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S1Schwestertugend zu Integrität

Kompromiss­fähigkeit

„Ich suche eine Lösung, mit der auch die andere Seite leben kann.“

Gemeinsam mit anderen eine Lösung finden, mit der beide Seiten leben können – nachgeben in Form, Tempo und Umfang, ohne den Kern der eigenen Überzeugungen preiszugeben.

Zwei Formen mit eigenem Kern geben an ihrer Berührungsstelle beide nach, dort leuchtet eine goldene Naht. Gibt die eine alles her, löst sich ihr Kern auf – bis er sich wieder sammelt und die Naht zwischen zwei ganzen Formen hält.
Kurz gesagt

Ich suche eine Lösung, mit der auch die andere Seite leben kann.

Was Kompromissfähigkeit bedeutetGemeinsam mit anderen eine Lösung finden, mit der beide Seiten leben können – nachgeben in Form, Tempo und Umfang, ohne den Kern der eigenen Überzeugungen preiszugeben.

Umfasst auchKonsensfähigkeitInteressenausgleich

Die Wertematrix

Kompromissfähigkeit im Gleichgewicht

Kompromissfähigkeit braucht Integrität als Gegengewicht. Zu viel Kompromissfähigkeit wird zu Prinzipienlosigkeit – der Weg zurück führt über Integrität.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S1

Kompromiss­fähigkeit

„Ich suche eine Lösung, mit der auch die andere Seite leben kann.“

auch Verhandlungs­bereitschaft, Augenmaß

Gemeint ist die Bereitschaft, eigene Forderungen zurückzunehmen und Wege zu finden, die verschiedene Interessen verbinden. Hilfreich, weil Integrität nicht heißt, jede Sachfrage zur Gewissensfrage zu machen; wer klar unterscheidet, was verhandelbar ist und was nicht, bleibt glaubwürdig und handlungsfähig.

In Balance mit: Integrität. Zu viel davon: Prinzipienlosigkeit. Verneint durch: Kompromisslosigkeit.

Zielwert 1

Integrität

„Ich lebe, was ich sage.“

auch Redlichkeit, Rechts­chaffen­heit

Gemeint ist die Übereinstimmung von Worten, Werten und Taten. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft vor allem dann vertrauen, wenn ihre Worte und Taten zusammenpassen.

In Balance mit: Kompromissfähigkeit. Zu viel davon: Kompromisslosigkeit. Verneint durch: Prinzipienlosigkeit.

Zur Seite Integrität

Übertreibung von Kompromissfähigkeit

Prinzipien­losigkeit

„Ich gebe nach, solange es Ruhe bringt.“

auch Opportunismus, fauler Kompromiss

Verneinung der Integrität und zugleich überzogene Kompromissfähigkeit. Grenzwertig, weil eine Führungskraft, die auch ihren Kern zur Verhandlung stellt, kein Vertrauen aufbaut.

Übertreibung von: Kompromissfähigkeit. Verneinung von: Integrität. Entwicklungsrichtung: Integrität.

Übertreibung von Integrität

Kompromiss­losigkeit

„Ich gebe keinen Millimeter nach.“

auch Starrsinn, Prinzipien­rei­terei, Selbst­gerech­tigkeit

Verneinung der Kompromissfähigkeit und zugleich überzogene Integrität. Grenzwertig, weil jede Sachfrage zur Glaubensfrage wird und das Team Moralpredigten statt Lösungen erlebt.

Übertreibung von: Integrität. Verneinung von: Kompromissfähigkeit. Entwicklungsrichtung: Kompromissfähigkeit.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeKompromissfähigkeit · Integrität · Prinzipienlosigkeit · Kompromisslosigkeit

Schwestertugend

Kompromiss­fähigkeit

auch Verhandlungsbereitschaft · Augenmaß

Gemeint ist die Bereitschaft, eigene Forderungen zurückzunehmen und Wege zu finden, die verschiedene Interessen verbinden. Hilfreich, weil Integrität nicht heißt, jede Sachfrage zur Gewissensfrage zu machen; wer klar unterscheidet, was verhandelbar ist und was nicht, bleibt glaubwürdig und handlungsfähig.

Zielwert

Integrität

auch Redlichkeit · Rechtschaffenheit

Gemeint ist die Übereinstimmung von Worten, Werten und Taten. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft vor allem dann vertrauen, wenn ihre Worte und Taten zusammenpassen.

Übertreibung von Kompromissfähigkeit

Prinzipien­losig­keit

auch Opportunismus · fauler Kompromiss

Verneinung der Integrität und zugleich überzogene Kompromissfähigkeit. Grenzwertig, weil eine Führungskraft, die auch ihren Kern zur Verhandlung stellt, kein Vertrauen aufbaut.

Der Weg heraus: Richtung Integrität

Übertreibung von Integrität

Kompromiss­losig­keit

auch Starrsinn · Prinzipienreiterei · Selbstgerechtigkeit

Verneinung der Kompromissfähigkeit und zugleich überzogene Integrität. Grenzwertig, weil jede Sachfrage zur Glaubensfrage wird und das Team Moralpredigten statt Lösungen erlebt.

Der Weg heraus: Richtung Kompromissfähigkeit

Die ÜbertreibungWann Prinzipienlosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Kompromissfähigkeit heißt Prinzipienlosigkeit (auch: Opportunismus, fauler Kompromiss). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Familie

Bei der Planung der Hochzeit ihrer Tochter gibt eine Mutter in allen Fragen zu Farben, Menü und Musik vollständig nach, obwohl sie vieles anders gemacht hätte. In reinen Geschmacksfragen ist es Größe, keine eigene Linie zu verteidigen – es ist nicht ihr Fest.

Kunst, Kultur & Sport

Ein Chorleiter ist mit seinem Chor bei einem Partnerchor zu Gast und passt sich bei Aufstellung, Probenablauf und Konzertkleidung ganz dessen Gewohnheiten an. Wo es nur um Form und Stil geht, ist Anpassung ohne eigene Bedingungen ein Zeichen von Respekt gegenüber den Gastgebern.

Woran man den Unterschied erkennt

Völliges Nachgeben ist vertretbar, solange es um Geschmack, Form und eigene Vorlieben geht und niemandem dadurch Unrecht geschieht. Die Grenze ist erreicht, sobald Wahrheit, Recht oder die Würde eines Menschen auf dem Spiel stehen – wer dann „um des Friedens willen“ nachgibt, schließt einen faulen Kompromiss.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Soziologie

Dass Kompromissfähigkeit Integrität als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Integrität.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    1. Mose 13,8–9

    Abram zu Lot: „Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Gebrüder.“ Er lässt Lot die Wahl: „Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten“.

  2. 4. Jh. v. Chr.
    Philosophie
    Aristoteles

    Die Billigkeit korrigiert die starre Regel im Einzelfall, Nikomachische Ethik V

  3. 1. Jh.
    Neues Testament
    Apostelgeschichte 15,28

    Das Apostelkonzil findet einen Weg zwischen Juden- und Heidenchristen: „Denn es gefällt dem heiligen Geiste und uns, euch keine Beschwerung mehr aufzulegen als nur diese nötigen Stücke“ – fest im Evangelium, beweglich in allem anderen.

    Römer 14,19

    „Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und was zur Besserung untereinander dient.“

  4. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    Streit um den Vergleich vor Gericht: Rabbi Elieser, Sohn des Rabbi Jose Hagelili, lehnt ihn ab – „das Recht durchbohre den Berg“; Rabbi Jehoschua ben Korcha nennt ihn ein Gebot, denn Sacharja 8,16 verlange Recht und Frieden, und ein Recht, in dem Frieden ist, sei der Vergleich, Sanhedrin 6b

  5. 1919
    Soziologie
    Max Weber

    Politik ist „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“, Politik als Beruf, 1919

  6. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung1 Metaanalyse · 2000 · mit Grenzen der Forschung
1 Metaanalyse2000 Jahr
  1. 2000
    Metaanalyse

    Eine Metaanalyse zu Verhandlungen zeigte: Am ehesten kommen Lösungen zustande, die beiden Seiten nützen, wenn die Verhandelnden sowohl das Wohl der anderen Seite im Blick haben als auch nicht vorschnell nachgeben – Kompromissfähigkeit und Standhaftigkeit gehören zusammen. Für Führung heißt das: Kompromisse in Sachfragen offen begründen – und Grundsätze nicht stillschweigend zur Verhandlungsmasse machen.

    De Dreu, Weingart & Kwon, 2000
Wo die Forschung an Grenzen stößt

Eine Grenze des Kompromisses zeigt eine Studienreihe mit fast 6.000 Teilnehmenden: Wer eine moralisch begründete Position aufgibt, gilt schnell als heuchlerisch und weniger wirksam; pragmatisch begründete Kurswechsel werden dagegen nicht bestraft (Kreps, Laurin & Merritt, 2017).

Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Welche drei Dinge sind für dich nicht verhandelbar – und weiß dein Team das?
  2. Wo kämpfst du um eine Formfrage, als ginge es um dein Gewissen?
  3. Wann hast du zuletzt einen Kompromiss geschlossen, den du heute nicht mehr vertreten kannst?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Wertewappen

Kompromissfähigkeit im Wappen

Farbe im Wappen: Silber

  • SymbolBrücke

    In der Heraldik verbindet die Brücke zwei Ufer und kennzeichnet den Vermittler, der Getrenntes zusammenführt. Wählst du sie, zeigt dein Wappen, dass du Wege zwischen gegensätzlichen Standpunkten baust und andere zueinander bringst.

  • oder als AlternativeZwei verschlungene Ringe

    Zwei verschlungene Ringe stehen für den Bund zweier Seiten, und der Ring gilt seit alters als Zeichen der Treue. Das Symbol passt zu dir, wenn du Einigungen nicht nur aushandelst, sondern auch treu zu ihnen stehst.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Kompromissfähigkeit

Was bedeutet Kompromissfähigkeit?

Gemeinsam mit anderen eine Lösung finden, mit der beide Seiten leben können – nachgeben in Form, Tempo und Umfang, ohne den Kern der eigenen Überzeugungen preiszugeben. Der Ich-Satz dazu: „Ich suche eine Lösung, mit der auch die andere Seite leben kann.“

Zu welchem Zielwert gehört Kompromissfähigkeit?

Kompromissfähigkeit ist die Schwestertugend zu Integrität (1). Zum Zielwert: Gemeint ist die Übereinstimmung von Worten, Werten und Taten. Hilfreich, weil Menschen einer Führungskraft vor allem dann vertrauen, wenn ihre Worte und Taten zusammenpassen.

Was ist die Übertreibung von Kompromissfähigkeit?

Prinzipienlosigkeit (auch: Opportunismus, fauler Kompromiss). Verneinung der Integrität und zugleich überzogene Kompromissfähigkeit. Grenzwertig, weil eine Führungskraft, die auch ihren Kern zur Verhandlung stellt, kein Vertrauen aufbaut.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Völliges Nachgeben ist vertretbar, solange es um Geschmack, Form und eigene Vorlieben geht und niemandem dadurch Unrecht geschieht. Die Grenze ist erreicht, sobald Wahrheit, Recht oder die Würde eines Menschen auf dem Spiel stehen – wer dann „um des Friedens willen“ nachgibt, schließt einen faulen Kompromiss.

Was sagt die Forschung zu Kompromissfähigkeit?

Eine Metaanalyse zu Verhandlungen zeigte: Am ehesten kommen Lösungen zustande, die beiden Seiten nützen, wenn die Verhandelnden sowohl das Wohl der anderen Seite im Blick haben als auch nicht vorschnell nachgeben – Kompromissfähigkeit und Standhaftigkeit gehören zusammen (De Dreu, Weingart & Kwon, 2000).

Welche Beispiele gibt es für Kompromissfähigkeit?

Zum Beispiel: David Trimble und John Hume (Karfreitagsabkommen), Volkswagen und IG Metall (Vier-Tage-Woche).

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