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Beispiel zum WertKlarheit (S12)

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Wie Walter Cronkite 1968 Bericht und Meinung klar trennte

Nach einer Vietnamreise äußert ein einflussreicher US-Moderator eine unbequeme Einschätzung – und kennzeichnet sie als Meinung.

Von einem Punkt geht ein klarer goldener Strahl zum anderen, der sich daran ausrichtet. Wird daraus ein breiter Dauerstrom, prallen die Antworten ab – bis der Strahl innehält und eine offene Schale die Antworten auffängt.
Kurz gesagt

Nach einer Reise nach Vietnam spricht einer der einflussreichsten Nachrichtenmoderatoren der USA eine unbequeme Einschätzung aus – und sagt ausdrücklich, dass sie persönlich ist. Klarheit zeigt sich hier zweifach: in der Aussage und in ihrer Kennzeichnung.

2 Min. Lesezeit4 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Walter Cronkite wurde in den 1960er und 1970er Jahren oft „the most trusted man in America“ genannt, nachdem eine Umfrage ihn so bezeichnet hatte. Mitte Februar 1968 reiste er mit seinem Produzenten Ernest Leiser nach Vietnam, um über die Folgen der Tet-Offensive zu berichten. Seine Sondersendung vom 27. Februar zeigt, wie man eine klare Position bezieht, ohne Bericht und Meinung zu vermischen.

Eine klare Linie trennt ein Feld geordneter Punkte von einem einzelnen goldenen – wie Walter Cronkite, der Bericht und Meinung trennte.
Eine klare Linie trennt ein Feld geordneter Punkte von einem einzelnen goldenen – wie Walter Cronkite, der Bericht und Meinung trennte.

Erst zuhören

Situation
In Vietnam aß Cronkite mit General Creighton Abrams zu Abend, den er aus dem Zweiten Weltkrieg kannte. Laut Leiser sagte Abrams, man könne diesen Krieg nicht gewinnen und solle einen würdigen Ausweg suchen.
Bezug zum Wert
Klarheit setzt voraus, vorher zuzuhören – auch Stimmen, die der offiziellen Linie widersprechen.

Eine gekennzeichnete Meinung

Situation
Am Ende der CBS-Sondersendung „Report from Vietnam: Who, What, When, Where, Why?“ kündigte Cronkite eine Analyse an, die „speculative, personal, subjective“ sein müsse. Dann sagte er: „To say that we are mired in stalemate seems the only realistic, if unsatisfactory conclusion.“ Den Ausweg sah er in Verhandlungen – „not as victors, but as an honorable people who lived up to their pledge to defend democracy, and did the best they could.“
Bezug zum Wert
Klar ist, wer eine Position deutlich ausspricht und zugleich offenlegt, was Bericht und was Einschätzung ist.

Die Wirkung

Situation
Präsident Lyndon B. Johnson soll gesagt haben: „If I've lost Cronkite, I've lost Middle America.“ Wenige Wochen später gab Johnson bekannt, nicht erneut zu kandidieren.
Bezug zum Wert
Klare Worte einer glaubwürdigen Stimme haben Gewicht – gerade weil sie selten und sauber gekennzeichnet sind.

Die andere Seite

Klarheit lädt zu Legenden ein: Der berühmte Johnson-Satz ist umstritten. Johnson war an jenem Abend auf einer Geburtstagsfeier in Austin, und ein Berater, der ihn bezeugt haben soll, konnte sich später nicht daran erinnern. Cronkite selbst war zunächst unsicher, welche Wirkung sein Kommentar hatte.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Fakten und Meinung trennenSag ausdrücklich, wann du eine persönliche Einschätzung gibst.
  2. Erst hören, dann urteilenVerschaff dir eigene Eindrücke, bevor du dich festlegst.
  3. Unbequemes aussprechenBenenne auch eine unbequeme Schlussfolgerung – mit Begründung.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Klarheit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Zuhören.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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