Sinnorientierung im Gleichgewicht
Sinnorientierung braucht Bodenständigkeit als Gegengewicht. Zu viel Sinnorientierung wird zu Abgehobenheit – der Weg zurück führt über Bodenständigkeit.
Begriffe erklärt
Zielwert 33
Sinnorientierung
„Ich verbinde die Arbeit mit einem größeren Warum.“
auch Sinnstiftung, Purpose
Gemeint ist das Wissen, wozu etwas getan wird, und das Teilen dieses Sinns. Hilfreich, weil Menschen mehr geben, wenn sie verstehen, wofür.
In Balance mit: Bodenständigkeit. Zu viel davon: Abgehobenheit. Verneint durch: Sinnvergessenheit.
Schwestertugend S33
Bodenständigkeit
„Ich bleibe auf dem Boden und kümmere mich um das Naheliegende.“
auch Erdung, Praxisnähe
Gemeint ist Nüchternheit und Verwurzelung im Alltag. Hilfreich, weil großer Sinn sich im Kleinen bewähren muss.
In Balance mit: Sinnorientierung. Zu viel davon: Sinnvergessenheit. Verneint durch: Abgehobenheit.
Zur Seite BodenständigkeitÜbertreibung von Sinnorientierung
Abgehobenheit
„Wir retten hier die Welt.“
auch Weltfremdheit, Sinnüberhöhung
Gegenbegriff zur Bodenständigkeit und zugleich überzogene Sinnorientierung. Grenzwertig, weil hohe Worte zynisch wirken, wenn der Alltag nicht stimmt.
Übertreibung von: Sinnorientierung. Verneinung von: Bodenständigkeit. Entwicklungsrichtung: Bodenständigkeit.
Übertreibung von Bodenständigkeit
Sinnvergessenheit
„Es ist halt ein Job.“
auch Krämergeist, Sinnleere
Gegenwort zur Sinnorientierung und zugleich überzogene Bodenständigkeit. Grenzwertig, weil Arbeit ohne Warum Motivation und Bindung kostet.
Übertreibung von: Bodenständigkeit. Verneinung von: Sinnorientierung. Entwicklungsrichtung: Sinnorientierung.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeSinnorientierung · Bodenständigkeit · Abgehobenheit · Sinnvergessenheit
Zielwert
Sinnorientierung
auch Sinnstiftung · Purpose
Gemeint ist das Wissen, wozu etwas getan wird, und das Teilen dieses Sinns. Hilfreich, weil Menschen mehr geben, wenn sie verstehen, wofür.
Schwestertugend
Bodenständigkeit
auch Erdung · Praxisnähe
Gemeint ist Nüchternheit und Verwurzelung im Alltag. Hilfreich, weil großer Sinn sich im Kleinen bewähren muss.
Übertreibung von Sinnorientierung
Abgehobenheit
auch Weltfremdheit · Sinnüberhöhung
Gegenbegriff zur Bodenständigkeit und zugleich überzogene Sinnorientierung. Grenzwertig, weil hohe Worte zynisch wirken, wenn der Alltag nicht stimmt.
Der Weg heraus: Richtung Bodenständigkeit
Übertreibung von Bodenständigkeit
Sinnvergessenheit
auch Krämergeist · Sinnleere
Gegenwort zur Sinnorientierung und zugleich überzogene Bodenständigkeit. Grenzwertig, weil Arbeit ohne Warum Motivation und Bindung kostet.
Der Weg heraus: Richtung Sinnorientierung
Die ÜbertreibungWann Abgehobenheit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Sinnorientierung heißt Abgehobenheit (auch: Weltfremdheit, Sinnüberhöhung). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Ein Grundlagenforscher arbeitet an einer Frage, deren praktischen Nutzen er selbst nicht benennen kann, und hält daran fest, auch wenn Gutachter nach Anwendungen fragen. Viele spätere Durchbrüche begannen mit Forschung, die zunächst weltfremd wirkte.
Eine kleine Klostergemeinschaft hält an ihrem Stundengebet fest, auch wenn Besucher fragen, wozu das gut sein soll. Ihr Auftrag ist gerade das Zeugnis, dass nicht alles einen sichtbaren Zweck haben muss.
Abgehobenheit trägt, wo der Auftrag selbst jenseits des unmittelbar Nützlichen liegt und andere für die praktische Seite sorgen. Sie schadet, sobald Menschen mit ihren konkreten Nöten übersehen werden oder große Worte das Handeln ersetzen.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Philosophie · Neues Testament · Jüdische Auslegung
Dass Sinnorientierung Bodenständigkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentPrediger
„Es ist alles ganz eitel“ – die biblische Klage über ein Leben, das seinen Sinn nicht findet, Prediger 1,2
Prediger 3,11Gott hat den Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt – der Mensch fragt über den Augenblick hinaus nach dem Ganzen.
- 5. Jh. v. Chr.ChinaKonfuzius
„Mit fünfzig kannte ich den Auftrag des Himmels“, Lunyu 2.4
- 4. Jh. v. Chr.PhilosophieAristoteles
Alles Handeln zielt auf ein Gut, und es gibt ein höchstes Ziel, um dessentwillen alles andere gewollt wird, Nikomachische Ethik I
- 1. Jh.Neues TestamentKolosser 3,23
„Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen.“ Auch die alltägliche Arbeit bekommt so einen größeren Bezugspunkt.
- um 200Jüdische AuslegungMischna
„Alle deine Taten sollen um des Himmels willen geschehen“, Pirkei Avot 2,12
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Vom letzten Ziel des menschlichen Lebens, I-II q. 1
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung3 Studien · 1997–2009
- 2007
Spendenwerber einer Universität, die nur fünf Minuten mit einem Stipendiaten sprachen, der von ihrer Arbeit profitierte, telefonierten einen Monat später 142 Prozent länger und warben 171 Prozent mehr Geld ein.
Grant et al., 2007 - 1997
Menschen, die ihre Arbeit als Berufung erleben, berichten von höherer Lebens- und Arbeitszufriedenheit als jene, die sie als bloßen Job sehen.
Wrzesniewski et al., 1997 - 2009
Doch Sinn hat eine Schattenseite: Tierpflegerinnen und -pfleger mit starkem Berufungserleben waren eher bereit, Gehalt, Freizeit und Komfort zu opfern – ein „zweischneidiges Schwert“.
Bunderson & Thompson, 2009
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Kannst du in zwei Sätzen sagen, wozu dein Team da ist – und würde dein Team dasselbe sagen?
- Wann hat dein Team zuletzt erlebt, für wen es eigentlich arbeitet?
- Und wo benutzt du großen Sinn, um von anderen mehr Opfer zu verlangen, als fair ist?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Sinnorientierung in der Praxis aus
Viktor Frankl (Logotherapie)
Der Wiener Psychiater überlebte mehrere Konzentrationslager und beschrieb danach, wie sehr ein „Warum“ Menschen tragen kann.
Earl Bakken (Medtronic)
Der Mitgründer des Medizintechnikherstellers Medtronic schrieb 1960 einen Auftrag nieder, der unverändert gilt – und sorgte dafür, dass die Beschäftigten ihn jedes Jahr an echten Menschen erleben.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenSinnorientierung im Wappen
Farbe im Wappen: Blau
- SymbolLeitstern
Ein Leitstern steht fest am Himmel, und seit jeher orientieren sich Reisende und Seefahrer an ihm. Mit ihm sagt dein Wappen, dass du dich an einem höheren Ziel ausrichtest, das größer ist als dein eigener Erfolg.
- oder als AlternativeWindrose
Die Windrose auf Karten und Kompassen zeigt alle Himmelsrichtungen und hilft, den Kurs zu bestimmen. Wählst du sie, steht dein Wappen dafür, dass du immer wieder fragst, wohin es gehen soll, und deinem Team Orientierung gibst.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung