Eine starre Form setzt sich golden in Bewegung und wandelt sich, die anderen nimmt sie mit. Jagt sie davon und wechselt ruhelos die Gestalt, reißt sie sich von ihren Wurzeln los – bis ein Faden sie wieder mit ihrer Herkunft verbindet und das Alte als Kern in ihr bleibt.
Kurz gesagt
Kurz nach seiner Wahl kündigte Papst Johannes XXIII. ein Konzil an, das die katholische Kirche erneuern sollte. Er zeigte, wie Veränderung gelingen kann, ohne den Kern aufzugeben.
1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt
Johannes XXIII. war erst drei Monate Papst, als er am 25. Januar 1959 im Kapitelsaal von Sankt Paul vor den Mauern 17 Kardinäle überraschte: Er wolle ein Konzil für die Weltkirche einberufen. Daraus wurde das Zweite Vatikanische Konzil – ein Beispiel für Veränderungsbereitschaft in einer Institution, die auf Tradition gebaut ist.
Ein Fenster in einer dicken Mauer steht offen, goldenes Licht strömt hinaus – wie Johannes XXIII., der ein Konzil ankündigte.
01
Eine Ankündigung mit Folgen
Situation
Als Ziele nannte der Papst Erneuerung, „größere Klarheit im Denken“ und die „Stärkung des Bandes der Einheit“. Das Stichwort wurde „aggiornamento“ – Verheutigung. Die Nachricht wurde mit großer Aufmerksamkeit und teils mit Begeisterung aufgenommen; manche Kurienkardinäle waren von den Plänen allerdings wenig angetan.
Bezug zum Wert
Veränderungsbereitschaft zeigt sich hier darin, überraschend eine große Erneuerung anzustoßen, obwohl nicht alle in der Kirchenleitung sie wollten.
02
Gegen die Unglückspropheten
Situation
Am 11. Oktober 1962 zogen 2.498 Konzilsväter in den Petersdom ein. In seiner Eröffnungsansprache „Gaudet Mater Ecclesia“ wandte sich der Papst gegen „Unglückspropheten“, die stets Unheil vorhersagten, und rief dazu auf, eher die Arznei der Barmherzigkeit als die Waffen der Strenge zu gebrauchen. Die Glaubenslehre zeitgemäß zu formulieren, sei möglich und nötig: Das eine sei das ewige Dogma, die bleibende Wahrheit, ein anderes die Ausdrucksweise der jeweiligen Zeit.
Bezug zum Wert
Hier verbinden sich Veränderung und Tradition: Die Form darf sich ändern, damit der Kern verstanden wird.
03
Die andere Seite
Johannes XXIII. starb am 3. Juni 1963; Paul VI. führte das Konzil fort. Wie weit die Erneuerung gehen darf, ist bis heute umstritten: Benedikt XVI. warb 2005 für eine „Hermeneutik der Reform“ statt einer „Hermeneutik des Bruchs“, und die 1970 gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnte das Konzil ab.
Das nimmst du mit
Was du daraus lernen kannst
01
Kern und Form trennenKläre, was unverzichtbar ist und was sich ändern darf.
02
Zuversicht zeigenVeränderung braucht jemanden, der nicht nur Gefahren, sondern Chancen sieht.
03
Mit Streit rechnenEchte Erneuerung löst Debatten aus, die oft länger dauern als der Anstoß selbst.
Lies nach, was hinter Veränderungsbereitschaft steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Traditionsbewusstsein.
Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung
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