & Singh, 2002).

Welche Beispiele gibt es für Bündnisfähigkeit?

Zum Beispiel: Mary Pickford (United Artists), Bund Deutscher Frauenvereine (Auguste Schmidt, Gertrud Bäumer).

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Du kommst von: Bündnisfähigkeit (S54).