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Beispiel zum WertGönnen (S52)

Kunst, Kultur & Sport

Wie Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi sich das Olympiagold teilten

Im olympischen Hochsprungfinale 2021 verzichteten Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi auf ein Stechen und teilten sich die Goldmedaille.

Oben angekommen tritt ein goldener Punkt beiseite, lässt einen anderen nach vorn, und das Licht geht auf ihn über. Tritt er immer weiter zurück, verharren alle unten und das Licht erlischt – bis ein neuer Antrieb ihn wieder hinaufträgt und beide gemeinsam im Licht stehen.
Kurz gesagt

Im olympischen Hochsprungfinale 2021 verzichteten Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi auf ein Stechen und teilten sich die Goldmedaille. Ihr Beispiel zeigt Gönnen unter Rivalen – und dass auch Gönnen seine Kritiker hat.

2 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Der Katarer Mutaz Essa Barshim und der Italiener Gianmarco Tamberi lernten sich 2010 bei der Junioren-Weltmeisterschaft im kanadischen Moncton kennen, wo Barshim den Titel gewann und Tamberi sich nicht qualifizierte. Seitdem sind sie Freunde und Konkurrenten zugleich. Am 1. August 2021 standen sie gemeinsam im olympischen Finale von Tokio.

Über einer Hochsprunglatte teilen sich zwei Punkte eine einzige goldene Medaille – wie Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi in Tokio.
Über einer Hochsprunglatte teilen sich zwei Punkte eine einzige goldene Medaille – wie Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi in Tokio.

Zwei Wege durch die Verletzung

Situation
Tamberi brach sich wenige Tage vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio den Knöchel und konnte nicht starten. „I was told in 2016 just before Rio there was a risk I wouldn’t be able to compete anymore“, sagte er später. Barshim erlitt 2018 selbst eine schwere Knöchelverletzung. Die beiden unterstützten sich in dieser Zeit gegenseitig; Tamberi war 2018 Gast auf Barshims Hochzeit in Schweden.
Bezug zum Wert
Gönnen wächst dort, wo man den Weg des anderen kennt. Wer weiß, was der Rivale durchgemacht hat, kann sich leichter mit ihm freuen.

„Can we have two golds?“

Situation
Beide übersprangen 2,37 Meter im ersten Versuch und scheiterten je dreimal an 2,39 Metern, der Höhe des olympischen Rekords. Ein Kampfrichter bot ein Stechen an. Barshim fragte: „Can we have two golds?“ Die Antwort: „It’s possible, yes.“ Die beiden klatschten ab und umarmten sich; eine Silbermedaille wurde nicht vergeben, Bronze ging an Maksim Nedasekau aus Belarus. „I look at him, he looks at me, and we know it“, sagte Barshim. „This is a dream come true. It is the true spirit, the sportsman spirit, and we are here delivering this message.“
Bezug zum Wert
Gönnen heißt hier: den größten Moment der eigenen Laufbahn nicht für sich allein beanspruchen. Barshim hätte im Stechen gewinnen können – er wollte lieber, dass beide gewinnen.

Die andere Seite

Nicht alle waren begeistert. Der Journalist Darren Walton nannte das geteilte Gold eine Farce, der Fernsehmoderator Piers Morgan spottete: „It’s an Olympic final, not a tea party.“ Ein Kommentator erklärte, die Regeln erlaubten es den Athleten seit einigen Jahren, auf ein Stechen zu verzichten. Die beiden selbst zogen eine Grenze: Im Mai 2022 sagte Tamberi, ein zweites Mal werde es nicht geschehen – beim nächsten Gleichstand würden sie ins Stechen gehen. Gönnen ist keine Absage an den Wettkampf.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Den Weg des anderen sehenMach dir bewusst, was hinter dem Erfolg eines Kollegen steckt – das macht Mitfreude leichter.
  2. Teilen, wo es passtFrag dich bei einem gemeinsamen Erfolg, ob er wirklich einen alleinigen Sieger braucht.
  3. Wettbewerb ernst nehmenGönnen heißt nicht, nie mehr gewinnen zu wollen – sondern fair zu bleiben, wenn es darauf ankommt.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Gönnen steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Ehrgeiz.

Grundlage: WEGVISOR-Ergänzung (2026) zu den Werten aus dem Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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