Folgebereitschaft im Gleichgewicht
Folgebereitschaft braucht konstruktiven Widerspruch als Gegengewicht. Zu viel Folgebereitschaft wird zu Widerspruchslosigkeit – der Weg zurück führt über konstruktiven Widerspruch.
Begriffe erklärt
Zielwert 46
Folgebereitschaft
„Ich kann mich auch unterordnen und Entscheidungen mittragen.“
auch Gefolgschaft, Mittragen
Gemeint ist loyales Mitgehen mit Entscheidungen, auch wenn man selbst anders entschieden hätte. Hilfreich, weil jede Führungskraft selbst geführt wird und Organisationen ohne Gefolgschaft zerfallen.
In Balance mit: Konstruktiver Widerspruch. Zu viel davon: Widerspruchslosigkeit. Verneint durch: Querulantentum.
Schwestertugend S46
Konstruktiver Widerspruch
„Ich widerspreche, wenn es nötig ist – offen und mit Vorschlag.“
auch Einspruch, Gegenrede
Gemeint ist der Mut, Bedenken nach oben anzusprechen. Hilfreich, weil gute Gefolgschaft mitdenkt; schweigende Zustimmung schützt keine Entscheidung.
In Balance mit: Folgebereitschaft. Zu viel davon: Querulantentum. Verneint durch: Widerspruchslosigkeit.
Zur Seite Konstruktiver WiderspruchÜbertreibung von Folgebereitschaft
Widerspruchslosigkeit
„Wird schon richtig sein, wenn der Chef das sagt.“
auch Ja-Sagertum, Kadavergehorsam
Gegenwort zum konstruktiven Widerspruch und zugleich überzogene Folgebereitschaft. Grenzwertig, weil Fehlentscheidungen ungebremst umgesetzt werden.
Übertreibung von: Folgebereitschaft. Verneinung von: Konstruktiver Widerspruch. Entwicklungsrichtung: Konstruktiver Widerspruch.
Übertreibung von Konstruktiver Widerspruch
Querulantentum
„Ich trage nichts mit, was ich nicht selbst entschieden habe.“
auch Obstruktion, Dauerkritik
Gegenwort zur Folgebereitschaft und zugleich überzogener Widerspruch. Grenzwertig, weil Entscheidungen zerredet und Teams gespalten werden.
Übertreibung von: Konstruktiver Widerspruch. Verneinung von: Folgebereitschaft. Entwicklungsrichtung: Folgebereitschaft.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeFolgebereitschaft · Konstruktiver Widerspruch · Widerspruchslosigkeit · Querulantentum
Zielwert
Folgebereitschaft
auch Gefolgschaft · Mittragen
Gemeint ist loyales Mitgehen mit Entscheidungen, auch wenn man selbst anders entschieden hätte. Hilfreich, weil jede Führungskraft selbst geführt wird und Organisationen ohne Gefolgschaft zerfallen.
Schwestertugend
Konstruktiver Widerspruch
auch Einspruch · Gegenrede
Gemeint ist der Mut, Bedenken nach oben anzusprechen. Hilfreich, weil gute Gefolgschaft mitdenkt; schweigende Zustimmung schützt keine Entscheidung.
Übertreibung von Folgebereitschaft
Widerspruchslosigkeit
auch Ja-Sagertum · Kadavergehorsam
Gegenwort zum konstruktiven Widerspruch und zugleich überzogene Folgebereitschaft. Grenzwertig, weil Fehlentscheidungen ungebremst umgesetzt werden.
Der Weg heraus: Richtung konstruktiver Widerspruch
Übertreibung des konstruktiven Widerspruchs
Querulantentum
auch Obstruktion · Dauerkritik
Gegenwort zur Folgebereitschaft und zugleich überzogener Widerspruch. Grenzwertig, weil Entscheidungen zerredet und Teams gespalten werden.
Der Weg heraus: Richtung Folgebereitschaft
Die ÜbertreibungWann Widerspruchslosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Folgebereitschaft heißt Widerspruchslosigkeit (auch: Ja-Sagertum, Kadavergehorsam). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Im Konzert folgt das Orchester dem Dirigenten auch dort, wo einzelne Musiker in der Probe anders phrasiert hätten. Während der Aufführung ist Widerspruch fehl am Platz; die Diskussion gehört in die Probe und in das Gespräch danach.
In einer Live-Sendung setzt die Bildregie die Anweisungen der Regisseurin sofort um, ohne Rückfrage. Bei wenigen Sekunden Vorlauf würde jede Debatte die Sendung gefährden.
Widerspruchsloses Folgen trägt, wo unter Zeitdruck koordiniert gehandelt werden muss, die Anweisung im Rahmen des Erlaubten liegt und es vorher und nachher Raum für Widerspruch gibt. Die Grenze ist erreicht, wo eine Anweisung gegen Recht, Gewissen oder die Sicherheit von Menschen verstößt – dann wird stilles Mitmachen zur Mitschuld und Widerspruch zur Pflicht.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition
Dass Folgebereitschaft Konstruktiver Widerspruch als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentRut 1,16
Rut bindet sich an Noomi: „Wo du hin gehst, da will ich auch hin gehen“ – Gefolgschaft aus Treue, nicht aus Zwang.
- 5. Jh. v. Chr.ChinaKonfuzius
Den Eltern darf man widersprechen, aber sanft; nehmen sie den Rat nicht an, bleibt man ehrerbietig, Lunyu 4.18
- 1. Jh.Neues TestamentLukas 5,5
Der erfahrene Fischer Petrus hält den Auftrag für sinnlos und sagt das auch – „aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen“.
Hebräer 13,17„Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen“ – damit sie ihren Dienst mit Freude tun können und nicht mit Seufzen.
- um 200Jüdische AuslegungMischna
Rabbi Jehoschua beugt sich im Kalenderstreit der Anordnung Rabban Gamliels und erscheint an dem Tag, der nach seiner eigenen Rechnung Jom Kippur ist, mit Stock und Geldbeutel; Gamliel begrüßt ihn als „mein Lehrer in der Weisheit und mein Schüler, weil du meine Worte angenommen hast“, Rosch ha-Schana 2,9
- 6. Jh.Christliche TraditionBenedikt von Nursia
Wem Unmögliches aufgetragen wird, soll dem Oberen ruhig und ohne Trotz seine Gründe darlegen – und, wenn dieser dabei bleibt, im Vertrauen gehorchen, Benediktsregel, Kap. 68
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Gehorsam ist eine Tugend, doch niemand ist verpflichtet, in allem zu gehorchen, II-II q. 104
- 1988FührungslehreRobert Kelley
Der „effektive Follower“ verbindet unabhängiges, kritisches Denken mit aktivem Engagement, „In Praise of Followers“, Harvard Business Review 1988
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung1 Studie · 1995 · mit Grenzen der Forschung
- 1995
In strategischen Entscheidungsteams stiegen die Bindung an die Entscheidung, die Verbundenheit mit der Gruppe und das Vertrauen in die Leitung, wenn die Mitglieder ihre Sicht einbringen konnten und diese erkennbar berücksichtigt wurde; der Effekt lief über die empfundene Verfahrensgerechtigkeit – wer gehört wurde, trägt leichter mit. Folgebereitschaft ohne inneren Maßstab kippt in Kadavergehorsam.
Korsgaard, Schweiger & Sapienza, 1995
Die Grenze zeigt Milgrams Gehorsamsexperiment: 26 von 40 Versuchspersonen folgten der Anweisung des Versuchsleiters bis zur höchsten Stufe von 450 Volt, obwohl sie glaubten, einem Menschen damit zu schaden (Milgram, 1963).
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wann hast du zuletzt eine Entscheidung, gegen die du warst, so vertreten, dass dein Team keinen Vorbehalt heraushören musste?
- Wo verwechselst du Mittragen mit Wegducken?
- Woran würdest du merken, dass deine Loyalität an eine Grenze kommt – und hast du diese Grenze für dich schon einmal formuliert?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Folgebereitschaft in der Praxis aus
Al Gore (US-Vizepräsident)
Nach der umstrittenen US-Präsidentschaftswahl 2000 erkannte Al Gore eine Gerichtsentscheidung an, die er ausdrücklich ablehnte.
Manu Ginóbili (San Antonio Spurs)
Der Basketballer Manu Ginóbili wollte Stammspieler sein, kam bei den San Antonio Spurs aber meist von der Bank. Er nahm die Rolle an – und gewann mit ihr vier Meistertitel.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenFolgebereitschaft im Wappen
Farbe im Wappen: Silber
- SymbolFußspuren
Fußspuren zeigen, wo jemand schon gegangen ist, und wer in sie tritt, findet auch auf unsicherem Boden einen gangbaren Weg. Wählst du sie, zeigt dein Wappen: Du gehst bewusst einen Weg mit, den ein anderer vor dir gegangen ist, und lernst von seinem Beispiel.
- oder als AlternativeSchaf
Schafe kennen die Stimme ihres Hirten und folgen ihm, weil sie ihm vertrauen. Das Schaf steht für eine Folgebereitschaft aus Vertrauen, wenn du gute Führung erkennst und dich ihr bereitwillig anschließt.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung