Demut im Gleichgewicht
Demut braucht Selbstbewusstsein als Gegengewicht. Zu viel Demut wird zu Selbstunsicherheit – der Weg zurück führt über Selbstbewusstsein.
Begriffe erklärt
Zielwert 4
Demut
„Ich sehe mich realistisch und würdige die Stärken anderer.“
auch Uneitelkeit, Selbstrelativierung
Gemeint ist ein ehrliches Selbstbild samt eigener Grenzen. Hilfreich, weil demütige Führungskräfte Fehler zugeben, um Hilfe bitten und andere glänzen lassen.
In Balance mit: Selbstbewusstsein. Zu viel davon: Selbstunsicherheit. Verneint durch: Hochmut.
Schwestertugend S4
Selbstbewusstsein
„Ich kenne meinen Wert und trete sicher auf.“
auch Selbstsicherheit, Souveränität
Gemeint ist das Wissen um die eigenen Gaben und die Bereitschaft, sie einzusetzen. Hilfreich, weil Führung Orientierung braucht und wer seinen Wert kennt, sich nicht ständig beweisen muss.
In Balance mit: Demut. Zu viel davon: Hochmut. Verneint durch: Selbstunsicherheit.
Zur Seite SelbstbewusstseinÜbertreibung von Demut
Selbstunsicherheit
„Ich mache mich klein und verstecke meine Gaben.“
auch Selbstabwertung, falsche Bescheidenheit, Kleinmut
Verneinung des Selbstbewusstseins und zugleich überzogene Demut. Grenzwertig, weil Gaben vergraben und Entscheidungen verzögert werden.
Übertreibung von: Demut. Verneinung von: Selbstbewusstsein. Entwicklungsrichtung: Selbstbewusstsein.
Übertreibung von Selbstbewusstsein
Hochmut
„Ich bin das Maß aller Dinge.“
auch Arroganz, Überheblichkeit
Das klassische, auch biblische Gegenwort zur Demut und zugleich überzogenes Selbstbewusstsein. Grenzwertig, weil er Widerspruch erstickt und Fehler nicht mehr gemeldet werden.
Übertreibung von: Selbstbewusstsein. Verneinung von: Demut. Entwicklungsrichtung: Demut.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeDemut · Selbstbewusstsein · Selbstunsicherheit · Hochmut
Zielwert
Demut
auch Uneitelkeit · Selbstrelativierung
Gemeint ist ein ehrliches Selbstbild samt eigener Grenzen. Hilfreich, weil demütige Führungskräfte Fehler zugeben, um Hilfe bitten und andere glänzen lassen.
Schwestertugend
Selbstbewusstsein
auch Selbstsicherheit · Souveränität
Gemeint ist das Wissen um die eigenen Gaben und die Bereitschaft, sie einzusetzen. Hilfreich, weil Führung Orientierung braucht und wer seinen Wert kennt, sich nicht ständig beweisen muss.
Übertreibung von Demut
Selbstunsicherheit
auch Selbstabwertung · falsche Bescheidenheit · Kleinmut
Verneinung des Selbstbewusstseins und zugleich überzogene Demut. Grenzwertig, weil Gaben vergraben und Entscheidungen verzögert werden.
Der Weg heraus: Richtung Selbstbewusstsein
Übertreibung von Selbstbewusstsein
Hochmut
auch Arroganz · Überheblichkeit
Das klassische, auch biblische Gegenwort zur Demut und zugleich überzogenes Selbstbewusstsein. Grenzwertig, weil er Widerspruch erstickt und Fehler nicht mehr gemeldet werden.
Der Weg heraus: Richtung Demut
Die ÜbertreibungWann Selbstunsicherheit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Demut heißt Selbstunsicherheit (auch: Selbstabwertung, falsche Bescheidenheit, Kleinmut). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Eine Doktorandin erhält ein Messergebnis, das einer gut belegten Lehrmeinung widerspricht. Statt es zu feiern, misstraut sie zuerst sich selbst, wiederholt die Versuche und bittet Kollegen, ihre Methode zu zerpflücken. Bei überraschenden Befunden ist Selbstzweifel gute wissenschaftliche Praxis.
Ein Hobbysegler, der zum ersten Mal ein Boot chartert, traut sich das Ablegen im vollen Hafen nicht allein zu und bittet den Hafenmeister um Hilfe, obwohl ihm das peinlich ist. Wer in neuem Gelände die eigenen Grenzen eher zu eng als zu weit zieht, bringt niemanden in Gefahr.
Selbstzweifel trägt bei neuen, ungewohnten Aufgaben und dort, wo eine Fehleinschätzung andere gefährdet oder viel kostet; dann führt er zu sorgfältiger Prüfung und zum Hilfeholen. Er schadet, wenn er auch bei erwiesener Kompetenz bleibt, Entscheidungen lähmt oder anderen die Verantwortung zuschiebt, die man selbst tragen müsste.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Philosophie · Neues Testament · Christliche Tradition · Jüdische Auslegung
Dass Demut Selbstbewusstsein als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentMicha 6,8
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“
- 4. Jh. v. Chr.PhilosophieAristoteles
Hochsinnigkeit zwischen Kleinmut und Aufgeblasenheit, Nikomachische Ethik IV
- 1. Jh.Neues TestamentRömer 12,3
Paulus mahnt, „dass niemand weiter von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er von sich mäßig halte“ – Demut als realistische Selbsteinschätzung.
Philipper 2,3–7Paulus mahnt: „durch Demut achte einer den andern höher denn sich selbst“; Christus „entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an“.
- um 400Christliche TraditionPrudentius
Demut gegen Hochmut, Psychomachia
- 3.–6. Jh.Jüdische AuslegungTalmud
Ein Gelehrter braucht „ein Achtel eines Achtels“ Stolz, Sota 5a.
- 12. Jh.Jüdische AuslegungMaimonides
Demut zwischen Hochmut und Selbsterniedrigung, Acht Kapitel 4; bei Hochmut nicht die Mitte, sondern bewusst zur Demut hin, Hilchot De'ot 2,3
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Demut gegen Hochmut, II-II q. 161–162; Großmut gegen Kleinmut, q. 129–133 – beide Tugenden ergänzen sich
- 1820Jüdische AuslegungSimcha Bunim
Simcha Bunim von Przysucha (er rät, zwei Zettel bei sich zu tragen: auf dem einen „Für mich wurde die Welt erschaffen“, Mischna Sanhedrin 4,5, auf dem anderen „Erde und Asche“, 1. Mose 18,27 – und je nach Lage den richtigen hervorzuholen)
- 2001ForschungJim Collins, Good to Great
Level-5-Führung: persönliche Bescheidenheit, verbunden mit unbedingtem Willen zum Erfolg der Sache.
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
- 2017ForschungVIA-Charakterstärken
Zu wenig davon zeigt sich als Grundloser Selbstwert, zu viel als Selbstabwertung (Freidlin et al., 2017).
Die Forschung2 Studien, davon 1 Metaanalyse · 2013–2022 · mit Grenzen der Forschung
- 2013
Owens, Johnson & Mitchell definieren „expressed humility“ als realistisches Selbstbild, Wertschätzung der Stärken anderer und Belehrbarkeit; in einer Feldstichprobe hing demütige Führung über Arbeitszufriedenheit und eine lernorientierte Teamkultur mit mehr Engagement und geringerer Fluktuation zusammen.
Owens, Johnson & Mitchell, 2013
Wirkt demütiges Verhalten wie Imagepflege, halten Mitarbeitende die Führungskraft eher für heuchlerisch; ob das ihr Verhalten tatsächlich verschlechtert, ließ sich in der Studie nicht eindeutig zeigen (Bharanitharan et al., 2021).
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wann hast du zuletzt einen Fehler vor deinem Team zugegeben?
- Wessen Stärken übersiehst du?
- Wo versteckst du dich hinter falscher Bescheidenheit?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Demut in der Praxis aus
Darwin E. Smith (Kimberly-Clark)
Ein unscheinbarer Hausjurist wurde Chef eines Papierkonzerns, verkaufte gegen alle Kritik die traditionsreichen Papierfabriken und machte das Unternehmen zu einem der erfolgreichsten Konsumgüterhersteller.
Papst Franziskus
Nach seiner Wahl verzichtete Franziskus auf die Papstgemächer, den Dienstwagen mit Chauffeur und die roten Schuhe.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenDemut im Wappen
Farbe im Wappen: Silber
- SymbolLamm
Das Lamm gilt seit jeher als Sinnbild für Sanftmut und Geduld – ein Tier, das niemandem mit Gewalt begegnet. Wählst du es, betonst du eine Demut, die nicht mit Härte führt, sondern dient.
- oder als AlternativeGeneigte Ähre
Eine alte Volksweisheit sagt, dass sich die volle Ähre neigt, während die leere aufrecht steht. So zeigt dein Wappen: Je mehr du kannst und weißt, desto weniger musst du es anderen beweisen.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung