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S43Schwestertugend zu Veränderungsbereitschaft

Traditions­bewusst­sein

„Ich bewahre, was sich bewährt hat.“

Geschichte, Werte und gewachsene Stärken kennen und achten, an ihnen festhalten, wo sie tragen – und Wandel so gestalten, dass Menschen ihre Wurzeln darin wiedererkennen.

Eine Form schlägt goldene Wurzeln und steht fest, während die Zeit an ihr vorbeiströmt. Wachsen die Wurzeln über sie hinweg, erstarrt sie und der Strom zieht ohne sie weiter – bis aus ihrer Krone ein neuer Trieb der Bewegung entgegenwächst.
Kurz gesagt

Ich bewahre, was sich bewährt hat.

Was Traditionsbewusstsein bedeutetGeschichte, Werte und gewachsene Stärken kennen und achten, an ihnen festhalten, wo sie tragen – und Wandel so gestalten, dass Menschen ihre Wurzeln darin wiedererkennen.

Umfasst auchKontinuitätVerwurzelungBrauchtum

Die Wertematrix

Traditionsbewusstsein im Gleichgewicht

Traditionsbewusstsein braucht Veränderungsbereitschaft als Gegengewicht. Zu viel Traditionsbewusstsein wird zu Veränderungsunwilligkeit – der Weg zurück führt über Veränderungsbereitschaft.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S43

Tradi­tions­bewusstsein

„Ich bewahre, was sich bewährt hat.“

auch Herkunfts­bewusstsein, Geschichts­bewusstsein

Gemeint ist Respekt vor Geschichte, Werten und gewachsenen Stärken. Hilfreich, weil Wandel ohne Wurzeln die Identität und das Vertrauen der Menschen zerstört.

In Balance mit: Veränderungsbereitschaft. Zu viel davon: Veränderungsunwilligkeit. Verneint durch: Traditionslosigkeit.

Zielwert 43

Veränderungs­bereitschaft

„Ich gestalte Wandel aktiv.“

auch Wandlungs­fähigkeit, Aufbruchs­bereitschaft

Gemeint ist die Bereitschaft, Bewährtes in Frage zu stellen und Neues einzuführen. Hilfreich, weil Märkte, Technik und Gesellschaft sich schneller ändern als Organisationen.

In Balance mit: Traditionsbewusstsein. Zu viel davon: Traditionslosigkeit. Verneint durch: Veränderungsunwilligkeit.

Zur Seite Veränderungsbereitschaft

Übertreibung von Traditionsbewusstsein

Veränderungs­un­willigkeit

„Früher war alles besser.“

auch Besitzstands­denken, Nostalgie

Verneinung der Veränderungsbereitschaft und zugleich überzogenes Traditionsbewusstsein. Grenzwertig, weil die Organisation den Anschluss verliert.

Übertreibung von: Traditionsbewusstsein. Verneinung von: Veränderungsbereitschaft. Entwicklungsrichtung: Veränderungsbereitschaft.

Übertreibung von Veränderungsbereitschaft

Tradi­tions­losigkeit

„Alles Alte muss weg.“

auch Geschichts­vergessenheit, Neuerungs­sucht

Verneinung des Traditionsbewusstseins und zugleich überzogene Veränderungsbereitschaft. Grenzwertig, weil Dauerwandel erschöpft und Bewährtes ohne Not zerstört wird.

Übertreibung von: Veränderungsbereitschaft. Verneinung von: Traditionsbewusstsein. Entwicklungsrichtung: Traditionsbewusstsein.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeTraditionsbewusstsein · Veränderungsbereitschaft · Veränderungsunwilligkeit · Traditionslosigkeit

Schwestertugend

Traditions­bewusst­sein

auch Herkunftsbewusstsein · Geschichtsbewusstsein

Gemeint ist Respekt vor Geschichte, Werten und gewachsenen Stärken. Hilfreich, weil Wandel ohne Wurzeln die Identität und das Vertrauen der Menschen zerstört.

Zielwert

Veränderungs­bereit­schaft

auch Wandlungsfähigkeit · Aufbruchsbereitschaft

Gemeint ist die Bereitschaft, Bewährtes in Frage zu stellen und Neues einzuführen. Hilfreich, weil Märkte, Technik und Gesellschaft sich schneller ändern als Organisationen.

Übertreibung von Traditionsbewusstsein

Veränderungsunwilligkeit

auch Besitzstandsdenken · Nostalgie

Verneinung der Veränderungsbereitschaft und zugleich überzogenes Traditionsbewusstsein. Grenzwertig, weil die Organisation den Anschluss verliert.

Der Weg heraus: Richtung Veränderungsbereitschaft

Übertreibung von Veränderungsbereitschaft

Traditionslosigkeit

auch Geschichtsvergessenheit · Neuerungssucht

Verneinung des Traditionsbewusstseins und zugleich überzogene Veränderungsbereitschaft. Grenzwertig, weil Dauerwandel erschöpft und Bewährtes ohne Not zerstört wird.

Der Weg heraus: Richtung Traditionsbewusstsein

Die ÜbertreibungWann Veränderungsunwilligkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung des Traditionsbewusstseins heißt Veränderungsunwilligkeit (auch: Besitzstandsdenken, Nostalgie). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Glaube & Kirche

Bei der Trauerfeier für den Vater besteht die Familie darauf, dass alles so abläuft wie bei den Großeltern – dieselben Lieder, dieselben Gebete, dieselbe Reihenfolge –, obwohl die Pfarrerin neuere Formen vorschlägt. In der Erschütterung gibt gerade das Unveränderte Halt.

Kunst, Kultur & Sport

Ein Steinmetz restauriert die Fassade eines denkmalgeschützten Doms ausschließlich mit überlieferten Werkzeugen und Techniken und lehnt modernere Verfahren ab. Wo das Bewahren selbst der Auftrag ist, ist Beharren auf dem Alten fachliche Treue.

Woran man den Unterschied erkennt

Beharren trägt, wo das Bewahren selbst der Auftrag ist oder Menschen in einer Krise Halt brauchen. Es schadet, wenn es nur Besitzstände sichert und Notwendiges verhindert, weil es ungewohnt ist.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Literatur

Dass Traditionsbewusstsein Veränderungsbereitschaft als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Veränderungsbereitschaft.

  1. 10.–2. Jh. v. Chr.
    Altes Testament
    Jeremia 6,16

    „Tretet auf die Wege und schauet und fraget nach den vorigen Wegen, welches der gute Weg sei, und wandelt darin.“

    5. Mose 32,7

    „Gedenke der vorigen Zeit … Frage deinen Vater, der wird dir’s verkündigen, deine Ältesten, die werden dir’s sagen.“

  2. 5. Jh. v. Chr.
    China
    Konfuzius

    „Ich überliefere und erfinde nicht; ich vertraue dem Alten und liebe es“, Lunyu 7.1

  3. 1. Jh.
    Neues Testament
    Matthäus 13,52

    „Ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt“ – kein Entweder-oder.

  4. um 200
    Jüdische Auslegung
    Pirkei Avot

    Die Kette der Überlieferung von Mose über Josua, die Ältesten und die Propheten bis zur Großen Versammlung, Avot 1,1

  5. 1929
    Literatur
    G. K. Chesterton

    Die Parabel vom Zaun: Man soll einen Zaun erst entfernen, wenn man weiß, warum er errichtet wurde – The Thing, 1929

  6. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien · 2002–2019
2 Studien2002–2019 Zeitraum
  1. 2019
    Experiment

    Wer Wandel als Fortsetzung beschreibt, gewinnt mehr Unterstützung: In einer Feldstudie und einem Experiment stärkte eine „Vision der Kontinuität“, die betont, was bleibt, das Gefühl, dass das Wesen der Organisation erhalten bleibt – und dieses Gefühl förderte die Unterstützung für den Wandel, vor allem bei Beschäftigten mit hoher Unsicherheit.

    Venus, Stam & van Knippenberg, 2019
  2. 2002
    Studie

    Nach Fusionen identifizierten sich Mitarbeitende eher mit der neuen Organisation, wenn sie ihre bisherige Identität darin fortgesetzt sahen; Beschäftigte der „übernommenen“ Seite taten sich damit deutlich schwerer.

    van Knippenberg, van Knippenberg, Monden & de Lima, 2002
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Welche Geschichte, welches Ritual, welcher Wert hat dein Team stark gemacht – und wie gut kennst du diese Wurzeln wirklich?
  2. Wo hältst du an Gewohntem fest, nur weil es bequem ist?
  3. Wenn du Veränderungen ankündigst: Sagst du auch, was bleibt?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Welche Werte tragen deine Führung?

In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.

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Wertewappen

Traditionsbewusstsein im Wappen

Farbe im Wappen: Schwarz

  • SymbolGedenksteine

    Aufgerichtete Gedenksteine halten fest, was geschehen ist, und bringen spätere Generationen dazu, nach ihrer Bedeutung zu fragen. Du hältst so die Geschichten wach, aus denen dein Team kommt, und erzählst sie weiter, damit die Nächsten verstehen.

  • oder als AlternativeSchriftrolle

    Die Schriftrolle steht für Überlieferung, die man sich zu Herzen nimmt und an die Kinder weitergibt. Damit bewahrst du, was sich bewährt hat, und gibst Werte und Erfahrung bewusst an die nächste Generation weiter.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Traditionsbewusstsein

Was bedeutet Traditionsbewusstsein?

Geschichte, Werte und gewachsene Stärken kennen und achten, an ihnen festhalten, wo sie tragen – und Wandel so gestalten, dass Menschen ihre Wurzeln darin wiedererkennen. Der Ich-Satz dazu: „Ich bewahre, was sich bewährt hat.“

Zu welchem Zielwert gehört Traditionsbewusstsein?

Traditionsbewusstsein ist die Schwestertugend zu Veränderungsbereitschaft (43). Zum Zielwert: Gemeint ist die Bereitschaft, Bewährtes in Frage zu stellen und Neues einzuführen. Hilfreich, weil Märkte, Technik und Gesellschaft sich schneller ändern als Organisationen.

Was ist die Übertreibung von Traditionsbewusstsein?

Veränderungsunwilligkeit (auch: Besitzstandsdenken, Nostalgie). Verneinung der Veränderungsbereitschaft und zugleich überzogenes Traditionsbewusstsein. Grenzwertig, weil die Organisation den Anschluss verliert.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Beharren trägt, wo das Bewahren selbst der Auftrag ist oder Menschen in einer Krise Halt brauchen. Es schadet, wenn es nur Besitzstände sichert und Notwendiges verhindert, weil es ungewohnt ist.

Was sagt die Forschung zu Traditionsbewusstsein?

Wer Wandel als Fortsetzung beschreibt, gewinnt mehr Unterstützung: In einer Feldstudie und einem Experiment stärkte eine „Vision der Kontinuität“, die betont, was bleibt, das Gefühl, dass das Wesen der Organisation erhalten bleibt – und dieses Gefühl förderte die Unterstützung für den Wandel, vor allem bei Beschäftigten mit hoher Unsicherheit (Venus, Stam & van Knippenberg, 2019).

Welche Beispiele gibt es für Traditionsbewusstsein?

Zum Beispiel: Jørgen Vig Knudstorp (LEGO), Philippe Villeneuve (Notre-Dame de Paris).

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