Veränderungsbereitschaft im Gleichgewicht
Veränderungsbereitschaft braucht Traditionsbewusstsein als Gegengewicht. Zu viel Veränderungsbereitschaft wird zu Traditionslosigkeit – der Weg zurück führt über Traditionsbewusstsein.
Begriffe erklärt
Zielwert 43
Veränderungsbereitschaft
„Ich gestalte Wandel aktiv.“
auch Wandlungsfähigkeit, Aufbruchsbereitschaft
Gemeint ist die Bereitschaft, Bewährtes in Frage zu stellen und Neues einzuführen. Hilfreich, weil Märkte, Technik und Gesellschaft sich schneller ändern als Organisationen.
In Balance mit: Traditionsbewusstsein. Zu viel davon: Traditionslosigkeit. Verneint durch: Veränderungsunwilligkeit.
Schwestertugend S43
Traditionsbewusstsein
„Ich bewahre, was sich bewährt hat.“
auch Herkunftsbewusstsein, Geschichtsbewusstsein
Gemeint ist Respekt vor Geschichte, Werten und gewachsenen Stärken. Hilfreich, weil Wandel ohne Wurzeln die Identität und das Vertrauen der Menschen zerstört.
In Balance mit: Veränderungsbereitschaft. Zu viel davon: Veränderungsunwilligkeit. Verneint durch: Traditionslosigkeit.
Zur Seite TraditionsbewusstseinÜbertreibung von Veränderungsbereitschaft
Traditionslosigkeit
„Alles Alte muss weg.“
auch Geschichtsvergessenheit, Neuerungssucht
Verneinung des Traditionsbewusstseins und zugleich überzogene Veränderungsbereitschaft. Grenzwertig, weil Dauerwandel erschöpft und Bewährtes ohne Not zerstört wird.
Übertreibung von: Veränderungsbereitschaft. Verneinung von: Traditionsbewusstsein. Entwicklungsrichtung: Traditionsbewusstsein.
Übertreibung von Traditionsbewusstsein
Veränderungsunwilligkeit
„Früher war alles besser.“
auch Besitzstandsdenken, Nostalgie
Verneinung der Veränderungsbereitschaft und zugleich überzogenes Traditionsbewusstsein. Grenzwertig, weil die Organisation den Anschluss verliert.
Übertreibung von: Traditionsbewusstsein. Verneinung von: Veränderungsbereitschaft. Entwicklungsrichtung: Veränderungsbereitschaft.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeVeränderungsbereitschaft · Traditionsbewusstsein · Traditionslosigkeit · Veränderungsunwilligkeit
Zielwert
Veränderungsbereitschaft
auch Wandlungsfähigkeit · Aufbruchsbereitschaft
Gemeint ist die Bereitschaft, Bewährtes in Frage zu stellen und Neues einzuführen. Hilfreich, weil Märkte, Technik und Gesellschaft sich schneller ändern als Organisationen.
Schwestertugend
Traditionsbewusstsein
auch Herkunftsbewusstsein · Geschichtsbewusstsein
Gemeint ist Respekt vor Geschichte, Werten und gewachsenen Stärken. Hilfreich, weil Wandel ohne Wurzeln die Identität und das Vertrauen der Menschen zerstört.
Übertreibung von Veränderungsbereitschaft
Traditionslosigkeit
auch Geschichtsvergessenheit · Neuerungssucht
Verneinung des Traditionsbewusstseins und zugleich überzogene Veränderungsbereitschaft. Grenzwertig, weil Dauerwandel erschöpft und Bewährtes ohne Not zerstört wird.
Der Weg heraus: Richtung Traditionsbewusstsein
Übertreibung von Traditionsbewusstsein
Veränderungsunwilligkeit
auch Besitzstandsdenken · Nostalgie
Verneinung der Veränderungsbereitschaft und zugleich überzogenes Traditionsbewusstsein. Grenzwertig, weil die Organisation den Anschluss verliert.
Der Weg heraus: Richtung Veränderungsbereitschaft
Die ÜbertreibungWann Traditionslosigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Veränderungsbereitschaft heißt Traditionslosigkeit (auch: Geschichtsvergessenheit, Neuerungssucht). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Ein Forschungsteam stößt auf Daten, die eine Lehrmeinung widerlegen, auf der die eigene Denkschule lange aufgebaut hat – und gibt sie konsequent auf. In der Wissenschaft ist der Bruch mit dem Überlieferten kein Verrat, sondern Methode.
Einem Betrieb bricht durch eine neue Technologie das Kernprodukt weg. Die Geschäftsführung stellt Sortiment, Abläufe und vertraute Gewohnheiten innerhalb weniger Monate radikal um, ohne lange auf „Das haben wir immer so gemacht“ zu hören. Wenn das Alte keine Zukunft mehr hat, ist Rücksicht auf Tradition ein Luxus, den sich niemand leisten kann.
Der Bruch mit dem Bisherigen trägt, wenn das Alte nachweislich nicht mehr trägt und schnelles Handeln die Existenz sichert. Er schadet, wenn Neues nur um seiner selbst willen kommt und Erfahrung, Menschen und Gewachsenes ungeprüft entwertet werden.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition
Dass Veränderungsbereitschaft Traditionsbewusstsein als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes TestamentJesaja 43,18–19
„Gedenkt nicht an das Alte … Denn siehe, ich will ein Neues machen; jetzt soll es aufwachsen, und ihr werdet’s erfahren.“ Gott selbst ist ein Gott des Aufbruchs.
- 5. Jh. v. Chr.ChinaKonfuzius
Er akzeptiert, dass statt der vorgeschriebenen Hanfkappe die sparsamere Seidenkappe getragen wird, und folgt darin der Mehrheit; die Verneigung unten an der Treppe aber behält er bei, auch gegen die Mehrheit, Lunyu 9.3
- 1. Jh.Neues TestamentMarkus 2,22
„Niemand fasst Most in alte Schläuche“ – Neues braucht manchmal neue Formen.
Römer 12,2„Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes.“ Wandel beginnt im Denken.
- um 200Jüdische AuslegungMischna
Minderheitsmeinungen werden überliefert, damit ein späteres Gericht ein früheres Urteil aufheben kann, wenn es ihm an Weisheit und Zahl überlegen ist, Edujot 1,5
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Menschliches Gesetz soll nicht bei jeder besseren Idee geändert werden, weil die Gewohnheit ihm Kraft gibt – wohl aber, wenn der Nutzen groß oder die Not dringend ist, I-II q. 97 a. 2
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
Die Forschung2 Studien · 2011
- 2011
Eine Übersicht über 79 quantitative Studien aus sechzig Jahren zeigte, was Menschen für Veränderungen gewinnt: Beteiligung, realistische und unterstützende Kommunikation, ein als fair und kompetent erlebtes Vorgehen – und vor allem Vertrauen ins Management, das den stärksten und beständigsten Zusammenhang mit den Reaktionen auf Wandel hatte.
Oreg, Vakola & Armenakis, 2011 - 2011
Die Kehrseite schlecht gemachten Wandels: Wer überzeugt war, dass frühere Veränderungen in seiner Organisation schlecht gemanagt wurden, kündigte bis zu zwei Jahre später häufiger tatsächlich – dieser Effekt war sogar stärker als der geäußerter Kündigungsabsichten.
Bordia, Restubog, Jimmieson & Irmer, 2011
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Welche Veränderung schiebst du auf, obwohl du weißt, dass sie nötig ist?
- Wann hast du zuletzt eine Veränderung verkündet, ohne die Betroffenen vorher zu fragen?
- Wie viel Wandel kann dein Team gerade wirklich verkraften – und wie viel davon kommt nur von dir?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Veränderungsbereitschaft in der Praxis aus
Reed Hastings (Netflix)
Netflix stellte mit dem Streaming sein eigenes DVD-Geschäft in Frage und legte damit die Grundlage für seinen Erfolg. 2011 kippte der Veränderungswille in Neuerungssucht – und Reed Hastings zog daraus öffentlich eine Lehre.
Johannes XXIII. (Papst)
Kurz nach seiner Wahl kündigte Papst Johannes XXIII. ein Konzil an, das die katholische Kirche erneuern sollte.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenVeränderungsbereitschaft im Wappen
Farbe im Wappen: Grün
- SymbolSchmetterling
Aus der Raupe wird über die Puppe ein Schmetterling, darum steht er für Verwandlung und Wachstum. Mit ihm sagst du, dass du Veränderung auch an dir selbst zulässt und dich in etwas Neues verwandeln lässt.
- oder als AlternativeWolkensäule
Eine Wolkensäule ist ein Zeichen, das den Weg weist: Hebt sie sich, geht es weiter, ruht sie, bleibt man. Sie steht dafür, dass du aufbrichst, wenn die Zeit gekommen ist, und nicht am Gewohnten klebst.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung