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1Zielwert

Integrität

„Ich lebe, was ich sage.“

Worte, Werte und Taten stimmen überein. Mitarbeitende erleben Integrität vor allem daran, ob Zusagen eingehalten und verkündete Werte selbst gelebt werden.

Zwei gleiche Formen – Worte und Taten – schieben sich deckungsgleich über einen goldenen Kern und leuchten golden. Wird die Form hart und kantig, prallen die Nachbarn ab; erst wenn ihr Rand nachgibt, finden sie Platz – und der Kern bleibt, wie er ist.
Kurz gesagt

Ich lebe, was ich sage.

Was Integrität bedeutetWorte, Werte und Taten stimmen überein. Mitarbeitende erleben Integrität vor allem daran, ob Zusagen eingehalten und verkündete Werte selbst gelebt werden.

Umfasst auchGlaubwürdigkeitUnbestechlichkeitEhreEthisches Bewusstsein

Die Wertematrix

Integrität im Gleichgewicht

Integrität braucht Kompromissfähigkeit als Gegengewicht. Zu viel Integrität wird zu Kompromisslosigkeit – der Weg zurück führt über Kompromissfähigkeit.

In Balance

Begriffe erklärt

Zielwert 1

Integrität

„Ich lebe, was ich sage.“

auch Redlichkeit, Rechts­chaffen­heit

Gemeint ist die Übereinstimmung von Worten, Werten und Taten. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft vor allem dann vertrauen, wenn ihre Worte und Taten zusammenpassen.

In Balance mit: Kompromissfähigkeit. Zu viel davon: Kompromisslosigkeit. Verneint durch: Prinzipienlosigkeit.

Schwestertugend S1

Kompromiss­fähigkeit

„Ich suche eine Lösung, mit der auch die andere Seite leben kann.“

auch Verhandlungs­bereitschaft, Augenmaß

Gemeint ist die Bereitschaft, eigene Forderungen zurückzunehmen und Wege zu finden, die verschiedene Interessen verbinden. Hilfreich, weil Integrität nicht heißt, jede Sachfrage zur Gewissensfrage zu machen; wer klar unterscheidet, was verhandelbar ist und was nicht, bleibt glaubwürdig und handlungsfähig.

In Balance mit: Integrität. Zu viel davon: Prinzipienlosigkeit. Verneint durch: Kompromisslosigkeit.

Zur Seite Kompromissfähigkeit

Übertreibung von Integrität

Kompromiss­losigkeit

„Ich gebe keinen Millimeter nach.“

auch Starrsinn, Prinzipien­rei­terei, Selbst­gerech­tigkeit

Verneinung der Kompromissfähigkeit und zugleich überzogene Integrität. Grenzwertig, weil jede Sachfrage zur Glaubensfrage wird und das Team Moralpredigten statt Lösungen erlebt.

Übertreibung von: Integrität. Verneinung von: Kompromissfähigkeit. Entwicklungsrichtung: Kompromissfähigkeit.

Übertreibung von Kompromissfähigkeit

Prinzipien­losigkeit

„Ich gebe nach, solange es Ruhe bringt.“

auch Opportunismus, fauler Kompromiss

Verneinung der Integrität und zugleich überzogene Kompromissfähigkeit. Grenzwertig, weil eine Führungskraft, die auch ihren Kern zur Verhandlung stellt, kein Vertrauen aufbaut.

Übertreibung von: Kompromissfähigkeit. Verneinung von: Integrität. Entwicklungsrichtung: Integrität.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeIntegrität · Kompromissfähigkeit · Kompromisslosigkeit · Prinzipienlosigkeit

Zielwert

Integrität

auch Redlichkeit · Rechtschaffenheit

Gemeint ist die Übereinstimmung von Worten, Werten und Taten. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft vor allem dann vertrauen, wenn ihre Worte und Taten zusammenpassen.

Schwestertugend

Kompromiss­fähigkeit

auch Verhandlungsbereitschaft · Augenmaß

Gemeint ist die Bereitschaft, eigene Forderungen zurückzunehmen und Wege zu finden, die verschiedene Interessen verbinden. Hilfreich, weil Integrität nicht heißt, jede Sachfrage zur Gewissensfrage zu machen; wer klar unterscheidet, was verhandelbar ist und was nicht, bleibt glaubwürdig und handlungsfähig.

Übertreibung von Integrität

Kompromiss­losig­keit

auch Starrsinn · Prinzipienreiterei · Selbstgerechtigkeit

Verneinung der Kompromissfähigkeit und zugleich überzogene Integrität. Grenzwertig, weil jede Sachfrage zur Glaubensfrage wird und das Team Moralpredigten statt Lösungen erlebt.

Der Weg heraus: Richtung Kompromissfähigkeit

Übertreibung von Kompromissfähigkeit

Prinzipien­losig­keit

auch Opportunismus · fauler Kompromiss

Verneinung der Integrität und zugleich überzogene Kompromissfähigkeit. Grenzwertig, weil eine Führungskraft, die auch ihren Kern zur Verhandlung stellt, kein Vertrauen aufbaut.

Der Weg heraus: Richtung Integrität

Die ÜbertreibungWann Kompromisslosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Integrität heißt Kompromisslosigkeit (auch: Starrsinn, Prinzipienreiterei, Selbstgerechtigkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Politik & Staat

Ein Sachbearbeiter im Bauamt wird gedrängt, eine Genehmigung trotz fehlender Brandschutzunterlagen „ausnahmsweise“ durchzuwinken, weil der Bauherr gute Kontakte hat. Er bleibt bei seinem Nein, auch als der Ton rauer wird. Wo ein Kompromiss Menschen gefährden und Gefälligkeit zur Regel machen würde, ist Unnachgiebigkeit Pflicht.

Glaube & Kirche

Ein Gemeindeleiter erfährt, dass ein beliebter Jugendmitarbeiter gegenüber Minderjährigen Grenzen überschritten hat. Gegen alle Bitten, die Sache „intern und leise“ zu regeln, besteht er auf Freistellung und Meldung an die zuständigen Stellen. Beim Schutz der Schwächsten gibt es keinen Mittelweg.

Woran man den Unterschied erkennt

Kompromisslosigkeit trägt, wenn es um Leib und Leben, um Recht oder um den Schutz Schwächerer geht und ein Nachgeben einen Präzedenzfall schaffen würde. Sie kippt in Starrsinn, sobald sie sich an Nebensachen festbeißt oder der eigene Standpunkt wichtiger wird als das, was er schützen soll.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition · Forschung

Dass Integrität Kompromissfähigkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    Psalm 15,1–4

    Vor Gott bestehen kann, wer redlich lebt und „sich selbst zum Schaden schwört und hält es“ – Integrität kostet etwas.

    Sprüche 11,3

    „Unschuld wird die Frommen leiten; aber die Bosheit wird die Verächter verstören.“

  2. 1. Jh.
    Neues Testament
    Matthäus 23,3

    Jesus kritisiert die religiösen Lehrer seiner Zeit: „Sie sagen’s wohl, und tun’s nicht“ – das Gegenbild zur Integrität.

  3. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    Ein Gelehrter soll innen sein wie außen, Joma 72b; das Haus Hillel setzte sich durch, weil es „sanft und nachgiebig“ war und die Gegenmeinung zuerst lehrte, Eruvin 13b

  4. 13. Jh.
    Christliche Tradition
    Thomas von Aquin

    Heuchelei als Gegenteil der Wahrhaftigkeit, Summa II-II q. 111

  5. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
  6. 2017
    Forschung
    VIA-Stärke Ehrlichkeit/Integrität

    Zu wenig davon zeigt sich als Falschheit, zu viel als Selbstgerechtigkeit (Freidlin et al., 2017).

Die Forschung3 Studien, davon 2 Metaanalysen · 2006–2015 · mit Grenzen der Forschung
3 Studiendavon 2 Metaanalysen2006–2015 Zeitraum
  1. 2006
    Metaanalyse

    Eine Metaanalyse zur wahrgenommenen „Behavioral Integrity“ von Managern – der Übereinstimmung von Worten und Taten – fand Zusammenhänge mit Arbeitszufriedenheit, Bindung an die Organisation und Zufriedenheit mit der Führungskraft.

    Davis & Rothstein, 2006
  2. 2015
    Metaanalyse

    Eine spätere Metaanalyse zeigte, dass diese Wort-Tat-Treue Vertrauen, Aufgabenleistung und freiwilliges Engagement der Mitarbeitenden stärker vorhersagt als allgemeine moralische Integrität – vermutlich auch, weil sie Kommunikation klarer und verlässlicher macht.

    Simons et al., 2015
  3. 2007
    Feldstudie

    Eine Feldstudie fand zudem, dass Integrität in der Hierarchie „nach unten durchsickert“ und dass Schwarze Beschäftigte besonders empfindlich auf die Wort-Tat-Treue ihrer Vorgesetzten reagieren.

    Simons et al., 2007
Wo die Forschung an Grenzen stößt

Die meisten Studien erfassen Integrität als Wahrnehmung der Mitarbeitenden in Befragungen; kausale Belege sind selten.

Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Wo klaffen bei dir Wort und Tat gerade auseinander?
  2. Welches Versprechen der letzten Woche hast du nicht gehalten?
  3. Wo bist du so „prinzipientreu“, dass du nicht mehr zuhörst?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Wertewappen

Integrität im Wappen

Farbe im Wappen: Silber

  • SymbolSenkblei (Lot)

    Mit dem Lot prüft der Baumeister, ob eine Mauer gerade steht – es zeigt unbestechlich, ob etwas im Lot ist oder nicht. Es steht für deine Führung, wenn du innen so gerade bist, wie du wirkst.

  • oder als AlternativeHaus auf dem Fels

    Ein Haus auf Felsgrund ruht auf festem Fundament und hält jedem Sturm stand, auch wenn Wind und Wasser daran rütteln. Wählst du es, zeigt dein Wappen, dass dein Tun zu deinen Worten passt, gerade dann, wenn es stürmisch wird.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Integrität

Was bedeutet Integrität?

Worte, Werte und Taten stimmen überein. Mitarbeitende erleben Integrität vor allem daran, ob Zusagen eingehalten und verkündete Werte selbst gelebt werden. Der Ich-Satz dazu: „Ich lebe, was ich sage.“

Was ist die Schwestertugend von Integrität?

Kompromissfähigkeit (S1). Gemeint ist die Bereitschaft, eigene Forderungen zurückzunehmen und Wege zu finden, die verschiedene Interessen verbinden. Hilfreich, weil Integrität nicht heißt, jede Sachfrage zur Gewissensfrage zu machen; wer klar unterscheidet, was verhandelbar ist und was nicht, bleibt glaubwürdig und handlungsfähig.

Was ist die Übertreibung von Integrität?

Kompromisslosigkeit (auch: Starrsinn, Prinzipienreiterei, Selbstgerechtigkeit). Verneinung der Kompromissfähigkeit und zugleich überzogene Integrität. Grenzwertig, weil jede Sachfrage zur Glaubensfrage wird und das Team Moralpredigten statt Lösungen erlebt.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Kompromisslosigkeit trägt, wenn es um Leib und Leben, um Recht oder um den Schutz Schwächerer geht und ein Nachgeben einen Präzedenzfall schaffen würde. Sie kippt in Starrsinn, sobald sie sich an Nebensachen festbeißt oder der eigene Standpunkt wichtiger wird als das, was er schützen soll.

Was sagt die Forschung zu Integrität?

Eine Metaanalyse zur wahrgenommenen „Behavioral Integrity“ von Managern – der Übereinstimmung von Worten und Taten – fand Zusammenhänge mit Arbeitszufriedenheit, Bindung an die Organisation und Zufriedenheit mit der Führungskraft (Davis & Rothstein, 2006).

Welche Beispiele gibt es für Integrität?

Zum Beispiel: James Burke (Johnson & Johnson), Václav Havel.

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