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Beispiel zum WertSelbstreflexion (28)

Politik & Staat

Wie Benjamin Franklin seine Fehler mit schwarzen Punkten zählte

Ein junger Mann führt Buch über seine täglichen Fehler – und entdeckt, dass er weit mehr davon hat als gedacht.

Ein Punkt dreht immer dieselbe Schleife, bis ein goldenes Licht seine Spur sichtbar macht und er einen neuen Weg einschlägt. Schaut er nur noch auf sich, kreist er in immer engeren Spiralen – bis ein Anstoß ihn hinausträgt ins Handeln.
Kurz gesagt

Ein junger Mann führt Buch über seine täglichen Fehler – und entdeckt, dass er weit mehr davon hat als gedacht. Selbstreflexion zeigt sich hier als regelmäßige, ehrliche Prüfung des eigenen Verhaltens.

2 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Benjamin Franklin, später einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, fasste als junger Mann einen Plan, den er in seiner Autobiografie „the bold and arduous project of arriving at moral perfection“ nennt. Er legte 13 Tugenden fest, darunter Mäßigkeit, Schweigen, Ordnung, Entschlossenheit, Fleiß, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Demut. Um sich daran zu messen, entwickelte er ein einfaches System der täglichen Selbstprüfung.

Eine Tabelle mit schwarzen Punkten, die Zeile um Zeile weniger werden – wie Benjamin Franklin, der seine Fehler zählte.
Eine Tabelle mit schwarzen Punkten, die Zeile um Zeile weniger werden – wie Benjamin Franklin, der seine Fehler zählte.

Das kleine Buch

Situation
„I made a little book, in which I allotted a page for each of the virtues.“ Jeden Abend markierte er mit einem kleinen schwarzen Punkt jeden Fehler, den er bei der Prüfung des Tages in Bezug auf eine Tugend entdeckte. Jeweils eine Woche lang richtete er seine besondere Aufmerksamkeit auf eine Tugend. Seinen Tag rahmte er mit zwei Fragen: morgens „What good shall I do this day?“, abends „What good have I done to day?“
Bezug zum Wert
Franklin machte Selbstreflexion zur Routine. Statt auf seltene Momente der Einsicht zu warten, schuf er eine Struktur, die ihn täglich zum ehrlichen Blick auf sich selbst zwang.

Mehr Fehler als gedacht

Situation
„I was surprised to find myself so much fuller of faults than I had imagined; but I had the satisfaction of seeing them diminish.“ Vom vielen Ausradieren alter Markierungen bekam sein Büchlein Löcher; er übertrug das System deshalb auf die Elfenbeinblätter eines Notizbuchs.
Bezug zum Wert
Ehrliche Selbstprüfung ist zunächst unbequem – sie zeigt mehr Schwächen, als man erwartet. Doch nur wer sie sieht, kann sie verringern.

Die andere Seite

Bei der Demut, räumte Franklin ein, habe er es nur zum Anschein gebracht, nicht zur Sache: „I cannot boast of much success in acquiring the reality of this virtue, but I had a good deal with regard to the appearance of it.“ Gegen Perfektionismus erzählte er von einem Mann, der seine Axt lieber gesprenkelt ließ, statt sie mühsam ganz blank schleifen zu lassen. Selbstreflexion braucht ein Maß, sonst wird sie zur Nabelschau.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Mach Reflexion zur GewohnheitEin fester Moment am Tag hilft dir mehr als gelegentliche gute Vorsätze.
  2. Rechne mit ÜberraschungenWenn du ehrlich hinschaust, wirst du mehr finden, als dir lieb ist – das ist der Anfang von Veränderung.
  3. Unterscheide Schein und SeinFrag dich, ob du eine Haltung wirklich lebst oder nur so wirkst.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Selbstreflexion steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Tatkraft.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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