Vergebungsbereitschaft im Gleichgewicht
Vergebungsbereitschaft braucht Konsequenz als Gegengewicht. Zu viel Vergebungsbereitschaft wird zu Inkonsequenz – der Weg zurück führt über Konsequenz.
Begriffe erklärt
Zielwert 19
Vergebungsbereitschaft
„Ich vergebe und gebe neue Chancen.“
auch Verzeihen, Nachsicht
Gemeint ist der Verzicht darauf, Schuld nachzutragen, und die Bereitschaft zum Neuanfang. Hilfreich, weil Teams ohne Vergebung in alten Konflikten stecken bleiben.
In Balance mit: Konsequenz. Zu viel davon: Inkonsequenz. Verneint durch: Unversöhnlichkeit.
Schwestertugend S19
Konsequenz
„Ich benenne Unrecht und ziehe angemessene Konsequenzen.“
auch Folgerichtigkeit, klare Linie
Gemeint ist Klarheit darüber, was falsch war und was daraus folgt. Hilfreich, weil Vergebung nicht heißt, so zu tun, als wäre nichts gewesen; Klarheit schützt Betroffene und das Team.
In Balance mit: Vergebungsbereitschaft. Zu viel davon: Unversöhnlichkeit. Verneint durch: Inkonsequenz.
Zur Seite KonsequenzÜbertreibung von Vergebungsbereitschaft
Inkonsequenz
„Ich übergehe alles und lasse mich ausnutzen.“
auch Nachgiebigkeit, billige Gnade
Verneinung der Konsequenz und zugleich überzogene Vergebungsbereitschaft. Grenzwertig, weil sie Fehlverhalten belohnt und Geschädigte allein lässt.
Übertreibung von: Vergebungsbereitschaft. Verneinung von: Konsequenz. Entwicklungsrichtung: Konsequenz.
Übertreibung von Konsequenz
Unversöhnlichkeit
„Ich vergesse nichts und lasse andere büßen.“
auch Nachtragen, Rachsucht
Verneinung der Vergebungsbereitschaft und zugleich überzogene Konsequenz. Grenzwertig, weil sie eine Kultur der Angst schafft; Menschen verstecken Fehler, statt daraus zu lernen.
Übertreibung von: Konsequenz. Verneinung von: Vergebungsbereitschaft. Entwicklungsrichtung: Vergebungsbereitschaft.
Die Wertematrix im Detail
Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.
Die BegriffeVergebungsbereitschaft · Konsequenz · Inkonsequenz · Unversöhnlichkeit
Zielwert
Vergebungsbereitschaft
auch Verzeihen · Nachsicht
Gemeint ist der Verzicht darauf, Schuld nachzutragen, und die Bereitschaft zum Neuanfang. Hilfreich, weil Teams ohne Vergebung in alten Konflikten stecken bleiben.
Schwestertugend
Konsequenz
auch Folgerichtigkeit · klare Linie
Gemeint ist Klarheit darüber, was falsch war und was daraus folgt. Hilfreich, weil Vergebung nicht heißt, so zu tun, als wäre nichts gewesen; Klarheit schützt Betroffene und das Team.
Übertreibung von Vergebungsbereitschaft
Inkonsequenz
auch Nachgiebigkeit · billige Gnade
Verneinung der Konsequenz und zugleich überzogene Vergebungsbereitschaft. Grenzwertig, weil sie Fehlverhalten belohnt und Geschädigte allein lässt.
Der Weg heraus: Richtung Konsequenz
Übertreibung von Konsequenz
Unversöhnlichkeit
auch Nachtragen · Rachsucht
Verneinung der Vergebungsbereitschaft und zugleich überzogene Konsequenz. Grenzwertig, weil sie eine Kultur der Angst schafft; Menschen verstecken Fehler, statt daraus zu lernen.
Der Weg heraus: Richtung Vergebungsbereitschaft
Die ÜbertreibungWann Inkonsequenz sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt
Die Übertreibung der Vergebungsbereitschaft heißt Inkonsequenz (auch: Nachgiebigkeit, billige Gnade). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:
Ein Vater hat seiner Tochter für einen Regelbruch eine Strafe angekündigt. Am nächsten Tag stirbt überraschend die Großmutter. Er lässt die Strafe stillschweigend fallen. In einer solchen Lage wäre Konsequenz um der Konsequenz willen herzlos.
Eine Fluggesellschaft verzichtet grundsätzlich auf Sanktionen, wenn Mitarbeitende eigene Fehler von sich aus melden. Diese Nachsicht ist gewollt: Nur wer keine Strafe fürchtet, legt Fehler offen, aus denen alle lernen können.
Der Verzicht auf Folgen trägt, wenn ein Fehler unabsichtlich war, offen eingestanden wird, besondere Umstände vorliegen oder Offenheit wichtiger ist als Strafe. Sie wird zur billigen Gnade, sobald Vorsatz, wiederholtes Fehlverhalten oder die Gefährdung anderer folgenlos bleiben und Betroffene dabei übergangen werden.
Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftAltes Testament · China · Neues Testament · Jüdische Auslegung · Christliche Tradition
Dass Vergebungsbereitschaft Konsequenz als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.
- 10.–2. Jh. v. Chr.Altes Testament3. Mose 19,18
Nicht rächen, nicht nachtragen
1. Mose 50,19–21Josef vergibt seinen Brüdern
- 5. Jh. v. Chr.ChinaKonfuzius
„Unrecht mit Geradheit vergelten, Güte mit Güte“, Lunyu 14.36
- 1. Jh.Neues TestamentMatthäus 18,21–22
Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal vergeben.
Epheser 4,26.32„Zürnet, und sündiget nicht … vergebet einer dem andern, gleichwie Gott euch auch vergeben hat in Christo.“
Galater 6,1„So ein Mensch etwa von einem Fehler übereilt würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist“ – Klarheit und Milde zugleich.
- um 200Jüdische AuslegungMischna
Jom Kippur sühnt Vergehen gegen Menschen erst, wenn man den anderen versöhnt hat – Vergebung mit Konsequenz, Joma 8,9
- 12. Jh.Jüdische AuslegungMaimonides
Sich leicht versöhnen lassen und nicht unversöhnlich sein, Hilchot Teschuwa 2,10
- 13. Jh.Christliche TraditionThomas von Aquin
Gerechte Ahndung zwischen Grausamkeit und Nachlässigkeit, II-II q. 108; Milde, q. 157
- 1926–2016WertematrixHartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISORZur Geschichte der Wertematrix
Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.
- 2017ForschungVIA-Stärke Vergebung
Zu wenig davon zeigt sich als Unbarmherzigkeit, zu viel als Nachgiebigkeit (Freidlin et al., 2017).
Die Forschung3 Quellen, davon 1 Metaanalyse · 2006–2012 · mit Grenzen der Forschung
- 2006
Für den Arbeitskontext zeigten eine Feldstudie und ein Experiment, dass das wahrgenommene Gerechtigkeitsklima steuert, wie Beschäftigte auf Kränkungen reagieren: Je fairer Verfahren erlebt wurden, desto eher wählten sie den Weg von Vergebung und Versöhnung statt von Rache und Rückzug.
Aquino, Tripp & Bies, 2006 - 2012
Fehr und Gelfand haben daraus das Modell eines organisationalen „Vergebungsklimas“ entwickelt, das maßgeblich von Führungskräften geprägt wird.
Fehr & Gelfand, 2012
Die Grenze zeigt eine Längsschnittstudie mit frisch verheirateten Paaren: Wer eher vergab, erlebte, dass die psychischen und körperlichen Übergriffe des Partners über vier Jahre stabil blieben; bei weniger nachsichtigen nahmen sie ab – Vergebung ohne Konsequenzen kann Fehlverhalten verfestigen (McNulty, 2011).
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
- Wem trägst du noch etwas nach?
- Wo hast du vergeben, aber das Unrecht nie benannt?
- Was würde ein echter Neuanfang mit dieser Person brauchen?
Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.
So sieht Vergebungsbereitschaft in der Praxis aus
Nelson Mandela
Nach 27 Jahren Haft setzte Mandela als Präsident nicht auf Vergeltung, sondern auf Versöhnung – aber nicht ohne Bedingung.
Amische Gemeinde von Nickel Mines
Nach einem Amoklauf in einer amischen Schule wandte sich die Gemeinde noch am selben Tag der Familie des Täters zu.
Welche Werte tragen deine Führung?
In etwa 15 Minuten zu deinen Kernwerten.
Wertecheck startenVergebungsbereitschaft im Wappen
Farbe im Wappen: Silber
- SymbolGesprengte Kette
Eine gesprengte Kette steht für Befreiung: Was einen Menschen festgehalten hat, ist gelöst, und er kann wieder frei gehen. Wählst du sie, zeigt dein Wappen, dass du Menschen nicht an ihren Fehlern festhältst, sondern sie freigibst.
- oder als AlternativeRing des Vaters
Ein Ring, den der Vater an die Hand steckt, ist ein Zeichen von Zugehörigkeit und Vertrauen – wer ihn trägt, gehört wieder ganz zur Familie. Er steht für deine Führung, wenn du nach einem Bruch nicht nur verzeihst, sondern Vertrauen zurückgibst.
Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.
Wertewappen erstellenGrundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung