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Beispiel zum WertKompromissfähigkeit (S1)

Wirtschaft

Wie Volkswagen und die IG Metall 1993 mit der Vier-Tage-Woche 30.000 Stellen retteten

In der Absatzkrise 1993 verkürzten VW und IG Metall die Arbeitszeit um ein Fünftel, statt massenhaft zu entlassen.

Zwei Formen mit eigenem Kern geben an ihrer Berührungsstelle beide nach, dort leuchtet eine goldene Naht. Gibt die eine alles her, löst sich ihr Kern auf – bis er sich wieder sammelt und die Naht zwischen zwei ganzen Formen hält.
Kurz gesagt

In der Absatzkrise 1993 verkürzten VW und IG Metall die Arbeitszeit um ein Fünftel, statt massenhaft zu entlassen. Beide Seiten gaben nach – keine gab ihren Kern auf.

1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Volkswagen erlebte Anfang der 1990er-Jahre einen scharfen Einbruch beim Autoabsatz; der Abbau von rund 30.000 Stellen stand im Raum. Statt den Konflikt auszufechten, suchten Unternehmen und IG Metall eine Lösung, die Arbeitsplätze und Kosten zugleich berücksichtigte. Daran lässt sich ablesen, wie Kompromissfähigkeit in Tarifverhandlungen aussehen kann.

Fünf Spalten aus Punkten, die fünfte bleibt frei, und alle Punkte bleiben im goldenen Rahmen – wie die Vier-Tage-Woche bei VW.
Fünf Spalten aus Punkten, die fünfte bleibt frei, und alle Punkte bleiben im goldenen Rahmen – wie die Vier-Tage-Woche bei VW.

Weniger Arbeit, keine Kündigungen

Situation
Im Dezember 1993 unterzeichneten VW und IG Metall einen Tarifvertrag zur Sicherung von Standorten und Beschäftigung. Die Wochenarbeitszeit sank von 36 auf 28,8 Stunden an vier Tagen, ein Minus von 20 Prozent. Im Gegenzug wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen; der Abbau von 30.000 Stellen wurde vermieden.
Bezug zum Wert
Das Unternehmen verzichtete auf Entlassungen, die Gewerkschaft auf die bisherige Arbeitszeit. Jede Seite bekam ihr Wichtigstes – Kostensenkung hier, Arbeitsplatzsicherheit dort.

Wer zahlt den Preis?

Situation
Die Monatsentgelte blieben nominal gleich, weil das 13. Monatsgehalt und zwei Drittel des Urlaubsgelds auf die Monate umgelegt wurden; VW legte rund 2 Prozent dazu. Das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen sank trotzdem um 16 Prozent. Der Vertrag wurde 1995 und 1997 mit kleinen Änderungen verlängert.
Bezug zum Wert
Ein echter Kompromiss verteilt Lasten sichtbar. Die Beschäftigten trugen einen Teil der Krise über ihr Einkommen – aber sie behielten ihre Stellen.

Kurskorrektur nach fünf Jahren

Situation
Im Januar 1999 kündigte VW an, in Wolfsburg zum klassischen Dreischichtmodell zurückzukehren. Den Anstoß gab der Betriebsrat: Die rund 150 verschiedenen Arbeitszeitmodelle hatten soziale Probleme verursacht, bis hin zu höheren Scheidungsraten und Belastungen in Nachbarschaften. Ein Flugblatt des Betriebsrats forderte, das ständige Durcheinander zu beenden.
Bezug zum Wert
Kompromisse sind keine Ewigkeitslösungen. Kompromissfähig ist auch, wer eine Lösung wieder aufschnürt, wenn ihre Nebenwirkungen zu groß werden.
Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Interessen statt PositionenFrag, was die andere Seite wirklich braucht – nicht, was sie fordert.
  2. Lasten offen teilenEin Kompromiss trägt, wenn jeder sieht, was er gibt und was er bekommt.
  3. Nachsteuern erlaubenVereinbare Lösungen auf Zeit und überprüfe ihre Folgen.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Kompromissfähigkeit steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Integrität.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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