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Beispiel zum WertFreiraum (S57)

Bildung

Wie Janusz Korczak Waisenkindern ein Parlament, eine Zeitung und ein Gericht gab

In seinem Warschauer Waisenhaus ließ Janusz Korczak die Kinder in Parlament, Zeitung und Gericht mitbestimmen – sogar über die Erwachsenen.

Eine enge Hülle öffnet sich, und die Kleinen laufen golden hinaus, probieren, stolpern, stehen auf und wachsen. Zerstreuen sie sich immer weiter, fällt Hagel ungeschützt auf sie und einige gehen zu Boden – bis sich ein Bogen über sie spannt, an dem er abprallt, und sie darunter weiter frei laufen.
Kurz gesagt

In seinem Warschauer Waisenhaus ließ Janusz Korczak die Kinder in Parlament, Zeitung und Gericht mitbestimmen – sogar über die Erwachsenen. Das zeigt Freiraum als Haltung der Achtung: Kinder dürfen ausprobieren und Fehler machen, mit Rechten und Pflichten.

2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Janusz Korczak leitete von 1912 bis 1942 ein Waisenhaus für jüdische Kinder in Warschau, gemeinsam mit der Erzieherin Stefania Wilczyńska, die oft die Leitung übernahm, wenn er unterwegs war. Die Gesellschaft „Hilfe für Waisen“ hatte das Haus 1912 in der Krochmalna-Straße 92 eingerichtet. 2009 widmete ihm der Europarat einen Band über das Recht des Kindes auf Achtung; der damalige Menschenrechtskommissar Thomas Hammarberg schreibt darin, Korczak habe wohl Einfluss auf die UN-Kinderrechtskonvention gehabt.

Ein Haus mit drei Räumen – Halbrund, Blatt und Waage –, darin lauter kleine Punkte, einer golden – wie Janusz Korczaks Kinderrepublik.
Ein Haus mit drei Räumen – Halbrund, Blatt und Waage –, darin lauter kleine Punkte, einer golden – wie Janusz Korczaks Kinderrepublik.

Eine Republik der Kinder

Situation
In Korczaks „Kinderrepublik“ gab es ein Parlament und eine Zeitung; die Kinder redeten bei Entscheidungen mit und mussten helfen, sie durchzusetzen, und jedes Kind hatte eine Aufgabe. 1926 gründete Korczak außerdem die Wochenzeitung „Mały Przegląd“ (Kleine Rundschau) für Kinder und Jugendliche, die er bis 1930 leitete.
Bezug zum Wert
Freiraum heißt hier nicht, Kinder sich selbst zu überlassen, sondern ihnen echte Mitsprache zu geben – mit Pflichten, die dazugehören.

Ein Gericht, das auch Erwachsene verklagen konnte

Situation
Beschwerden verhandelte ein Gericht aus Gleichaltrigen. Die ersten 99 Paragrafen seines Gesetzbuchs betonten das Verzeihen. Auch die Erzieherinnen und Erzieher konnten angeklagt werden; Korczak schreibt, er selbst sei in einem halben Jahr fünfmal verklagt worden.
Bezug zum Wert
Wer Freiraum gibt, muss aushalten, selbst zur Rede gestellt zu werden. Korczak band die Erwachsenen an dieselben Regeln wie die Kinder.

Das Recht auf das eigene Risiko

Situation
Korczak wandte sich gegen zu viel Behütung: Kinder sollten aus Erfahrung lernen dürfen, Dinge ausprobieren und sogar riskieren, sich zu verletzen, fasst Hammarberg zusammen. In seinem Buch „Wie man ein Kind lieben soll“ steht an erster Stelle der Grundrechte des Kindes: „Das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod.“ Es folgen das Recht auf den heutigen Tag und das Recht, so zu sein, wie es ist.
Bezug zum Wert
Das schroffe Wort ist eine Absage an die Überbehütung: Wer jedes Risiko ausschließen will, nimmt Kindern auch das Leben, das sie lernen sollen. Zugleich war Korczaks Erziehung nach Hammarberg kein Laisser-faire – er forderte Rechte mit Verantwortung.

Die andere Seite

Korczak war nicht sentimental, auch nicht gegenüber Kindern, und er hatte kein fertiges System; manche Methoden gab er selbst wieder auf, wenn sie in der Kindergruppe nicht mehr funktionierten. Er schrieb auch von Zweifeln: Manchmal habe ausgerechnet das vertrauenswürdigste Kind ihn enttäuscht. Und gegen die Vernichtung gab es keinen Schutz: Ende 1940 musste das Waisenhaus ins Ghetto umziehen, am 5. August 1942 gingen Korczak, Stefania Wilczyńska, weitere Erzieherinnen und Erzieher und rund 200 Kinder zum Umschlagplatz; sie wurden in Treblinka ermordet. Angebote, sich selbst zu retten, hatte Korczak ausgeschlagen.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Mitsprache ernst meinenGib Menschen Entscheidungen, die wirklich zählen – keine Scheinbeteiligung.
  2. Regeln für alleWenn du Freiraum gibst, lass dich an denselben Maßstäben messen wie dein Team.
  3. Risiko zulassenFrag dich, welches verkraftbare Risiko du jemandem zutraust, damit er daran wachsen kann.
Zurück zur Grundlage

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Grundlage: WEGVISOR-Ergänzung (2026) zu den Werten aus dem Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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