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Beispiel zum WertFolgebereitschaft (46)

Politik & Staat

Wie Al Gore eine Niederlage annahm, die er für falsch hielt

Nach der umstrittenen US-Präsidentschaftswahl 2000 erkannte Al Gore eine Gerichtsentscheidung an, die er ausdrücklich ablehnte.

Ein goldener Schwarm folgt in fester Formation der eingeschlagenen Richtung, mit voller Kraft. Folgt er starr in einer Reihe geradewegs auf eine Wand zu, schert einer aus und zeigt einen Weg um sie herum – und alle nehmen ihn.
Kurz gesagt

Nach der umstrittenen US-Präsidentschaftswahl 2000 erkannte Al Gore eine Gerichtsentscheidung an, die er ausdrücklich ablehnte. Seine Rede zeigt Folgebereitschaft, die nicht auf Zustimmung beruht, sondern auf Verantwortung für das Ganze.

1 Min. Lesezeit2 AbschnitteSituationBezug zum Wert

Die Präsidentschaftswahl 2000 entschied sich in Florida. Der Supreme Court stoppte schließlich die Nachzählung der Stimmen. Am 13. Dezember 2000 hielt Vizepräsident Al Gore seine Rede zur Anerkennung der Niederlage – ein Lehrstück darüber, wie man einer Entscheidung folgt, die man für falsch hält.

Ein Weg endet an einem Querbalken, der goldene Punkt folgt dem anderen – wie Al Gore, der eine Niederlage annahm, die er für falsch hielt.
Ein Weg endet an einem Querbalken, der goldene Punkt folgt dem anderen – wie Al Gore, der eine Niederlage annahm, die er für falsch hielt.

Widersprechen und annehmen

Situation
Gore machte keinen Hehl aus seiner Haltung: „Let there be no doubt: while I strongly disagree with the Court's decision, I accept it.“ Er lehne die Entscheidung des Gerichts entschieden ab, akzeptiere sie aber. Und weiter: „for the sake of our unity as a people and the strength of our democracy, I offer my concession.“ Um der Einheit des Volkes und der Stärke der Demokratie willen gestehe er seine Niederlage ein.
Bezug zum Wert
Folgebereitschaft heißt hier nicht, die eigene Meinung aufzugeben. Gore sagte klar, was er dachte – und folgte der Entscheidung trotzdem.

Ein Anruf und ein Zitat

Situation
Kurz vor der Rede hatte Gore George W. Bush angerufen und ihm gratuliert, der 43. Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. In seiner Rede erinnerte er an Stephen Douglas, der nach seiner Wahlniederlage gegen Abraham Lincoln gesagt hatte: „partisan feeling must yield to patriotism. I am with you, Mr. President, and God bless you.“ Parteigeist müsse dem Patriotismus weichen.
Bezug zum Wert
Gore stellte seine Niederlage in eine Tradition: Wer verliert, unterstützt den Gewinner, weil das System wichtiger ist als der eigene Sieg.
Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Dissens aussprechenDu darfst einer Entscheidung widersprechen und ihr trotzdem folgen – sag offen, wo du stehst.
  2. Das Ganze sehenFrag dich, was auf dem Spiel steht, wenn du eine legitime Entscheidung nicht akzeptierst.
  3. Würdig verlierenWer eine Niederlage anerkennt, stärkt das Vertrauen in die Regeln, von denen beim nächsten Mal auch er profitiert.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Folgebereitschaft steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Konstruktiver Widerspruch.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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