Zuhören im Gleichgewicht
Zuhören braucht Klarheit als Gegengewicht. Zu viel Zuhören wird zu Unklarheit – der Weg zurück führt über Klarheit.
Begriffe erklärt
Zielwert 12
Zuhören
„Ich höre zu, um zu verstehen, nicht um zu antworten.“
auch Hinhören, Offenes Ohr
Gemeint ist aufmerksames, urteilsfreies Hören, auch bei Kritik und schlechten Nachrichten. Hilfreich, weil Führungskräfte nur so erfahren, was wirklich los ist.
In Balance mit: Klarheit. Zu viel davon: Unklarheit. Verneint durch: Unaufmerksamkeit.
Schwestertugend S12
Klarheit
„Ich bringe meine Sicht deutlich ein und sage, was gilt.“
auch Deutlichkeit, Eindeutigkeit
Gemeint ist eine erkennbare Haltung und eindeutige Kommunikation. Hilfreich, weil Zuhören in Klarheit münden muss; das Team will wissen, was die Führungskraft aus dem Gehörten macht.
In Balance mit: Zuhören. Zu viel davon: Unaufmerksamkeit. Verneint durch: Unklarheit.
Zur Seite KlarheitÜbertreibung von Zuhören
Unklarheit
„Ich höre endlos zu und lege mich nie fest.“
auch Meinungslosigkeit, Unverbindlichkeit
Verneinung der Klarheit und zugleich überzogenes Zuhören. Grenzwertig, weil Verständnis ohne Konsequenz frustriert: gehört, aber nicht ernst genommen.
Übertreibung von: Zuhören. Verneinung von: Klarheit. Entwicklungsrichtung: Klarheit.
Übertreibung von Klarheit
Unaufmerksamkeit
„Ich rede, unterbreche und weiß es schon vorher.“
auch Rechthaberei, Dauerreden
Verneinung des Zuhörens und zugleich überzogene Klarheit. Grenzwertig, weil Mitarbeitende verstummen und wichtige Informationen verloren gehen.
Übertreibung von: Klarheit. Verneinung von: Zuhören. Entwicklungsrichtung: Zuhören.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeZuhören · Klarheit · Unklarheit · Unaufmerksamkeit
Zielwert
Zuhören
auch Hinhören · Offenes Ohr
Gemeint ist aufmerksames, urteilsfreies Hören, auch bei Kritik und schlechten Nachrichten. Hilfreich, weil Führungskräfte nur so erfahren, was wirklich los ist.
Schwestertugend
Klarheit
auch Deutlichkeit · Eindeutigkeit
Gemeint ist eine erkennbare Haltung und eindeutige Kommunikation. Hilfreich, weil Zuhören in Klarheit münden muss; das Team will wissen, was die Führungskraft aus dem Gehörten macht.
Übertreibung des Zuhörens
Unklarheit
auch Meinungslosigkeit · Unverbindlichkeit
Verneinung der Klarheit und zugleich überzogenes Zuhören. Grenzwertig, weil Verständnis ohne Konsequenz frustriert: gehört, aber nicht ernst genommen.
Der Weg heraus: Richtung Klarheit
Übertreibung von Klarheit
Unaufmerksamkeit
auch Rechthaberei · Dauerreden
Verneinung des Zuhörens und zugleich überzogene Klarheit. Grenzwertig, weil Mitarbeitende verstummen und wichtige Informationen verloren gehen.
Der Weg heraus: Richtung Zuhören
Die ÜbertreibungWann Unklarheit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung des Zuhörens heißt Unklarheit (auch: Meinungslosigkeit, Unverbindlichkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Der Vorsitzende eines Sportvereins leitet die Mitgliederversammlung zu einer umstrittenen Fusion und hält sich mit seiner eigenen Meinung vollständig zurück. Als Versammlungsleiter soll er das Verfahren schützen, nicht das Ergebnis lenken.
Eine Mutter hört ihrem erwachsenen Sohn zu, der zwischen zwei Berufswegen schwankt, und sagt auf seine Frage nach ihrer Meinung nur: „Ich traue dir beides zu.“ Ihre eigene Vorliebe behält sie für sich, weil er die Entscheidung selbst tragen muss und jedes Wort von ihr zu viel Gewicht hätte.
Sich mit der eigenen Meinung zurückzuhalten trägt, wenn andere eine Entscheidung selbst verantworten müssen oder man ein Verfahren neutral leiten soll – und wenn man das offen sagt. Es wird zu Unklarheit und Unverbindlichkeit, sobald man selbst die Entscheidung schuldet oder andere auf klare Orientierung angewiesen sind.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Psychologie
Dass Zuhören Klarheit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
Ein festes Begriffspaar aus der klassischen Tugendlehre gibt es dafür nicht – wohl aber viele Spuren in den Quellen.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes Testament5. Mose 6,4
„Höre, Israel“ – und 1. Könige 3,9 (Salomos Bitte um ein „gehorsames Herz“, hebräisch wörtlich ein hörendes Herz)
Sprüche 18,13„Wer antwortet ehe er hört, dem ist’s Narrheit und Schande.“
1. Samuel 3,10„Rede, denn dein Knecht hört“ – Hören als Grundhaltung vor Gott.
- 1. Jh.Neues TestamentJakobus 1,19
„Ein jeglicher Mensch sei schnell, zu hören, langsam aber, zu reden, und langsam zum Zorn.“
- um 200
- 1981PsychologieSchulz von Thun, Miteinander reden
Kommunikationspsychologie
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung2 Studien, davon 1 Metaanalyse · 2018–2024 · mit Grenzen der Forschung
- 2018
Fünf Studien – teils experimentell, um umgekehrte Kausalität auszuschließen – zeigten, dass Mitarbeitende kreativer werden, wenn Vorgesetzte ihnen zuhören, vermittelt über psychologische Sicherheit (gemittelt r = .39).
Castro et al., 2018
Die Grenze benennen die Autoren selbst: Rund drei Viertel der Effekte stammen aus Studien mit nur einer Datenquelle und Methode; ohne sie schrumpft der Zusammenhang mit Leistung, bleibt aber bestehen (r = .21).
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wie viel Prozent Redezeit hast du in deinem letzten Teammeeting gehabt?
- Wen unterbrichst du häufig?
- Was hast du zuletzt konkret verändert, weil du zugehört hast?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Zuhören in der Praxis aus
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenZuhören im Wappen
Farbe im Wappen: Silber
- SymbolOhr
Das Ohr steht für Aufmerksamkeit und für die alte Weisheit, dass der Mensch zwei Ohren, aber nur einen Mund hat – um mehr zu hören als zu reden. Es steht für dich, wenn du erst verstehst und dann sprichst.
- oder als AlternativeHase mit aufgestellten Ohren
Mit aufgestellten Ohren gilt der Hase als friedliches, aufmerksames Wesen, dem kaum ein Geräusch entgeht. Wählst du ihn, betonst du ein waches, unaufgeregtes Zuhören, das auch leise Zwischentöne und unausgesprochene Sorgen wahrnimmt.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung