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Beispiel zum WertKonsequenz (S19)

Medien

Wie der Spiegel den Fälschungsskandal um Claas Relotius selbst öffentlich machte

Ein Nachrichtenmagazin deckte die Fälschungen seines Starreporters selbst auf und zog Folgen bis in die Führungsebene.

Eine goldene Linie steht zwischen zwei Kreisen; wer sie überschreitet, wird klar und fair zurückgeführt. Wächst die Linie zur Mauer, kappt sie den Faden und verbannt den anderen – bis sie wieder durchlässig wird und der Faden neu geknüpft ist.
Kurz gesagt

Ein Nachrichtenmagazin deckte die Fälschungen seines Starreporters selbst auf und zog Folgen bis in die Führungsebene. Konsequenz zeigt sich hier als Bereitschaft, eigene Fehler offenzulegen – auch wenn sie spät kam.

1 Min. Lesezeit3 AbschnitteSituationBezug zum Wert
Inhalt

Am 19. Dezember 2018 machte Der Spiegel öffentlich, dass sein Reporter Claas Relotius „in großem Umfang eigene Geschichten erfunden“ hatte. Relotius hatte zwischen 2012 und 2018 19 Journalistenpreise erhalten. Der Fall zeigt, wie Konsequenz aussehen kann – und was passiert, wenn sie zu spät einsetzt.

Ein goldener Lichtkegel fällt nach innen ins eigene Haus – wie der Spiegel, der den Fall Relotius selbst öffentlich machte.
Ein goldener Lichtkegel fällt nach innen ins eigene Haus – wie der Spiegel, der den Fall Relotius selbst öffentlich machte.

Ein Kollege lässt nicht locker

Situation
Im Herbst 2018 arbeitete der Reporter Juan Moreno mit Relotius an einer Geschichte über Milizen an der US-mexikanischen Grenze, veröffentlicht als „Jaegers Grenze“. Moreno fielen Ungereimtheiten auf, er meldete seinen Verdacht. Die Ressortleiter reagierten skeptisch. Moreno recherchierte auf eigene Faust weiter, besuchte Milizmitglieder und sammelte Belege.
Bezug zum Wert
Konsequenz zeigte hier zuerst ein Einzelner, der sich von der Skepsis seiner Vorgesetzten nicht abhalten ließ.

Aufklärung und Folgen

Situation
Relotius kündigte am 17. Dezember, zwei Tage später ging der Spiegel an die Öffentlichkeit. Am 28. Dezember wurden die neuen Verträge zweier bereits beförderter Führungskräfte ausgesetzt – Ullrich Fichtner und Matthias Geyer, der das Gesellschaftsressort leitete –, bis eine Kommission den Fall aufgearbeitet hatte. Deren Bericht erschien im Mai 2019. Er stellte zahlreiche frühere Warnungen fest und empfahl unter anderem Stichproben-Prüfungen und lückenlose Dokumentation der Recherche.
Bezug zum Wert
Das Magazin legte seine Fehler offen, zog personelle Folgen und änderte seine Regeln.

Die andere Seite

Die Konsequenz kam erst, nachdem ein Kollege gegen die Skepsis der eigenen Vorgesetzten Beweise gesammelt hatte. Der Kommissionsbericht stellte fest, dass es sich nicht um vereinzelte Fehler handelte.

Das nimmst du mit

Was du daraus lernen kannst

  1. Hinweise ernst nehmenWenn jemand Zweifel meldet, prüfe – statt abzuwehren.
  2. Selbst offenlegenMach eigene Fehler öffentlich, bevor andere es tun.
  3. Regeln ändernKonsequenz zeigt sich nicht nur in Personalien, sondern in besseren Abläufen.
Zurück zur Grundlage

Lies nach, was hinter Konsequenz steckt – mit Wertematrix, Übertreibung, Forschung und Fragen zur Reflexion. Und schau dir die Schwester an: Vergebungsbereitschaft.

Grundlage: das Buch WORK HEARTER von Titus Lindl und Tim Walter (2016) · Wertematrix nach dem Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun · Mehr zum Ursprung

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