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16Zielwert

Fürsorge

„Mir liegt das Wohl meiner Leute am Herzen.“

Das Wohl der Menschen im Blick haben – beruflich und menschlich – und sie dabei nicht kleinhalten.

Eine goldene Mulde birgt kleine Punkte, und sie werden warm und größer. Wölbt sie sich ganz über sie, bleiben sie eng und klein – bis oben eine Marke erscheint, die Mulde sich öffnet und die Punkte zu ihr hinaufwachsen.
Kurz gesagt

Mir liegt das Wohl meiner Leute am Herzen.

Was Fürsorge bedeutetDas Wohl der Menschen im Blick haben – beruflich und menschlich – und sie dabei nicht kleinhalten.

Umfasst auchGeborgenheitMitarbeiterorientierung

Die Wertematrix

Fürsorge im Gleichgewicht

Fürsorge braucht Leistungsanspruch als Gegengewicht. Zu viel Fürsorge wird zu Anspruchslosigkeit – der Weg zurück führt über Leistungsanspruch.

In Balance

Begriffe erklärt

Zielwert 16

Fürsorge

„Mir liegt das Wohl meiner Leute am Herzen.“

auch Obhut, Zuwendung

Gemeint ist echtes Interesse am beruflichen und menschlichen Ergehen der Geführten. Hilfreich, weil Menschen, die sich umsorgt fühlen, belastbarer, loyaler und kreativer sind.

In Balance mit: Leistungsanspruch. Zu viel davon: Anspruchslosigkeit. Verneint durch: Rücksichtslosigkeit.

Schwestertugend S16

Leistungs­an­spruch

„Ich fordere Leistung und Eigenverantwortung ein.“

auch Fordern, Hohe Erwartungen

Gemeint sind hohe, klare Erwartungen an das, was jemand beitragen kann. Hilfreich, weil echte Fürsorge an das Potenzial des anderen glaubt; Fordern ist eine Form von Respekt.

In Balance mit: Fürsorge. Zu viel davon: Rücksichtslosigkeit. Verneint durch: Anspruchslosigkeit.

Zur Seite Leistungsanspruch

Übertreibung von Fürsorge

Anspruchs­losigkeit

„Ich nehme anderen alles ab und erwarte wenig.“

auch Verhätsche­lung, Verwöhnung

Verneinung des Leistungsanspruchs und zugleich überzogene Fürsorge. Grenzwertig, weil sie entmündigt: Mitarbeitende werden unselbstständig, die Führungskraft überlastet.

Übertreibung von: Fürsorge. Verneinung von: Leistungsanspruch. Entwicklungsrichtung: Leistungsanspruch.

Übertreibung von Leistungsanspruch

Rücksichts­losigkeit

„Ich sehe nur Leistung und nutze Menschen aus.“

auch Ausbeutung, Über­forde­rung

Gegenwort zur Fürsorge und zugleich überzogener Leistungsanspruch. Grenzwertig, weil sie Menschen verschleißt; Krankheit, Kündigung und innere Kündigung folgen.

Übertreibung von: Leistungsanspruch. Verneinung von: Fürsorge. Entwicklungsrichtung: Fürsorge.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeFürsorge · Leistungsanspruch · Anspruchslosigkeit · Rücksichtslosigkeit

Zielwert

Fürsorge

auch Obhut · Zuwendung

Gemeint ist echtes Interesse am beruflichen und menschlichen Ergehen der Geführten. Hilfreich, weil Menschen, die sich umsorgt fühlen, belastbarer, loyaler und kreativer sind.

Schwestertugend

Leistungs­anspruch

auch Fordern · Hohe Erwartungen

Gemeint sind hohe, klare Erwartungen an das, was jemand beitragen kann. Hilfreich, weil echte Fürsorge an das Potenzial des anderen glaubt; Fordern ist eine Form von Respekt.

Übertreibung von Fürsorge

Anspruchslosigkeit

auch Verhätschelung · Verwöhnung

Verneinung des Leistungsanspruchs und zugleich überzogene Fürsorge. Grenzwertig, weil sie entmündigt: Mitarbeitende werden unselbstständig, die Führungskraft überlastet.

Der Weg heraus: Richtung Leistungsanspruch

Übertreibung von Leistungsanspruch

Rücksichtslosigkeit

auch Ausbeutung · Überforderung

Gegenwort zur Fürsorge und zugleich überzogener Leistungsanspruch. Grenzwertig, weil sie Menschen verschleißt; Krankheit, Kündigung und innere Kündigung folgen.

Der Weg heraus: Richtung Fürsorge

Die ÜbertreibungWann Anspruchslosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Fürsorge heißt Anspruchslosigkeit (auch: Verhätschelung, Verwöhnung). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Wirtschaft

Nach einem tödlichen Arbeitsunfall in der Werkhalle nimmt die Produktionsleiterin eine junge Kollegin, die alles mit ansehen musste, für einige Tage komplett aus dem Dienst, organisiert Begleitung und verlangt nichts – keine Dokumentation, keine Übergabe. In akuter Erschütterung ist Schonung ohne Gegenleistung die richtige Antwort.

Glaube & Kirche

Ein Gemeindeleiter erlebt, dass ein langjähriger Mitarbeiter nach einem schweren Verlust kaum noch etwas schafft. Er nimmt ihm über Wochen fast alle Aufgaben ab und fragt nicht nach Ergebnissen. Wer gerade trauert, braucht zuerst Halt und erst später wieder Erwartungen.

Woran man den Unterschied erkennt

Anspruchslose Fürsorge trägt in akuten Krisen, bei Trauer, Krankheit oder Erschöpfung – für eine Übergangszeit und mit dem Ziel, dass der Mensch wieder auf eigene Füße kommt. Sie wird zur Überbehütung, sobald sie Entwicklung verhindert und der andere sich an das Geschontwerden gewöhnt.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftChina · Altes Testament · Neues Testament · Indien · Jüdische Auslegung

Dass Fürsorge Leistungsanspruch als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

  1. 1. Jt. v. Chr.
    China
    Buch der Urkunden

    „mild und doch fest“

  2. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    3. Mose 25,43

    „nicht mit Strenge über sie herrschen“

    5. Mose 24,14–15

    Den Lohn am selben Tag zahlen

    2. Mose 18,17–18

    Jitro: „Du machst dich zu müde“

  3. 1. Jh.
    Neues Testament
    Johannes 10,11–14

    Der gute Hirte kennt die Seinen und setzt sich für sie ein.

    1. Thessalonicher 2,7–8

    Paulus pflegt die Gemeinde wie eine Mutter ihre Kinder.

    1. Thessalonicher 5,14

    „Vermahnet die Ungezogenen, tröstet die Kleinmütigen, traget die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann“ – Fürsorge und Fordern in einem Vers.

  4. 5. Jh.
    Indien
    Buddhistische Kommentartradition

    Liebende Güte hat einen „nahen Feind“, die Anhaftung, und einen „fernen Feind“, das Übelwollen – nah an Überbehütung und Rücksichtslosigkeit; erläutert bei Ajahn Pasanno

  5. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    Rav lässt Lastträger trotz eines zerbrochenen Fasses bezahlen – Fürsorge über das Recht hinaus, Bava Metzia 83a

  6. 5.–10. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Midrasch

    Mose als Hirte, der einem entlaufenen Zicklein nachgeht, Schemot Rabba 2,2

  7. 13. Jh.
    Christliche Tradition
    Thomas von Aquin

    Wohltätigkeit, II-II q. 31

  8. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
  9. 2017
    Forschung
    VIA-Stärken Liebe und Freundlichkeit

    Auch für diese Charakterstärken beschreibt die Forschung einen Unter- und einen Übergebrauch (Freidlin et al., 2017).

Die Forschung2 Studien, davon 1 Metaanalyse · 2002–2014 · mit Grenzen der Forschung
2 Studiendavon 1 Metaanalyse2002–2014 Zeitraum
  1. 2014
    Längsschnittstudie185 Beschäftigte

    In einer 16-monatigen Längsschnittstudie in einer Langzeitpflegeeinrichtung (185 Beschäftigte, 108 Bewohner) ging eine Kultur der Zuwendung und Fürsorge mit höherer Zufriedenheit und besserer Teamarbeit sowie weniger Fehlzeiten und emotionaler Erschöpfung einher; auch die Bewohner profitierten. Eine Folgebefragung von 3.201 Beschäftigten bestätigte Zusammenhänge mit Zufriedenheit, Bindung und Verantwortungsübernahme.

    Barsade & O'Neill, 2014
  2. 2002
    Metaanalyse

    Eine Metaanalyse zur wahrgenommenen Unterstützung durch die Organisation fand, dass sie eng mit unterstützenden Vorgesetzten und fairer Behandlung zusammenhängt und mit höherer Arbeitszufriedenheit, Bindung und Leistung sowie weniger Rückzugsverhalten einhergeht.

    Rhoades & Eisenberger, 2002
Wo die Forschung an Grenzen stößt

In einer dreiwöchigen Tagebuchstudie fühlten sich Helfende umso ausgelaugter, je öfter sie an einem Tag auf Hilfebitten von Kolleginnen und Kollegen eingingen – nur das Erleben, wirklich etwas bewirkt zu haben, füllte die Reserven teilweise wieder auf (Lanaj, Johnson & Wang, 2016).

Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Weißt du, wie es den Menschen in deinem Team privat gerade geht?
  2. Wem nimmst du zu viel ab?
  3. Wo verlangst du Leistung, ohne den Menschen zu sehen?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Wertewappen

Fürsorge im Wappen

Farbe im Wappen: Rot

  • SymbolHenne mit Küken

    Die Henne sammelt ihre Küken unter ihre Flügel, wenn Gefahr droht, und wärmt sie dort. Das Bild steht für eine Fürsorge, die Schutz und Geborgenheit schenkt, damit sich deine Leute bei dir sicher fühlen und wachsen können.

  • oder als AlternativeBär

    Der Bär gilt in der Heraldik als Bild für Stärke, die mit Klugheit gepaart ist, und für den entschlossenen Schutz der eigenen Familie. Er zeigt, dass du dich vor dein Team stellst und es gegen Widerstände verteidigst.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Fürsorge

Was bedeutet Fürsorge?

Das Wohl der Menschen im Blick haben – beruflich und menschlich – und sie dabei nicht kleinhalten. Der Ich-Satz dazu: „Mir liegt das Wohl meiner Leute am Herzen.“

Was ist die Schwestertugend von Fürsorge?

Leistungsanspruch (S16). Gemeint sind hohe, klare Erwartungen an das, was jemand beitragen kann. Hilfreich, weil echte Fürsorge an das Potenzial des anderen glaubt; Fordern ist eine Form von Respekt.

Was ist die Übertreibung von Fürsorge?

Anspruchslosigkeit (auch: Verhätschelung, Verwöhnung). Verneinung des Leistungsanspruchs und zugleich überzogene Fürsorge. Grenzwertig, weil sie entmündigt: Mitarbeitende werden unselbstständig, die Führungskraft überlastet.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Anspruchslose Fürsorge trägt in akuten Krisen, bei Trauer, Krankheit oder Erschöpfung – für eine Übergangszeit und mit dem Ziel, dass der Mensch wieder auf eigene Füße kommt. Sie wird zur Überbehütung, sobald sie Entwicklung verhindert und der andere sich an das Geschontwerden gewöhnt.

Was sagt die Forschung zu Fürsorge?

In einer 16-monatigen Längsschnittstudie in einer Langzeitpflegeeinrichtung (185 Beschäftigte, 108 Bewohner) ging eine Kultur der Zuwendung und Fürsorge mit höherer Zufriedenheit und besserer Teamarbeit sowie weniger Fehlzeiten und emotionaler Erschöpfung einher; auch die Bewohner profitierten.

Welche Beispiele gibt es für Fürsorge?

Zum Beispiel: Aaron Feuerstein (Malden Mills).

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