Gottvertrauen im Gleichgewicht
Gottvertrauen braucht Eigenverantwortung als Gegengewicht. Zu viel Gottvertrauen wird zu Fatalismus – der Weg zurück führt über Eigenverantwortung.
Begriffe erklärt
Zielwert 34
Gottvertrauen
„Ich verlasse mich auf Gott, nicht nur auf mich.“
auch Glaube, Getrostheit
Gemeint ist das Vertrauen, dass das Ergebnis nicht allein in der eigenen Hand liegt. Hilfreich, weil es von Allmachtsfantasien und lähmender Sorge befreit.
In Balance mit: Eigenverantwortung. Zu viel davon: Fatalismus. Verneint durch: Gottvergessenheit.
Schwestertugend S34
Eigenverantwortung
„Ich tue, was in meiner Macht steht.“
auch Selbstverantwortung, Mündigkeit
Gemeint ist die Bereitschaft, das Eigene vollständig einzubringen. Hilfreich, weil Vertrauen kein Ersatz für Sorgfalt, Planung und Arbeit ist.
In Balance mit: Gottvertrauen. Zu viel davon: Gottvergessenheit. Verneint durch: Fatalismus.
Zur Seite EigenverantwortungÜbertreibung von Gottvertrauen
Fatalismus
„Gott wird es schon richten.“
auch Schicksalsergebenheit, frommer Leichtsinn
Gegenwort zur Eigenverantwortung und zugleich überzogenes Gottvertrauen. Grenzwertig, weil Frömmigkeit dann Untätigkeit verdeckt.
Übertreibung von: Gottvertrauen. Verneinung von: Eigenverantwortung. Entwicklungsrichtung: Eigenverantwortung.
Übertreibung von Eigenverantwortung
Gottvergessenheit
„Alles hängt an mir.“
auch Machbarkeitswahn, Sorgengeist
Gegenbegriff zum Gottvertrauen und zugleich überzogene Eigenverantwortung. Grenzwertig, weil sie in Überlastung, Kontrollzwang und Sorge führt.
Übertreibung von: Eigenverantwortung. Verneinung von: Gottvertrauen. Entwicklungsrichtung: Gottvertrauen.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeGottvertrauen · Eigenverantwortung · Fatalismus · Gottvergessenheit
Zielwert
Gottvertrauen
auch Glaube · Getrostheit
Gemeint ist das Vertrauen, dass das Ergebnis nicht allein in der eigenen Hand liegt. Hilfreich, weil es von Allmachtsfantasien und lähmender Sorge befreit.
Schwestertugend
Eigenverantwortung
auch Selbstverantwortung · Mündigkeit
Gemeint ist die Bereitschaft, das Eigene vollständig einzubringen. Hilfreich, weil Vertrauen kein Ersatz für Sorgfalt, Planung und Arbeit ist.
Übertreibung von Gottvertrauen
Fatalismus
auch Schicksalsergebenheit · frommer Leichtsinn
Gegenwort zur Eigenverantwortung und zugleich überzogenes Gottvertrauen. Grenzwertig, weil Frömmigkeit dann Untätigkeit verdeckt.
Der Weg heraus: Richtung Eigenverantwortung
Übertreibung von Eigenverantwortung
Gottvergessenheit
auch Machbarkeitswahn · Sorgengeist
Gegenbegriff zum Gottvertrauen und zugleich überzogene Eigenverantwortung. Grenzwertig, weil sie in Überlastung, Kontrollzwang und Sorge führt.
Der Weg heraus: Richtung Gottvertrauen
Die ÜbertreibungWann Fatalismus sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung des Gottvertrauens heißt Fatalismus (auch: Schicksalsergebenheit, frommer Leichtsinn). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Eine Familie begleitet den sterbenden Großvater im Hospiz und verzichtet nach ärztlicher Beratung bewusst auf weitere belastende Behandlungen. Sie nimmt an, was nicht mehr zu ändern ist, und legt es in Gottes Hand. Das ist keine Resignation, sondern Annehmen.
Ein Landwirt hat getan, was er konnte – Saat, Pflege, Absicherung. Als ein Unwetter angekündigt ist, bleibt ihm nichts mehr zu tun, und er geht abends ruhig schlafen. Ergebenheit schützt ihn hier vor sinnlosem Zermürben.
Sich in das Unabänderliche zu fügen trägt, wenn das eigene Handeln wirklich ausgeschöpft ist. Es wird zu frommem Leichtsinn, sobald man Gott vorschiebt, um das Mögliche nicht zu tun – etwa indem man Warnungen überhört oder Arztbesuche und Vorsorge ausschlägt.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition
Dass Gottvertrauen Eigenverantwortung als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentPsalm 127,1–2
„Wo der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
Sprüche 3,5–6„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand.“
- 4. Jh. v. Chr.ChinaMengzi
Wer den Willen des Himmels kennt, stellt sich nicht unter eine einsturzgefährdete Mauer, Mengzi 7A2
- 1. Jh.Neues Testament1. Petrus 5,7
„Alle Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.“
- 3.–6. Jh.Jüdische AuslegungTalmud
„Niemals stelle sich ein Mensch an einen gefährlichen Ort und sage: Man wird mir ein Wunder tun“, Taanit 20b
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Die Hoffnung hat zwei Gegenspieler: die Verzweiflung, II-II q. 20, und die Vermessenheit, die sich Gottes Hilfe ohne eigenes Zutun anmaßt, q. 21
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung2 Studien · 1988–2001
- 1988
Schon 1988 unterschied eine Studie drei religiöse Bewältigungsstile: selbstgesteuert, „abgebend“ (alles Gott überlassen) und kooperativ (mit Gott gemeinsam handeln). Der kooperative Stil ging mit mehr erlebter Kontrolle und höherem Selbstwert einher, das reine Abgeben mit weniger Kontrolle und weniger planvoller Problemlösung.
Pargament et al., 1988 - 2001
Bei 596 älteren Klinikpatienten war ein religiöser Konflikt – etwa das Gefühl, von Gott verlassen zu sein – mit einem um 19 bis 28 Prozent höheren Sterberisiko in den folgenden zwei Jahren verbunden.
Pargament et al., 2001
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wo versuchst du, etwas zu kontrollieren, das nicht in deiner Hand liegt – und raubst dir und anderen damit den Schlaf?
- Wo dagegen schiebst du Gott vor, um dich vor einer Entscheidung zu drücken?
- Und wie sähe dein nächster Arbeitstag aus, wenn du wirklich glaubtest, dass nicht alles an dir hängt?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Gottvertrauen in der Praxis aus
Georg Müller (Waisenhäuser in Bristol)
Ein Prediger aus der Nähe von Halberstadt versorgte in Bristol im Lauf seines Lebens mehr als 10.000 Waisenkinder – ohne je um Spenden zu bitten oder Schulden zu machen.
Truett Cathy (Chick-fil-A)
Der Gründer der Fast-Food-Kette Chick-fil-A ließ seine Lokale sonntags geschlossen – und verzichtete damit bewusst auf Umsatz.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenGottvertrauen im Wappen
Farbe im Wappen: Blau
- SymbolLilie des Feldes
Die Lilien auf dem Feld wachsen und blühen, ohne sich zu sorgen, und stehen doch in voller Pracht da. Das Bild steht für eine Führung, die sich nicht von Sorgen treiben lässt, weil sie Gott vertraut.
- oder als AlternativeSperling
Der Sperling ist ein kleiner, unscheinbarer Vogel, und gerade er steht dafür, dass auch das Geringste nicht übersehen wird und niemand sich fürchten muss. Wählst du ihn, zeigt dein Wappen das Vertrauen, dass du und deine Leute auch im Kleinen geborgen seid.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung