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Beispiel zum WertLoslassen (S26)

Glaube & Kirche

Wie Benedikt XVI. als erster Papst seit fast 600 Jahren sein Amt abgab

Ein Papst erkennt, dass seine Kräfte für das Amt nicht mehr reichen, und tritt zurück – ein Schritt, den es seit Jahrhunderten nicht gegeben hatte.

Eine goldene Schale hält, was in ihr wächst, und öffnet sich, wenn es so weit ist: Das Gewachsene steigt auf und findet seinen eigenen Platz. Kippt sie und lässt alles fallen, treiben die Punkte verlassen ab – bis feine Fäden sie wieder halten und die Schale zurückkehrt.
Kurz gesagt

Ein Papst erkennt, dass seine Kräfte für das Amt nicht mehr reichen, und tritt zurück – ein Schritt, den es seit Jahrhunderten nicht gegeben hatte. Loslassen zeigt sich hier als Treue zum Amt, nicht als Untreue.

1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Am 11. Februar 2013 hatten sich Kardinäle im Vatikan versammelt, um über drei Heiligsprechungen abzustimmen. Auf Latein verkündete Benedikt XVI. in dieser Versammlung, dass er am 28. Februar zurücktreten werde. Zuletzt hatte 1415 mit Gregor XII. ein Papst sein Amt niedergelegt.

Ein großer Stuhl bleibt leer, der goldene Punkt ist zur Seite getreten – wie Benedikt XVI., der als erster Papst seit fast 600 Jahren sein Amt abgab.
Ein großer Stuhl bleibt leer, der goldene Punkt ist zur Seite getreten – wie Benedikt XVI., der als erster Papst seit fast 600 Jahren sein Amt abgab.

Die eigenen Grenzen anerkennen

Situation
Er habe sein Gewissen wiederholt vor Gott geprüft und sei zur Gewissheit gelangt, dass seine Kräfte „due to an advanced age, are no longer suited to an adequate exercise of the Petrine ministry“ – wegen des fortgeschrittenen Alters nicht mehr geeignet seien, das Petrusamt angemessen auszuüben. Vatikansprecher Federico Lombardi nannte es „an absolutely personal decision made with his conscience before God“.
Bezug zum Wert
Benedikt hielt nicht an der Würde des Amtes fest, als er spürte, dass er dessen Anforderungen nicht mehr gerecht werden konnte. Loslassen heißt hier, die eigenen Grenzen ehrlich anzuerkennen.

Ein Bruch mit jahrhundertelanger Gewohnheit

Situation
Fast 600 Jahre lang war kein Papst mehr zurückgetreten; das Amt galt faktisch als Aufgabe bis zum Tod. Benedikt durchbrach diese Gewohnheit aus eigenem Entschluss, angekündigt mit gut zwei Wochen Vorlauf.
Bezug zum Wert
Gerade weil das Amt so viel Gewicht hat, war das Loslassen ein Akt der Verantwortung: Es stellte das Wohl der Kirche über die Erwartung, bis zum Ende im Amt zu bleiben.

Die andere Seite

Ganz losgelassen hat er nicht: Als „emeritierter Papst“ blieb Benedikt in Weiß im Vatikan, was später Fragen nach seiner Rolle neben seinem Nachfolger aufwarf. Wer ein Amt abgibt, muss auch klären, welche Rolle er danach noch einnimmt.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Prüf deine Kräfte ehrlichFrag dich regelmäßig, ob du deiner Aufgabe noch gerecht wirst.
  2. Gib ab, solange du selbst entscheiden kannstEin selbstbestimmter Abschied ist besser als einer, der dir aufgezwungen wird.
  3. Kläre deine Rolle danachEin sauberer Übergang braucht klare Grenzen zwischen dir und deiner Nachfolge.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Loslassen steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Treue.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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