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S6Schwestertugend zu Gerechtigkeit

Barmherzig­keit

„Ich sehe den Einzelfall und lasse Gnade walten.“

Den Menschen hinter dem Fall sehen: Not, Schwäche und Scheitern mit Güte begegnen und Gnade walten lassen, wo die Regel allein hart würde.

Einer aus der Reihe fällt unter die Linie, ein goldener Bogen senkt sich zu ihm und trägt ihn zurück. Biegen sich die Bögen bald hier, bald dort, wird die Reihe willkürlich zerrissen – bis eine gerade Linie allen wieder dasselbe Maß gibt.
Kurz gesagt

Ich sehe den Einzelfall und lasse Gnade walten.

Was Barmherzigkeit bedeutetDen Menschen hinter dem Fall sehen: Not, Schwäche und Scheitern mit Güte begegnen und Gnade walten lassen, wo die Regel allein hart würde.

Umfasst auchMitgefühlMilde

Die Wertematrix

Barmherzigkeit im Gleichgewicht

Barmherzigkeit braucht Gerechtigkeit als Gegengewicht. Zu viel Barmherzigkeit wird zu Ungerechtigkeit – der Weg zurück führt über Gerechtigkeit.

In Balance

Begriffe erklärt

Schwestertugend S6

Barmherzig­keit

„Ich sehe den Einzelfall und lasse Gnade walten.“

auch Gnade, Erbarmen

Gemeint ist Augenmaß für die besondere Lage eines Menschen. Hilfreich, weil gleiche Regeln in ungleichen Lebenslagen ungerecht wirken können.

In Balance mit: Gerechtigkeit. Zu viel davon: Ungerechtigkeit. Verneint durch: Unbarmherzigkeit.

Zielwert 6

Gerechtig­keit

„Ich entscheide fair, nach klaren Kriterien und nachvollziehbar.“

auch Fairness, Rechtssinn

Gemeint ist Fairness in Ergebnis, Verfahren und Umgang, ohne Ansehen der Person. Hilfreich, weil Menschen Entscheidungen eher akzeptieren, wenn das Verfahren transparent ist.

In Balance mit: Barmherzigkeit. Zu viel davon: Unbarmherzigkeit. Verneint durch: Ungerechtigkeit.

Zur Seite Gerechtigkeit

Übertreibung von Barmherzigkeit

Un­gerechtig­keit

„Ich mache Ausnahmen nach Sympathie.“

auch Günstlings­wirt­schaft, Partei­lichkeit

Verneinung der Gerechtigkeit und zugleich überzogene Barmherzigkeit für einige wenige. Grenzwertig, weil Bevorzugung das Team spaltet; schon der Verdacht zerstört Vertrauen.

Übertreibung von: Barmherzigkeit. Verneinung von: Gerechtigkeit. Entwicklungsrichtung: Gerechtigkeit.

Übertreibung von Gerechtigkeit

Un­barmherzig­keit

„Regel ist Regel, egal wen es trifft.“

auch Härte, Paragrafen­rei­terei

Verneinung der Barmherzigkeit und zugleich überzogene Gerechtigkeit. Grenzwertig, weil Verantwortung an Regeln delegiert wird und Menschen sich als Nummer fühlen.

Übertreibung von: Gerechtigkeit. Verneinung von: Barmherzigkeit. Entwicklungsrichtung: Barmherzigkeit.

Vertiefung

Die Wertematrix im Detail

Sechs Themen zum Aufklappen – je nachdem, wie tief du einsteigen möchtest.

Die BegriffeBarmherzigkeit · Gerechtigkeit · Ungerechtigkeit · Unbarmherzigkeit

Schwestertugend

Barmherzig­keit

auch Gnade · Erbarmen

Gemeint ist Augenmaß für die besondere Lage eines Menschen. Hilfreich, weil gleiche Regeln in ungleichen Lebenslagen ungerecht wirken können.

Zielwert

Gerechtig­keit

auch Fairness · Rechtssinn

Gemeint ist Fairness in Ergebnis, Verfahren und Umgang, ohne Ansehen der Person. Hilfreich, weil Menschen Entscheidungen eher akzeptieren, wenn das Verfahren transparent ist.

Übertreibung von Barmherzigkeit

Ungerechtigkeit

auch Günstlingswirtschaft · Parteilichkeit

Verneinung der Gerechtigkeit und zugleich überzogene Barmherzigkeit für einige wenige. Grenzwertig, weil Bevorzugung das Team spaltet; schon der Verdacht zerstört Vertrauen.

Der Weg heraus: Richtung Gerechtigkeit

Übertreibung von Gerechtigkeit

Unbarmherzigkeit

auch Härte · Paragrafenreiterei

Verneinung der Barmherzigkeit und zugleich überzogene Gerechtigkeit. Grenzwertig, weil Verantwortung an Regeln delegiert wird und Menschen sich als Nummer fühlen.

Der Weg heraus: Richtung Barmherzigkeit

Die ÜbertreibungWann Ungerechtigkeit sinnvoll sein kann – und woran man den Unterschied erkennt

Die Übertreibung der Barmherzigkeit heißt Ungerechtigkeit (auch: Willkür, Günstlingswirtschaft, Parteilichkeit). Im Führungsalltag schadet sie meist – in manchen Lagen ist sie aber angemessen:

Familie

Eltern verwenden über Monate fast ihre ganze Kraft auf das schwer erkrankte jüngste Kind; die älteren Geschwister fühlen sich zurückgesetzt und sagen das auch. Gleich viel Zeit für alle wäre in dieser Lage nicht gerecht, sondern blind für die Not.

Kunst, Kultur & Sport

Ein Fußballtrainer lässt einen Spieler, dessen Vater gerade gestorben ist, zwei Wochen lang ohne die sonst nötige Abmeldung fehlen und verzichtet auf die sonst übliche Vereinsstrafe. Einige im Team murren über die Sonderbehandlung. Sie ist dennoch richtig, weil sie auf eine Not antwortet und nicht auf Sympathie.

Woran man den Unterschied erkennt

Ungleiche Behandlung ist vertretbar, wenn sie offen begründet ist, sich an der Not und nicht an Nähe oder Vorliebe orientiert und für jeden in gleicher Lage genauso gälte. Sie wird zu Willkür und Günstlingswirtschaft, sobald Sympathie, Loyalität oder eigener Nutzen entscheiden – das ist Unrecht, auch wenn es sich barmherzig anfühlt.

Der Alltag7 Szenen aus dem Alltag: Wirtschaft · Politik & Staat · Medien · Bildung · Glaube & Kirche · Kunst, Kultur & Sport · Familie
Die HerkunftNeues Testament · Jüdische Auslegung · Indien · Christliche Tradition

Dass Barmherzigkeit Gerechtigkeit als Gegengewicht braucht, ist keine neue Idee. Diese Stationen zeigen, wo Menschen das schon lange vor uns beschrieben haben – von den ältesten Quellen bis heute.

Weitere Quellen zu diesem Wertepaar stehen auf der Seite Gerechtigkeit.

  1. 1. Jh.
    Neues Testament
    Lukas 6,36

    „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

    Johannes 8,3–11

    Jesus bewahrt die Ehebrecherin vor der Steinigung und sagt doch: „Sündige hinfort nicht mehr“ – Barmherzigkeit ohne Gleichgültigkeit.

    Jakobus 2,13

    „Die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht.“

  2. 3.–6. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Talmud

    Gott betet, dass seine Barmherzigkeit seinen Zorn überwinde, Berachot 7a

  3. 5. Jh.
    Indien
    Buddhistische Kommentartradition

    Buddhaghosa (Visuddhimagga) nennt für jede Tugend einen „nahen“ und einen „fernen Feind“: Der ferne Feind des Mitgefühls ist die Grausamkeit, der nahe das bloße Mitleiden; erläutert bei Ajahn Pasanno

  4. 5.–10. Jh.
    Jüdische Auslegung
    Midrasch

    Gott schuf die Welt mit Recht und Barmherzigkeit zugleich, Bereschit Rabba 12,15

  5. 13. Jh.
    Christliche Tradition
    Thomas von Aquin

    Barmherzigkeit, II-II q. 30

  6. 1926–2016
    Wertematrix
    Hartmann · Helwig · Schulz von Thun · WEGVISOR

    Nicolai Hartmann legt 1926 den Grundgedanken, Paul Helwig gibt dem Wertequadrat seine Gestalt, Friedemann Schulz von Thun macht es 1989 als Werte- und Entwicklungsquadrat bekannt, WEGVISOR entwickelt daraus 2016 die Wertematrix für Führung.

    Zur Geschichte der Wertematrix
Die Forschung2 Studien · 2008–2014
2 Studien2008–2014 Zeitraum
  1. 2008
    Studie

    In einer Krankenhausbefragung ging erlebtes Mitgefühl am Arbeitsplatz mit mehr positiven Gefühlen und darüber mit stärkerer Bindung an die Organisation einher.

    Lilius et al., 2008
  2. 2014
    Längsschnittstudie

    In einer Langzeitstudie in der Altenpflege hatten Einheiten mit einer Kultur fürsorglicher Zuwendung weniger Burnout und Fehlzeiten, und den Bewohnern ging es besser.

    Barsade & O'Neill, 2014
Die FragenYOUR HEART · 3 Fragen an dich
  1. Wem gegenüber bist du gerade nur „korrekt“?
  2. Kennst du die Lage des Menschen, über den du entscheidest?
  3. Wo ist deine Milde in Wahrheit Bevorzugung?

Nimm dir Zeit für eine Frage. Schreib die Antwort auf – oder sprich mit jemandem darüber, dem du vertraust.

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Welche Werte tragen deine Führung?

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Wertewappen

Barmherzigkeit im Wappen

Farbe im Wappen: Rot

  • SymbolPelikan in seiner Frömmigkeit

    Nach alter Legende nährt der Pelikan seine Jungen mit dem eigenen Blut und wurde so zum christlichen Bild aufopfernder Liebe. Wählst du ihn, zeigt dein Wappen eine Barmherzigkeit, die sich für andere hingibt.

  • oder als AlternativeÖlkrug

    Im Ölkrug bewahrte man auf, was seit alters zur Pflege von Wunden diente: Öl, das lindert und den Schmerz nimmt. Er betont die praktische Seite deiner Barmherzigkeit: Du bleibst stehen, wo andere vorbeigehen, und kümmerst dich konkret um das, was wehtut.

Drei bis sieben Kernwerte, jeder mit seinem Symbol: daraus entsteht dein persönliches Wappen – mit Wahlspruch und ausführlichem Report.

Wertewappen erstellen

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

Häufige Fragen

Fragen zu Barmherzigkeit

Was bedeutet Barmherzigkeit?

Den Menschen hinter dem Fall sehen: Not, Schwäche und Scheitern mit Güte begegnen und Gnade walten lassen, wo die Regel allein hart würde. Der Ich-Satz dazu: „Ich sehe den Einzelfall und lasse Gnade walten.“

Zu welchem Zielwert gehört Barmherzigkeit?

Barmherzigkeit ist die Schwestertugend zu Gerechtigkeit (6). Zum Zielwert: Gemeint ist Fairness in Ergebnis, Verfahren und Umgang, ohne Ansehen der Person. Hilfreich, weil Menschen Entscheidungen eher akzeptieren, wenn das Verfahren transparent ist.

Was ist die Übertreibung von Barmherzigkeit?

Ungerechtigkeit (auch: Günstlingswirtschaft, Parteilichkeit). Verneinung der Gerechtigkeit und zugleich überzogene Barmherzigkeit für einige wenige. Grenzwertig, weil Bevorzugung das Team spaltet; schon der Verdacht zerstört Vertrauen.

Wann ist die Übertreibung sinnvoll?

Ungleiche Behandlung ist vertretbar, wenn sie offen begründet ist, sich an der Not und nicht an Nähe oder Vorliebe orientiert und für jeden in gleicher Lage genauso gälte. Sie wird zu Willkür und Günstlingswirtschaft, sobald Sympathie, Loyalität oder eigener Nutzen entscheiden – das ist Unrecht, auch wenn es sich barmherzig anfühlt.

Was sagt die Forschung zu Barmherzigkeit?

In einer Krankenhausbefragung ging erlebtes Mitgefühl am Arbeitsplatz mit mehr positiven Gefühlen und darüber mit stärkerer Bindung an die Organisation einher (Lilius et al., 2008). In einer Langzeitstudie in der Altenpflege hatten Einheiten mit einer Kultur fürsorglicher Zuwendung weniger Burnout und Fehlzeiten, und den Bewohnern ging es besser (Barsade & O'Neill, 2014).

Welche Beispiele gibt es für Barmherzigkeit?

Zum Beispiel: Papst Johannes Paul II., Gareth Southgate (englische Nationalmannschaft).

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