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S48Schwestertugend zu Exzellenz

Pragmatismus

„Ich finde machbare Lösungen.“

Das Machbare erkennen und tun – Lösungen wählen, die mit vertretbarem Aufwand tragen, und dabei klar unterscheiden, wo „gut genug“ wirklich genügt und wo nicht.

Raue Formen kommen herein, werden zügig brauchbar gemacht und golden in eine Reihe gestellt. Werden sie immer nachlässiger, kommen sie mit Lücken an und zerfallen – bis eine Form dort, wo es zählt, rein ausgearbeitet wird.
Kurz gesagt

Ich finde machbare Lösungen.

Was Pragmatismus bedeutetDas Machbare erkennen und tun – Lösungen wählen, die mit vertretbarem Aufwand tragen, und dabei klar unterscheiden, wo „gut genug“ wirklich genügt und wo nicht.

Umfasst auchUnkompliziertheitHands-on-Mentalität

Die Wertematrix

Pragmatismus im Gleichgewicht

Pragmatismus braucht Exzellenz als Gegengewicht. Zu viel Pragmatismus wird zu Mittelmaß – der Weg zurück führt über Exzellenz.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S48

Pragmatismus

„Ich finde machbare Lösungen.“

auch Praktikabilität, Lösungs­orien­tie­rung

Gemeint ist der Sinn für das, was mit vertretbarem Aufwand geht. Hilfreich, weil Exzellenz ohne Pragmatismus nie fertig wird.

In Balance mit: Exzellenz. Zu viel davon: Mittelmaß. Verneint durch: Perfektionismus.

Zielwert 48

Exzellenz

„Ich will, dass es wirklich gut wird.“

auch Spitzen­leis­tung, Meister­schaft

Gemeint ist das Streben nach hoher Qualität und Meisterschaft. Hilfreich, weil Qualität Kunden, Mitarbeitende und den eigenen Anspruch ernst nimmt.

In Balance mit: Pragmatismus. Zu viel davon: Perfektionismus. Verneint durch: Mittelmaß.

Zur Seite Exzellenz

Übertreibung von Pragmatismus

Mittelmaß

„Passt schon.“

auch Halbherzig­keit, Schlendrian

Gegenwort zur Exzellenz und zugleich überzogener Pragmatismus. Grenzwertig, weil Qualität und Stolz auf die eigene Arbeit verloren gehen.

Übertreibung von: Pragmatismus. Verneinung von: Exzellenz. Entwicklungsrichtung: Exzellenz.

Übertreibung von Exzellenz

Perfek­tionismus

„Es ist noch nicht perfekt.“

auch Goldrand­lö­sung, Detail­ver­liebtheit

Gegenwort zum Pragmatismus und zugleich überzogene Exzellenz. Grenzwertig, weil Ergebnisse zu spät kommen und Menschen sich nie genügen.

Übertreibung von: Exzellenz. Verneinung von: Pragmatismus. Entwicklungsrichtung: Pragmatismus.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffePragmatismus · Exzellenz · Mittelmaß · Perfektionismus

Schwestertugend

Pragmatismus

auch Praktikabilität · Lösungsorientierung

Gemeint ist der Sinn für das, was mit vertretbarem Aufwand geht. Hilfreich, weil Exzellenz ohne Pragmatismus nie fertig wird.

Zielwert

Exzellenz

auch Spitzenleistung · Meisterschaft

Gemeint ist das Streben nach hoher Qualität und Meisterschaft. Hilfreich, weil Qualität Kunden, Mitarbeitende und den eigenen Anspruch ernst nimmt.

Übertreibung von Pragmatismus

Mittelmaß

auch Halbherzigkeit · Schlendrian

Gegenwort zur Exzellenz und zugleich überzogener Pragmatismus. Grenzwertig, weil Qualität und Stolz auf die eigene Arbeit verloren gehen.

Der Weg heraus: Richtung Exzellenz

Übertreibung von Exzellenz

Perfektionismus

auch Goldrandlösung · Detailverliebtheit

Gegenwort zum Pragmatismus und zugleich überzogene Exzellenz. Grenzwertig, weil Ergebnisse zu spät kommen und Menschen sich nie genügen.

Der Weg heraus: Richtung Pragmatismus

Die ÜbertreibungWann Mittelmaß sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung des Pragmatismus heißt Mittelmaß (auch: Halbherzigkeit, Schlendrian). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Wirtschaft

Ein junges Unternehmen gibt Testkunden eine erste, sichtbar unfertige Version seiner Software – mit Lücken, die jeder Entwickler bemängeln würde. Nur echte Nutzer zeigen, welche Funktionen überhaupt gebraucht werden; Feinschliff vorher wäre verschwendet.

Bildung

Nach einem Wasserschaden im Schulgebäude wird der Unterricht in Turnhalle und Gemeindesaal fortgesetzt, mit Behelfstafeln und ohne die gewohnten Materialien. Durchschnittlicher Unterricht ist für ein paar Wochen besser als gar keiner.

Woran man den Unterschied erkennt

Das bewusst Mittelmäßige trägt, wo Tempo, Lernen oder Überbrückung wichtiger sind als Vollendung und alle wissen, dass es ein Provisorium ist. Die Grenze ist erreicht, wo das Provisorium bleibt oder an Sicherheit, Recht und Menschen gespart wird – dann ist es Pfusch.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · Philosophie · Jüdische Auslegung · Literatur

Dass Pragmatismus Exzellenz als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Exzellenz.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    Prediger 11,4

    „Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.“ – Wer auf perfekte Bedingungen wartet, bringt nichts zustande.

    Nehemia 4,10–11

    Beim Mauerbau unter Bedrohung arbeitet die Hälfte der Leute am Bau, die andere hält Wache; die Lastträger arbeiten „mit einer Hand“ und halten „mit der andern“ die Waffe – eine Lösung für die Lage, nicht für das Lehrbuch.

  2. 4. Jh. v. Chr.
    Philosophie
    Aristoteles

    Der Gebildete verlangt in jedem Gebiet nur so viel Genauigkeit, wie die Natur der Sache zulässt, Nikomachische Ethik I

  3. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    Rava begründet eine lebensnahe Erleichterung beim Gebet: „Die Tora wurde nicht den Dienstengeln gegeben“, Berakhot 25b

  4. 1772
    Literatur
    Voltaire

    „Das Bessere ist der Feind des Guten“ – in Voltaires Verserzählung „La Bégueule“ (1772) einem italienischen Weisen zugeschrieben

  5. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien · 2002–2006
2 Studien2002–2006 Zeitraum
  1. 2002
    Studie

    Menschen, die bei Entscheidungen stets das Beste suchen („Maximierer“), berichteten in mehreren Studien weniger Glück, Optimismus und Lebenszufriedenheit sowie mehr Bedauern als „Satisficer“, die sich mit dem zufriedengeben, was ihre Kriterien erfüllt.

    Schwartz et al., 2002
  2. 2006
    Studie

    Bei Hochschulabsolventen auf Jobsuche erzielten Maximierer zwar rund 20 % höhere Einstiegsgehälter, waren aber unzufriedener mit ihrer Stelle und erlebten die Suche negativer. „Gut genug“ kann also zufriedener machen – auch wenn das messbare Ergebnis etwas geringer ausfällt.

    Iyengar, Wells & Schwartz, 2006
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Welche deiner Entscheidungen ist eigentlich eine „Tür in beide Richtungen“ – und warum behandelst du sie wie eine endgültige?
  2. Wo nennst du etwas pragmatisch, das in Wahrheit bequem ist?
  3. Hast du deinem Team klar gesagt, wo „gut genug“ reicht und wo ihr keinen Abstrich macht?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Wertewappen

Pragmatismus im Wappen

Farbe im Wappen: Grün

  • SymbolEsel

    Der Esel ist genügsam und trittsicher und trägt geduldig die Last, auch auf steinigen Wegen. Er steht für einen bodenständigen Pragmatismus, wenn du ohne großes Aufheben anpackst und tust, was nötig ist.

  • oder als AlternativeBrot und Fische

    Brot und Fische sind einfache Speisen, doch wer das Wenige teilt, merkt oft, dass es für mehr reicht als gedacht. Damit zeigst du, dass du mit dem arbeitest, was da ist, statt auf perfekte Bedingungen zu warten.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

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Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Pragmatismus

Was bedeutet Pragmatismus?

Das Machbare erkennen und tun – Lösungen wählen, die mit vertretbarem Aufwand tragen, und dabei klar unterscheiden, wo „gut genug“ wirklich genügt und wo nicht. Der Ich-Satz dazu: „Ich finde machbare Lösungen.“

Zu welchem Zielwert gehört Pragmatismus?

Pragmatismus ist die Schwestertugend zu Exzellenz (48). Zum Zielwert: Gemeint ist das Streben nach hoher Qualität und Meisterschaft. Hilfreich, weil Qualität Kunden, Mitarbeitende und den eigenen Anspruch ernst nimmt.

Was ist die Übertreibung von Pragmatismus?

Mittelmaß (auch: Halbherzigkeit, Schlendrian). Gegenwort zur Exzellenz und zugleich überzogener Pragmatismus. Grenzwertig, weil Qualität und Stolz auf die eigene Arbeit verloren gehen.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Das bewusst Mittelmäßige trägt, wo Tempo, Lernen oder Überbrückung wichtiger sind als Vollendung und alle wissen, dass es ein Provisorium ist. Die Grenze ist erreicht, wo das Provisorium bleibt oder an Sicherheit, Recht und Menschen gespart wird – dann ist es Pfusch.

Was sagt die Forschung zu Pragmatismus?

Menschen, die bei Entscheidungen stets das Beste suchen („Maximierer“), berichteten in mehreren Studien weniger Glück, Optimismus und Lebenszufriedenheit sowie mehr Bedauern als „Satisficer“, die sich mit dem zufriedengeben, was ihre Kriterien erfüllt (Schwartz et al., 2002).

Welche Beispiele gibt es für Pragmatismus?

Zum Beispiel: Deng Xiaoping (Vizepremier, später Chinas führender Politiker), Jeff Bezos (Amazon).

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