Wie DONG Energy sich zum Windkraftkonzern Ørsted umbaute
Ein dänischer Energiekonzern, der fast ausschließlich auf fossile Energie setzte, nahm sich 2009 vor, sein Geschäft bis 2040 umzudrehen – und schaffte es zwei Jahrzehnte früher.
Ein goldener Lichtkegel reicht weit nach vorn, entdeckt früh ein Hindernis, und der Weg biegt sich rechtzeitig darum. Eilt der Punkt seinem Blick in die Zukunft hinterher, zerfällt hinter ihm, was ihn hier braucht – bis er zurückkehrt und ganz da ist.
Kurz gesagt
Ein dänischer Energiekonzern, der fast ausschließlich auf fossile Energie setzte, nahm sich 2009 vor, sein Geschäft bis 2040 umzudrehen – und schaffte es zwei Jahrzehnte früher. Das Beispiel zeigt Weitsicht als langen Kurs, der auch Rückschläge aushalten muss.
2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
DONG Energy wurde 1972 gegründet, um Öl- und Gasvorkommen in der dänischen Nordsee zu erschließen. Um 2008/09 stammten rund 85 Prozent der Strom- und Wärmeerzeugung aus Kohle. Das Management setzte sich 2009 ein Ziel, das damals kühn klang: bis 2040 sollten 85 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen. 2012 übernahm Henrik Poulsen als CEO.
Ein dunkler Schornstein verblasst, daneben dreht sich ein Windrad mit goldener Nabe – wie DONG Energy, das zu Ørsted wurde.
01
Die Zeichen erkennen
Situation
Ein geplantes Kohlekraftwerk mit 1.600 Megawatt im deutschen Lubmin scheiterte nach mehr als sechs Jahren Planung am Widerstand vor Ort. Martin Neubert, der spätere Chef des Offshore-Windgeschäfts, nannte das rückblickend das erste klare Zeichen, dass sich die Welt in eine andere Richtung bewegte. 2012 geriet das Unternehmen durch fallende Gaspreise in finanzielle Schwierigkeiten – kurz nachdem Poulsen angetreten war.
Bezug zum Wert
Weitsicht heißt hier, aus Rückschlägen der Gegenwart den Trend der Zukunft zu lesen – auch gegen breite Skepsis im eigenen Haus.
02
Konsequent umbauen
Situation
Das Unternehmen investierte in Offshore-Windparks und entwickelte ein Modell, Anteile an Projekten schon vor der Fertigstellung an Partner zu verkaufen. 2017 verkaufte es sein Öl- und Gasgeschäft für 1,05 Milliarden US-Dollar an Ineos. Weil der Name DONG ohne Öl und Gas nicht mehr passte, benannte es sich im selben Jahr nach dem dänischen Physiker Hans Christian Ørsted um.
Bezug zum Wert
Weitsicht zeigt sich nicht in der Ankündigung, sondern darin, für das ferne Ziel heute Geschäft aufzugeben.
03
Früher am Ziel
Situation
2019 war Ørsted der weltweit größte Erzeuger von Offshore-Windstrom; 86 Prozent der Erzeugung stammten aus erneuerbaren Quellen – 21 Jahre früher als geplant.
Bezug zum Wert
Ein langfristiges Ziel gab die Richtung vor, an der sich viele Einzelentscheidungen ausrichten konnten.
04
Die andere Seite
Weitsicht schützt nicht vor Fehleinschätzungen: Im Oktober 2023 stoppte Ørsted das Projekt Ocean Wind vor New Jersey, das Geschäftsjahr endete mit einem Verlust von 20,2 Milliarden Kronen. Im August 2025 erhielt auch das US-Projekt Revolution Wind einen behördlichen Baustopp.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Signale ernst nehmenEin gescheitertes Projekt kann dir zeigen, wohin sich dein Umfeld bewegt.
02
LoslassenFür ein weites Ziel musst du oft heute etwas aufgeben, das noch Geld bringt.
03
Realistisch bleibenAuch eine richtige Richtung bewahrt dich nicht vor Fehlern unterwegs.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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Wert und Schwester – aus den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft.